Volltext : Lehr- und Lesebuch oder die Vaterlands- und Weltkunde.

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freifet  ein  Strom.  Mit  hHerfulifcher  Gewalt  -Durhbradh  der  Dcean
einft  den  Gebirggrüden,  der  bei  den  Säulen  de3  Herfules  (Gibraltar)
  Afrifa  mit  Curopa  verband,  flürzte  dann  in  das  tiefer  gelegene
  Beden  Hinter  dem  Gebirgäwall  und  bildete  Den  meitlichen  Theil
des  mittelländischen  Meeres,  während  der  üftliche  Durch  Den  Durchbrud)
des  fchwarzen  Meeres  entitand,  das  ehebern  feinen  Ausweg  hatte
und  bei  Konitantinopel  die  Verbindung  Afieng  mit  Europa  jhmwad)
genug  fand,  um  diefe  Erdtheile  hier  zu  irennen.  ie  heftig  Diejer
Durchbruch  gemefen  fein  muß,  zeigen  Die  vielen  und  verjchleden
geformten  Eilande  des  jnfelmeeres.  Noch  jebt  jchit  Das  jchmarze
Meer  feine  Gemäffer  fortwährend  durch  Die  Straße  von  Sonjtanti:
nopel  in  den  Nrchipel,  von  mo  aus  fih  der  Strom  an  der  Küfte
von  Kleinafien  Herunterfchlägt,  dann  im  meftlicher  Nichtung  an  der
Nordküfte  Afrika’s  entlang  nad  Gibraltar  geht.  Sm  entgegengejeßter
  Richtung  bewegt  fih  noch  immer  ein  Stioin  aus  dem
atlantiiehen  Deecan  über  den  Hügelrüden  hinweg,  Der  quer  Durch  Die
Straße  von  Gibraltar  wie  eine  Binde  von  Afrifa  nad  Guropa  hin:
zieht,  und  läuft  an  der  Südkitte  von  Guropa  entlang,  weshalb  alfe
Schiffe,  wollen  fie  auf  dem  mittelländifchen  Meere  nach  Den  Weorgenzlande
  fahren,  jtet8  an  der  europäifchen  Küfte  entlang  jegeln,  fehren
fie  zurüd,  an  der  afrikanischen.  So  freifet  Da8  Meer  auf  der  öjtlichen
wie  auf  der  mweitlichen  Erdhälfte  ohne  Unterbrechung,  und  Die  Erbtheilc
tragen  deutlich  genug  Die  Spuren  Davon.  Alle  find  an  ihrer  Ditfülte
zerrilfen  und  zerjplittert,  mit  Trümmern  von  Snfeln  bejäet  und  mit
Halbinfeln  verjehen.  Außer  diefen  Strömungen  macht  der  Dcean  noch
innerhalb  eined  Tages,  gleich  einem  gewaltigen  Bendel,  regelmäßig
vter  Schwingungen,  befannt  unter  den  Namen  Ebbe  und  Fluth,  —
Dhne  Diefes  Pulfiren  de8  Meeres  würde  mweber  der  Wind  noch  ber
Salzgehalt  dafjelbe  vor  Fäulniß  und  alle  Wefen  vor  den  Tode  bewahren;
  denn  nur  Diefe  Vulzichläge  find  e3,  welche  vermögen,  das
Meer  618  auf  feinen  tiefiter  Grund  zu  erfcehüttern  und  Dadurch  Die
Faulniß  zu  verhüten.  So  arbeitet  dad  Meer  feit  Anbegimn  in  ralt
Iojer  Thätigfeit,  ald  ob  e8  athmete  und  lebte.  Da8  nimmer  ruhenbe
Waffer  zirkulirt  Durch  alle  jeine  Theile  hindurch,  wie  das  Blut  fich
bewegt  vom  Herzen  zu  den  Gliedern  und  von  den  Öliedern  mwieber
zum  Herzen.

6.  Bildung  der  Erdoberfläche.

MWenn  man  mit  einem  Male  das  Meer  ablafjen  fünnte,  würbe  e3
auf  feinem  Grunde  nicht  viel  anderd  ausfehen,  al3  auf  vielen  Stellen
unjerer  Erdoberfläche.  Wir  würden  da  große,  lange  Sandflächen  und
Derge  von  Kalf  und  ®ip8  fehen,  Die  fich  aus  dem  Mleerwaffer  gebildet
  haben,  alle  untermifcht  mit  häufigen  Mufcheln  und  anderen  GSeethierüberreften.
  Unferen  meiften  Bergen  merkt  man  gar  leicht  an,  Daf
fie  in  einem  großen  Meere  und  unter  einem  großen  Meere  gebildet  find.
Denn  viele  von  ihnen  find  ganz  erfüllt  von  Mufchel:  und  See