Full text : deutsches Wörterbuch. Zweiter Band H-O. (2)

1171  Platz.

b)  übertragen  auf  eine  Stadt,  namentlich  in  der  Spr.
der  Kaufleute:  ein  guter  platz  für  verkäufe;  der  erste
platz  in  Deutschland  für  den  buchhandel  ist  Leipzig;
in  seeplätzen  geschäfte  machen;  am  platze  einen  vertreter
  haben;  vgl.  auch  handelsplatz;  und  in  der  Heerspr.:
  fester,  offener  platz;  einen  platz  belagern,  stürmen,
erobern,  entsetzen;  machte  sich  auch  wirklich  meister
von  Rothwei!l  .  .  aber  dieser  platz  wurde  theurer  bezahlt,
  als  er  werth  war  Schiller  8,  395;  Roms  feldherr
  steckte  gleich  mir  alle  plätze  an  Ho  Kleist
Herrmannsschl.  4,  8.  o)  fest  begrenzte  Stelle  in  einem
uWmschlossenen  Raume:  sich  einen  platz  im  theater,  concerte,
  in  der  eisenbahn,  im  wagen  sichern,  kaufen;
scinen  festen  platz  in  der  kirche  haben;  das  ist  mein
platz;  der  platz  ist  belegt;  seinen  platz  einnehmen;
der  redner  spricht  vom  platze  aus,  z.  B.  im  Reichstage,
  wenn  er  die  Rednerbühne  nicht  besteigen  will;
sitz  -,  stebplätze;  übertragen  auf  Sitz  und  Stelle  in
einem  Collegium:  weil  ein  platz  im  rathstul  offen  war
Gellert  Fab.  2,  25;  den  ersten  platz  unter  den  evangelischen
  reichsständen  Treitschke  3,  491;  können  wir
ihnen  nicht  schnell  genug  diese  plätze  (der  Minister)
einräumen  Bismarck  Red.  6,  126;  auf  eine  Arbeitsstelle
  überhaupt:  einen  platz  bei  einer  herrschaft,  in
einem  geschäft  finden;  einen  aus  seinem  platze  drängen;
—  in  der  Bed.  einer  freien  oder  geeigneten  Stelle  im
Raume,  Naumteil  überhaupt;  mit  Artikel,  rein  örtlich:
trägt  er  ihn  an  einen  sichern  platz  Hagedorn  Fab.
2,  28;  es  ist  kein  platz  mehr  hier;  der  platz  gehe
sehr  Zusammen  Goethe  W.  Meister  3,  3;  noch  ein  plätzchen
  erlangen;  ich  will  mein  plätzchen  schon  finden
Rabener  3,  35;  unsinnlicher,  wie  auch  stelle  (s.  d.):
möcht  ich  mich  doch  nicht  rühren  vom  platz  Goethe
Herm.  u.  Dor.  1;  hier  ist  der  platz  zu  reden,  zu
schweigen;  zu  prahlen  ist  hier  der  platz  nicht;  eine
freie  äuszerung  ist  hier  ganz  am  platze;  er  ist  für
diese  arbeit  ganz  an  seinem  platz;  jemand  an  den
richtigen  platz  stellen;  eines  platz  vertreten:  Rosine,
bei  der  sie  von  der  wiegen  an  der  mutter  platz  vertrat
  Wieland  Klelia  1,  255;  mir  wär  an  Ihrem  platz
nicht  leid,  mich  neben  jeder  sehn  zu  lassen  Urteil
des  Par.  455;  —  in  allgemeinerem  oder  unbesimmterem
Sinne,  ohne  Art.:  einer,  etwas  hat  platz,  platz  genug,
genügenden  Raum;  nie  hab  ich  geahnt  in  träumen,
dasz  solche  reiche  lust  platz  haben  könn“  in  allen
himmelsrüumen  Rückert  Liebesfr.  1,  63;  der  schrank
hat  hier  nicht  platz;  ihr  habt  ja  in  dem  neste  selbst
kaum  platz  Goethe  W.  Meister  5,2;  ich  will  schon
platz  finden;  macht  dem  herren  platz  Garg.  79;  dafür
kurz  bloß  platz!  öflnet  die  gasse!  platz!  Schiller  Tell
3,  3;  man  sieht  nichts  —  platz!  Hv  Kleist  Penthes.  4;
sich  platz  machen,  schaffen,  mit  dem  Beisinn  der  Gewalt:
  (der  Blitz)  macht  sich  zermalmend  platz,  um  zu
zermalmen  Schiller  Picc.  1,  4;  höfliche  Aufforderung:
nehmen  Sie  plats  (setzen  Sie  sich);  willst  du  nicht  bei
uns  platz  nehmen?  Benedix  zärtl.  Verw.  3,  12;  aber
platz  nehmen  auch  außerhalb  solcher:  der  alte  sieger,
indem  er  auf  dem  gebirgland  zwischen  ltalien  und
Deutschland  platz  genommen  Ranke  Pähste  1,  273;
unsinnlicher:  dasz  auch  das  rechtfertigende  prinzip  in
dem  menschen  selbst  platz  nimmt  204;  in  anderen
ähnlichen  Formeln:  so  bald  es  platz  haben  mocht  (so
bald  es  angieng),  2eigt  er  das  dem  andern  an  Wickram
Goldf.  B  3bz  eincs  bitte  platz  geben,  die  wahrbeit  findet
sclten  platz,  platz  gewinnen  etwas  zu  tuhn  Stieler;
besonders  gern  platz  greifen:  wie  eine  richtigere
schätzung  des  werthes  der  menschen  unter  uns  platz
greifen..  könnte  Wieland  Aristipps  Briefe  1,  4;  dasz
diese  meine  version  eben  so  gut  wie  jede  andere  platz
greist  Bismarck  Red.  13,  299,  u.  a.  2)  anderes  platz,
landschaftlicher  Ausdruck  für  runder,  breiter  Kuchen,
Fladen;  vielleicht  volksmäßige  Kürzung  von  lat.  placenta

Platzgeschäft  —  platzen.  1172

Kuchen,  von  Klosterbäckereien  her;  auch  poln.  plac  und
placek  in  gleichem  Sinne:  platz,  plaatz,  ordo  galanus,
placenta  viliorn  Steinbach;  zum  testtage  plätze
backen;  Dim.  besonders  in  zuckerplätzehen,  eine  Art
Naschwerks;  zuckerplätzlein,  saccharens  pastillus
Steinbach.  3)  wieder  verschiedenes  platz,  mhd.  blatz,
schneller  und  kurzer  Laut,  erepitus  Frisch;  das  pulver
thut  einen  platz,  wann  man  es  anzundet  ebd.;  vgl.
platzen.  —  Zusammensetzungen  zu  1:  Platzgeschäft,
Geschäft  an  einem  Handelsplatze  selbst,  im  Gegensatz
zu  einem  auswärtigen.  —  Platzkommandant,  m.  Kommandant
  eines  befestigten  Platzes.  —  Platzmajor,  m.
Offizier  in  einer  Festung  oder  Garnison,  der  den  Garnisonsdienst
  zu  regeln  hat.  —  Platzmangel,  m.  Mangel
an  Platz  oder  Raum.

Platzen,  einen  Krach  hören  lassen,  mit  Krach  von
einander  gehen,  lautmalendes,  auf  platz  3  zurückgehendes,
  mit  platschen  (s.  d.)  verwandtes  Wort,  mhd.
blatzen,  platzen;  intranf.,  vom  bloßen  Geräusche:  ich
höre  etwas  platzen,  es  regnet  dasz  es  platzt  Adelung,
  ogl.  platzregen;  das  holz  platzt  im  feuer,  wenn
es  im  Brennen  diesen  Schall  von  sich  giebt,  pulver,
welches  nicht  platzt,  nicht  knallt  ebd.,  vgl.  platzpatronc;
wies  blitzt  und  platzt,  in  funken  spruht!  Goethe
Faust  II  1;  vom  Schuß,  begrifftauschend  vom  Gewehr:
der  schusz,  die  flinte  platzt  los,  kracht;  dazwischen
platzten  die  gewehre  ab,  die  aber  .  nur  mit  pulver
gelalen  waren  Immermann  Muünchh.  4,  73;  landschaftlich
  auch  von  Menschen,  solchen  Laut  erregen,  ins
wasser  platzen,  klatschend  fallen;  mit  der  peitsche
platzen,  schlesisch;  mansfeldisch  platzen,  mit  der  Flinte
knallen,  auch  auf  eine  besondere  Art  kegeln;  selbst  tranf.
einen  schusz,  ein  gewehr  losplatzen;  —  mit  einem
Krach  bersten,  dann  —  gewaltsam  bersten  überhaupt,
ohne  Hervorhebung  des  Geräusches  (vgl.  aufplatzen):
blasen,  geschwüre,  knospen  platzen  u.  s.  w.;  beim
Rösten  platzen  kastanien,  kartoffeln;  mir  platzte  eine
naht;  eine  bombe  ist  geplatzt,  auch  bildlich;  eb  die
wolke  platzt  und  blitze  sprühet  Wieland  Perv.  3,  386;
dic  schale  (der  Frucht)  platzt  Goethe  Div.  8,  33;  ei,
so  wollte  ich,  dasz  ihr  der  güurtel  platzte!  Ho  Kleist
Käthch.  v.  Heilbr.  4,  2;  da  platzt  jählings  der  blasebalg
  (der  Orgel)  Rosegger  Waldschulm.  263;  fressen
dasz  der  bauch  platzen  mögte  Frisch;  turkische  musik,
dasz  einem  das  trommelfell  platzen  möchte  Heyse
10,  248;  bildlich,  mit  Anlehnung  an  das  Platzen  einer
Sumpfblase:  sein  herz  ist  grosz  genug,  die  grösze  zu
verachten,  die  farbicht  schwillt  und  platzt  Uz  2,  297;
von  Menschen:  so  viel  essen,  dasz  man  platzen  möchte
Adelung;  im  Bilde:  er  platzt,  möchte  platzen  vor
lachen,  ärger,  neid,  wut  u.  ä.;  ich  platze  vor  neubegier
Kotzebue  Kleinstädt.  3,  9;  wenn  einer  .  sieh  vor
eigendunkel  blähte  und  auftrieb,  bis  er  hätte  platzen
mögen  Wieland  Danischm.  29;  etwas  platzt  hervor,
heraus,  kommt  berstend  zur  Erscheinung:  dasz  ihnen
die  kutteln  schuhlang  herausplatzen  Schiller  Räub.
2,  3;  —  mit  Ungestüm  hervor=  oder  hereinbrechen,  in
älterer  Spr.  in  Bezug  auf  feindlichen  Angriff:  platzten
wie  die  unsinnigen  in  alles,  so  man  in  weren  wolt
Aventin  1,  50;  die  haufen  zertrenten  sich,  platzten
den  perg  herab  395;  platzten  die  Baiern  unversehen
in  die  feind  457;  Andenken  daran  noch  in  der  Formel
auf  einander  platzen:  die  geister  platzten  auf  einander;
die  tausend  verletzten  örtlichen  interessen  .  im  parlamentarischen
  kampfe  auf  einander  platzen  zu  lassen
Treitschke  2,  278;  sonst  neuer  in  milderem  Sinne:
mit  einer  antwort,  bemerkung  los,  heraus  platzen;
Franziska  herausplatzend  Lessing  Minna  5,  5;  ich
habe  so  viel  zu  erzählen  .  .  dasz  alles  auf  einmahl
heraus  platzen  möchte  Wieland  Sylv.  4,  2;  bald
darauf  platzte  ein  ältlicher,  kleiner,  fxer  mann  ins
zimmer  Gaudy  Erz.  115.  Landschaftlich  platzen  prahlen