Full text : Der germanische Ursprung der lateinischen Sprache und des römischen Volkes.

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die  meisten  Wurzeln  des  Latein  behielt,  doch  auch  andere,
bisher  ungebräuchliche,  aufnahm,  und  ihre  Flexion  gänzlich.
änderte,  um  wie  viel  mehr  musste  eine  rohe,  ungebildete.
Sprache,  in  der  früher  nichts  oder  doch  wenig  geschrieben
war,  sich  umgestalten,  da  Schreibekunst  und  Wissenschaft
ihr  durch  einen  fremden  Geist  gebracht  wurden!  Daher  erklärt
  es  sich  wohl  leicht,  dass  die  Saturnalia,  frühere  Inschriften,
  die  Gesetze  der  Könige,  die  XII  Taieln  und  viele
Verträge  der  Masse  des  Volks  unverständlich  wurden,  aber
auch  zugleich,  wie  diess  römische  Latein  dem  etruscischen,
oscischen  und  Provinziellatein  sich  entfremdete  und  in  den
Provinzen  erst  erlernt  werden  musste.*)  Hätte  das  neuere
Deutschland  nicht  sogar  im  kleinsten  Dorfe  Schulen,  so  würde
unsere  hochdeutsche  Büchersprache  kaum  vom  gemeinen

Manne  verstanden  werden,  für  den  auch  heute  noch  das
mündlich  in  seinem  Dialecte  ihm  Vorgetragene  deutlicher  ist,
als  das  aus  Büchern  Vorgelesene.

Und  doch  hat  sieh  die  deutsche  Sprache  reiner  erhalten,
  und  fremde  Elemente  nicht  so  in  sich  aufgenommen,
und  mit  den  eigenen  verschmolzen,  wie  das  Latein.
So  also  war  es  möglich  dass,  ohnerachtet  der  gleichen  War-ı
zeln,  die  beiden  Sprachen  in  ihrem  Baue  von  einander  abwichen.
  Deutschland  war  also  nicht  seit  der  Völkerwanderung,
  nicht  erst  seit  der  Cimbern  und  Teutonen  Zeiten,  sondern
  schon  viele  Jahrhunderte  vorber  das  Land,  welches
Volksschwärme  aussandte  und  andere  Länder  bevölkerte,  von
dem  auch  Italien  seine  Bewohner  erhielt.  Diese  Volkswanderungen
  warcn  aber  nicht  so  beschaffen,  dass  alle  einzelne  Personen
wegzogen,  sondern,  wie  auch  Luden  und  Niebuhr  schon

*)  Bo  sagt  Isidor.  Orig.  lib.  9.  1.  Zutinas  autem  linguas  quasuor
esse  quidam  dixerunt,  idest  Priscam,  Latinam,  Romanam,  mixtam,
Prisca  est  qua  vetustissimi  sub  Jano  et  Saturno  usi  sunt  inconditu,
  ut  se  habent  carmina  Saturnaliorum  etc,