338 Zweites Zuch. Die ersie hohenzollernsche Staatsgründung.
tät sorderten, von der Notwendigkeit und Nützlichkeit des Anschlusseo
an den Kaiser überzengen. So rangen die Parteien
am Hofe und in der Regierung miteinander. In Pruckmann
und Schwartzenberg fließen die beiden politischen Systeme hart
aufeinander. Als schimpflich bekämpfte der freimütige alte Herr
den Parteiwechsel: der Kaiser habe ihn nicht verlangt und
Dänen und Schweden vnergelte er das begangene Unrecht nicht.
Auch mürden die für den Kurfürsten geworbenen Truppen sich
nicht ohne weiteres zur kaiserlichen Armee schlagen lassen. Noch
niemand habe beim Bund mit dem Kaiser gewonnen, außer
dem Pfalz-Neuburger, der freilich auch seinen Glauben abgeschworen
habe. Aehnliches fürchtete der treue Diener auch hier
als letzte Konsequenz des geplanten Systemwechselo: jedenfalls
müsse man bei einer so folgenschweren Entscheidung sich der
Zustimmung des Landes versichern. Er empfahl, etliche aus der
Landschaft zu berufen und ihnen das Beabsichtigte vertraulich
kund zuthun: rieten sie zu, so müßten sie auch zur Durchführung
helfen — „und darf hernach, wenn es mißrät, das „Krenzige'
nicht allein über die Räte gehn". Auch die fürstlichen Frauen
werden nicht unthätig geblieben sein. Die Gegensätze verschärften
sich so, daß Schwartzenberg einen Gewaltstreich fürchtete,
wie er den Kardinal Khlesl beseitigt hatte. Um so ärger verdächtigte
er seine Widersacher: Samnel von Winterfeld sollte
Mansfelde Einmarsch und die Besetzung Pillaus veranlaßt,
Knesebeck diese gutgeheißen haben. Solche Behauptungen machten
auf den Kurfürsten Eindruck. Von den Verleumdeten überließ
einer nach dem anderen das Feld dem „Herrn Meister“, den
Orenstierna unmutig ins Pfefferland wünschte. Das ergab erst
die Mattsetzung, dann die Anflösung des Geheimen Rateos: an die
Stelle der Körperschaft, die Joachim Friedrich als Vertreterin
für das Gesamtinteresse des werdenden Staatee geschaffen hatte,
trat der Wille des einen allmächtigen Ministers.
Auch Pruckmanns Nat zur Berufung ständischer Vertrauensmänner
befolgte man nur zum Schein: noch ehe die gewünschte
Aeußerung erfolgte, vollzog Schwartzenberg demonstrativ den
Uebertritt zum Kaiser, obgleich die Bedingungen, von denen er
ihn abhängig zu machen vorgab — Sicherstellung der ehe-