fullscreen: Das öffentliche Recht der Gegenwart. Band 2. Das Staatsrecht des Königreichs Württemberg. (2)

452 Achter Abschnitt: Die Landesverwaltung. II. Die Berwaltung der inneren Angelegenheiten. 
  
  
Oberbergamt die erste Verwaltungsrechtsinstanz im Sinne des Ges. v. 16. Dez. 1876, 
und es findet gegen seine Entscheidungen die Berufung an den Verwaltungsgerichts- 
hof nach Maßgabe dieses Gesetzes statt 1). 
Dee Pflege von Gewerbe und Handel ?). A. Die materiellen Grund- 
sitze des Gewerberechts insbesondere der Gewerbepolizei sind reichsgesetzlich geregelt 
durch die Gew. O. v. 21. Juni 1869 (in Württemberg in Wirksamkeit getreten am 
1. Jan. 1872) nebst zahlreichen Abänderungs- und Ergänzungsgesetzen 2). Unter Be- 
rücksichtigung dieser Aenderungen hat sie auf Grund der Ermächtigung durch das Gesetz 
vom 30. Juni 1900 Art. 17 eine neue im R. G. B. 1900 S. 871 ff. veröffentlichte Re- 
daktion erhalten 4). Eine weitere Ergänzung bilden das R.G. vom 2. Juni 1902, 
betr. die Stellen vermittlung für Schiffsleute, und das R. G. 
vom 30. März 1903, betr. Kinderarbeit in gewerblichen Betrie- 
benz), mit den Bundesratsbeschlüssen vom 17. Dez. 1903 (R.G.B. S. 312), der 
württ. Vollz. Verf. v. 10. Dez. 1903 (R. Bl. S. 570) und dem M. E. v. 15. Dez. 1903 
(A. Bl. S. 601). Daneben sind durch besondere Reichsgesetze geregelt die Verhältnisse 
der Hypothekenbanken (R. G. v. 13. Juli 1899, M. Verf. v. 16. Nov. 1899, 
R. Bl. S. 980), und der Börsen mit den ihnen eigentümlichen Ehrengerich- 
ten (R. G. v. 22. Juni 1896, Vollz. Verf. v. 17. Nov. 1896, R. Bl. S. 956, v. 23. Dez. 
1896 R. Bl. S. 328 und v. 11. März 1897 R. Bl. S. 26), die Pflichten der Kaufleute 
bei Aufbewahrung fremder Wertpapiere (R. G. v. 5. Juli 1896), 
sowie das Auswanderungswesen — R. G. v. 9. Juni 1897, Vollz. Verf. 
v. 8. März 1898 (R. Bl. S. 51), M.E. v. 8. März 1898 (A. Bl. S. 89) und das Ver- 
sicherungswesen (S. 415). Dem unlauteren Wettbewerb im 
geschäftlichen Verkehr sind durch das R.G. v. 27. Mai 1896 Schranken gezogen. 
Von einer Definition des Gewerbebetriebs sieht die G. O. ab, doch findet sie nach 
ausdrücklicher Bestimmung keine Anwendung auf die Fischerei, die Errichtung und 
Verlegung von Apotheken, die Erziehung von Kindern gegen Entgelt, das Unterrichts- 
wesen, die advokatorische und Notariatspraxis, den Gewerbebetrieb der Auswande- 
rungsunternehmer und Auswanderungsagenten, der Versicherungsunternehmer und 
der Eisenbahnunternehmungen ), die Befugnis zum Halten öffentlicher Fähren und 
1) Ges. v. 16. Dez. 1876 Art. 9 und 57; vgl. Göz a. a. O. S. 472. 
2) Bogl. Zeller im Wörterb. d. d. V.R. I S. 586 ff., Lexis ebend. S. 621 ff. und be- 
üglich des früheren württ. Gewerbe R. v. 1805—1870 L. Köhler, Tüb. 1891 S. 1—292; 
seimer Laband III S. 193 ff., Sarwey, Oeffentl. R. S. 507 ff., Landmann, Kom- 
mentar 5. Aufl. 1907; Schicker, Kommentar 4. Aufl. 1901; Göz a. a. O. S. 194 ff. 
3) Die allgemeinen Württ. Vollzugsvorschriften sind enthalten in den beiden M. Verf. v. 
9. Nov. 1883 und vom 26. März 1892 mit Aenderungen und Ergänzungen vom 14. Okt. 1895, 
12. Dez. 1896, 31. Jan. 1898, 28. Sept. 1900, 13. Juni 1901, 27. Dez. 1902, 9. März 1905, 12. Sept. 
1905, 22. Jan. 1907, 16. Mai 1907. Diese, sowie die sonstigen Vollzugsvorschriften sind zusammen- 
gestellt in der G. O. von Brenner, Stuttgart 1907, vgl. auch Schicker a. a. O. S. 1303 ff. 
4) Durch Reichsgesetz vom 14. Okt. 1905 ist der § 44 Gew. O. geändert worden und das Reichs- 
gesetz v. 7. Jan. 1907 hat den Betrieb des Gewerbes als Bauunternehmer und Bauleiter, sowie 
den Betrieb einzelner Zweige des Baugewerbes Beschränkungen unterworfen (vgl. Vollz. Vf. v. 
30. Okt. 1907 R. Bl. S. 761). 
5) Ueber das Verbot der Sonn= und Festtagsarbeit und über den Kinderschutz in gewerb- 
lichen Betrieben vgl. Mosthaf im Amtsbl. des Minist. des Innern 1895 S. 230 ff., 247 ff., 1903 
S. 526 ff.; über den Arbeiterschutz im allgemeinen vgl. Dr. Zeller in Stengels Wörterb. 
d. d. Verw. R. 1 Erg. Bd. S. 1—10, II. Erg. Bd. S. 21—24. 
6) Auf die Betriebe der württ. Verkehrsanstalten, Haupt- und Hilfs- 
betriebe, findet nach der neueren Rechtsprechung des Reichsgerichts die G.O. an sich keine An-