Object: Staatsrecht, Völkerrecht und Politik. Dritter Band. (3)

370 Systemwechsel in Kopenhagen? Die Abstimmung in der Rastatter Frage. 
für etwas an sich Wünschenswertes, sondern nur für eine eventuelle Notwendigkeit auf 
den Fall ansehe, daß wir Gewißheit über die Unaufrichtigkeit der Absichten Dänemarks 
erlangen. Will Dänemark ehrlich unterhandeln, so ist es auch für uns ratsam, diesen Weg 
nicht zu erschweren oder zu sperren. Der Austritt des Ministers Andrae, die Abstellung 
des innern Ministeriums und die Bereitwilligkeit, nur holsteinsche Truppen zur Inspek= 
tion zu stellen, sind Symptome eines Systemwechsels in Kopenhagen. Erweisen sie sich als 
trüglich, so kann die Beurteilung einer dänischen Antwort durch die Ausschüsse so streng 
und der weitere Fortschritt im Exekutionsverfahren ein so rascher sein, als es der hanno= 
verschen Regierung irgend gefällig ist. Erschweren oder versagen wir aber den Dänen 
die Betätigung einer etwaigen Sinnesänderung, so führen wir ihnen wiederum die vollen 
Sympathien der auswärtigen Mächte zu. Dieselben Kreise, von welchen jetzt in einem 
Teil der deutschen Presse ein blinder Lärm ausgeht, weil sie mit der Sachlage und den 
politischen Verhältnissen kaum oberflächlich vertraut sind, würden, wenn man ihren vagen 
Deklamationen zu genügen versuchte, deshalb nicht minder bereit sein, die Regierungen, 
von welchen sie mit Recht ein besseres Verständnis und mehr Besonnenheit als von sich 
verlangen, für die Versäumnis alles dessen, was auf anderm Wege hätte erreicht werden 
können, verantwortlich zu machen. 
Ich sehe nach wie vor in dem Verhalten der hannoverschen Regierung nur das Be= 
streben, ohne Rücksicht auf die Sache selbst und auf Kosten anderer Bundesstaaten die Un= 
wissenheit und Erregtheit der öffentlichen Meinung auszubeuten, um auf diesem Wege die 
eigene Impopularität im Lande zu vermindern und zugleich die persönlichen Wünsche eini= 
ger Staatsmänner zu befriedigen. Meines g. Dafürhaltens können wir ruhig abwarten, 
zu welchen Schritten Hannover etwa die Initiative ergreifen, und wie Österreich sich zu 
denselben verhalten wird. Nur erlaube ich mir ehrerbietigst anheimzustellen, ob nicht in 
der Presse ein Anstoß dahin zu geben wäre, daß der bereits publizierte Beschlußentwurf 
und nicht minder die Haltung Hannovers gegen denselben in unserem Sinne und vielleicht 
unter Benutzung des vorstehend Vorgetragenen kommentiert werden. 
411. Bericht an Minister v. Manteuffel. 
[Ausfertigung.] 
3. August 1858. 
In Anknüpfung an dasjenige, was ich in meinem Immediatbericht vom 29. Juli in 
betreff der Abstimmung von demselben Tage über die Rastatter Frage gesagt habe, er= 
laube ich mir E. E. nachstehendes g. vorzutragen. 
Die Abwehr des Druckes, welchen Österreich mit der antipreußischen Majorität am 
Bunde auf uns übt, wird besonders dadurch erschwert, daß für das Verhalten am Bunde 
jederzeit die bundesfreundlichen Gesinnungen und die Hingebung für die Interessen des 
Bundes als allein maßgebend in der offiziellen Sprache angenommen werden. Dabei identi= 
fiziert man Deutschland und seine Interessen mit der Bundesversammlung und dem Willen 
der Majorität in derselben. Dieser Fiktion entgegenzuarbeiten, liegt in unseren Bedürf= 
nissen, weil durch dieselbe unsere Gegner mit dem Nimbus ausgerüstet werden, welcher 
den nationalen Ideen in Deutschland eigen ist. M. E. müssen wir zu dem Ende jede sich 
darbietende Gelegenheit ergreifen, um das Institut des Bundes auf das ihm durch den un= 
zweifelhaften Inhalt der Verträge angewiesene Niveau einer Anstalt zur äußeren und