Metadata : Preussisches Hebammen-Lehrbuch.

frische  Bläschen  bis  in  die  dritte  Woche  entstehen.  Fieber
ist  in  den  leichten  Fällen  nicht  vorhanden;  in  der  Regel
tritt  nach  einer  bis  drei  Wochen  bei  zweckmäßiger  Behand—
lung  Heilung  ein.  Nicht  selten  kommen  jedoch  auch  Fälle
mit  Fieber  und  tötlichem  Ausgange  vor.

Die  Schälblasen  sind  sehr  ansteckend  und  können  durch
Gebrauchsgegenstände  und  Personen  verbreitet  werden;  insbesondere
  werden  dieselben  aber  leicht  durch  Hebammen  oder
Wärterinnen  von  einem  Neugeborenen  auf  andere  mit  unreinen
  bezw.  mit  durch  Eiterstoffe  beschmutzten  Händen  übertragen.
  Auch  ältere  Kinder  und  Erwachsene  können  von
der  Krankheit  ergriffen  werden.

Hat  die  Hebamme  ein  an  Schälblasen  leidendes  Kind
berührt,  so  hat  sie  ihre  Hände  aufs  Sorgfältigste  zu  desinfiziren
  und,  bevor  sie  zu  einer  zweiten  Wöchnerin  oder  einem
zweiten  Kinde  geht,  ihre  Kleider  zu  wechseln.  Von  jeder  in
ihrer  Praxis  vorkommenden  Schälblasenerkrankung  eines  Kindes
  hat  die  Hebamme  dem  Kreis-Physikus  unter  näherer  Darlegung
  des  Falles  mündlich  oder  schriftlich  Anzeige  zu  erstatten
  und  den  hiernach  ergehenden  Weisungen  Folge  zu
leisten.  Beim  Auftreten  von  mehreren  Fällen  in  ihrer  Praxis
hat  sich  die  Hebamme  der  Ausübung  ihres  Berufs  so  lange
zu  enthalten,  bis  sie  von  dem  Kreis-Physikus  Verhaltungsmaßregeln
  eingeholt  hat.

Jeder  Fall  ist  in  das  Tagebuch  einzutragen.  Auf  die
Zuziehung  eines  Arztes  ist  in  allen  mit  Fieber  verbundenen
Fällen  zu  dringen.