Siegeseinzug. Bismarcks Ehrungen 287
—
servativer Freundschaft kamen schon Mißklänge, denen er die
Mahnung entgegenstellen mußte, man möge die Diskussion in
dieser Zeit doch nicht zur Ablagerung von mehr oder weniger
feindseligen Parteiansichten benützen, sondern den Blick nur
nach außen richten und die Notwendigkeit im Auge behalten,
Rücken an Rücken gegen das Ausland dazustehen. Jene Mißklänge
trugen jedoch nur dazu bei, die Harmonie, die jetzt in
der Entwicklung lag, schöner zum Ausklang zu bringen und
dem hellen Licht den natürlichen Schatten zu geben.
Am 20. September ritt Bismarck beim feierlichen Einzuge
des siegreichen Heeres zwischen Roon und Moltke vor seinem
König; er war zum Generalmajor und Chef des 7. schweren
Landwehr-Reiterregiments ernannt. Der König hatte dazu geschrieben:
„Sie haben nicht allein als Staatsmann Ihren
Namen für alle Zeiten auf die Ehrentafeln Unserer Geschichte
geschrieben, sondern Sie haben Mir auch als Soldat treu zur
Seite gestanden, und will Ich bei der heutigen militärischen
Feier besonders dessen gedenken, daß Sie mir überall das Herz
und den Sinn eines Soldaten gezeigt haben.“ Von nun an
brauchte Bismarck nicht mehr im steifen Zivil dem Könige
Vortrag zu halten. Dieser hatte von dem Widerwillen Bismarcks
gegen diese Tracht gehört und gestattete ihm in seiner
feinen Art, er solle nur immer in der Uniform kommen, die
er an seiner Seite bei Sadowa getragen. Das war Bismarck
höchst willkommen; er hatte die Hoftracht stets verabscheut und,
wenn er sie tragen mußte, hatte das stets seine eigene Heiterkeit
erregt. Zu dem Ritterkreuze des Hohenzollernordens, den
Bismarck besaß, verlieh der König ihm die Schwerter und das
schwarz-weiße Band als Erinnerung an die historische Granate.
Am 25. September erwarb Bismarck sich ein glänzendes Vertrauensvotum
im Abgeordnetenhause; es bewilligte die durch
den Krieg veranlaßten Ausgaben bis zur Höhe von sechzig
Millionen Talern und bezeugte dadurch, was Bismarck erbeten
hatte, daß die Versöhnung der Geister, daß die Absicht, gemeinschaftlich
das Wohl des engeren und weiteren Vaterlandes zu
fördern eine aufrichtige und tiefgreifende sei.