180 Uebersicht der Ereignisse des Jahres 1860.
schreiben vom 17. Februar sämmtlichen Präfecten aufgetragen, der geheimen
Propaganda, welche durch die Gratisaustheilung von hunderttausenden von
kleinen Broschüren gemacht werde, um die Politik des Kaisers gegen den
heiligen Vater zu verleumden, mit allen gesetzlichen Mitteln entgegen zu
treten und allzu exaltirte Prediger nöthigenfalls dem Richter zu über—
weisen.
Inzwischen ging Napoleon seinen Weg und verständigte sich mit
England und mit Sardinien. Am 5. Jan. wurde Graf Walewsky, der
Minister des Auswärtigen, der die Unterhandlungen mit den Cabinetten
im Sinne des Friedens von Villafranca und für die Lösung der Schwierigkeiten
durch einen Congreß geführt hatte, entlassen. An demselben Tage
richtete der Kaiser ein Schreiben an den Staatsminister, in dem er demselben
große Maßregeln im Sinne des Freihandelsprincips ankündigte und
zugleich die Grundlagen eines Programms dazu mittheilte. Seinem Wunsche
gemäß ging der englische Gesandte Lord Cowley selbst nach London, um
sich mit der englischen Regierung über den Abschluß eines umfassenden
Handelsvertrages und über eine neue Verständigung bezüglich Italiens zu
vereinbaren. Am 10. Jan. war Lord Cowley schon wieder in Paris zurück:
die Verständigung war eingeleitet, Unterhandlungen angeknüpft. Am
17. Jan. nahm Viktor Emanuel die ihm von Ratazzi angebotene Entlassung
an und beauftragte Cavour, der nach dem Frieden von Villafranca
zurückgetreten war, wieder mit der Bildung eines Ministeriums. Am 20.
Januar verkündete die Regierung von Toskana, am 21. diejenige der
Emilia (Parma, Modena und die Legationen) das sardinische Verfassungsstatut
und das sardinische Wahlgesetz. Am 22. Jan. übermittelte das
englische Cabinet dem französischen einen neuen Vorschlag zu Lösung der
italienischen Frage, der von den Stipulationen von Villafranca und Zürich
entschieden abging, indem in Toskana, Modena, Parma und den Legationen
neue Abstimmungen über die Frage ihrer Einverleibung in Sardinien
vorgenommen werden sollten, in dem Sinne, daß, wenn dieselben
wiederum zu Gunsten Sardiniens ausfallen sollten, weder Frankreich noch
England sich einer Besitznahme dieses Landes durch Sardinien widersetzen
würden. Am 24. Jan. wurde der Handelsvertrag zwischen Frankreich
und England unterzeichnet und an demselben Tage das Parlament in
London eröffnet, wobei die Königin in der Thronrede wiederholt erklärte,
daß ihre Regierung nie zugeben werde, daß den italienischen Völkerschaften
irgend eine Regierung oder Verfassung aufgezwungen werde.
Der Vorschlag Englands wurde von Frankreich weder angenommen