342 Siebzehntes Kapitel: Der Frankfurter Fürstentag.
der Weg nach Berlin sei für Oestreich nicht weiter und nicht
schwieriger als für die Mittelstaaten.
Die durch die Ablehnung erzeugte Verstimmung war nach
meinen Eindrücken hauptsächlich der Antrieb, der das Wiener
Cabinet zu einer Verständigung mit Preußen im Widerspruche mit
der bundestägigen Auffassung leitete. Diese neue Richtung ent-
sprach dem östreichischen Interesse, auch wenn sie länger bei-
behalten worden wäre. Dazu wäre vor Allem erforderlich gewesen,
daß Rechberg am Ruder blieb. Wäre damit eine dualistische
Führung des Deutschen Bundes hergestellt worden, der sich die
übrigen Staaten nicht versagt haben würden, sobald sie die Ueber-
zeugung gewonnen hätten, daß die Verständigung der beiden Vor-
mächte ehrlich und dauerhaft war, so würden auch die Rheinbund-
gelüste einzelner süddeutschen Minister, die am schärfsten, was auch
Graf Beust in seinen Denkwürdigkeiten sagen mag, in Darmstadt
zum Ausdruck kamen, dem östreichisch-preußischen Einverständniß
gegenüber verstummt sein.
III.
Wenige Monate nach dem Frankfurter Congreß starb der König
Friedrich VII. von Dänemark (15. November 1863). Das Mißlingen
des östreichischen Vorstoßes, die Weigerung der übrigen Bundes-
staaten, nach der preußischen Ablehnung mit Oestreich allein in engere
Beziehung zu treten, brachten den Gedanken einer dualistischen Politik
der beiden deutschen Großmächte, infolge der Eröffnung der schleswig-
holsteinischen Frage und Succession, in Wien der Erwägung nahe,
und mit mehr Aussicht auf Verwirklichung, als im December 1862
vorgelegen hatte. Graf Rechberg machte in der Verstimmung über
die Weigerung der Bundesgenossen, sich ohne Mitwirkung Preußens
zu verpflichten, einfach Kehrt mit dem Bemerken, daß die Ver-
ständigung mit Preußen für Oestreich noch leichter sei als für