Metadata : Der Deutsche Reichstag.

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Majoriät  behaupten  können.  Die  Sozialdemokraten  brachten  es  von
neun  auf  zwölf  Abgeordnete.

Trotzdem  die  nationalliberale  Fraktion  nur  126  Mitglieder  zählte,
gelang  es  ihr  doch  die  Wahl  der  Präsidenten  nach  ihren  Wünschen
zu  gestalten.  Die  nationalliberalen  Abgeordneten  v.  Forckenbeck  und
v.  Stauffenberg  wurden  zum  Präsidenten  bez.  ersten  Vizepräsidenten
gewählt  und  die  Fortschrittspartei,  welche  bei  den  Wahlen  aggressiv
gegen  die  Nationalliberalen  verfahren  war,  wurde  ausgeschlossen.  Der
zur  deutschen  Reichspartei  gehörige  Fürst  Hohenlohe-  Langenburg  wurde
zum  zweiten  Vizepräsidenten  gewählt.

Inzwischen  aber  war  die  bisherige  Bedeutung  der  Nationalliberalen
  wesentlich  geschwächt.  So  wenig  sie  geneigt  waren,  dies  selbst
offen  einzugestehen,  so  konnte  es  doch  keinem  unparteischen  Beobachter
verborgen  bleiben,  daß  der  Kredit  des  doktrinären  Liberalismus  im
Volke  zu  sinken  begann.

Der  am  22.  Februar  eröffnete  Reichstag  hatte  zunächst  nicht  genügenden
  Arbeitsstoff  und  trat  erst  mit  Ueberreichung  des  anfangs
rückständig  gebliebenen  Militäretats  in  volle  Thätigkeit.  —  Im  Zusammenhang
  mit  dem  Etat  stand  der  Entwurf,  betreffend  die  allgemeine
Kasernierung,  deren  Kosten  im  Betrage  von  168,200,000  Mark  im
Wege  der  Anleihe  beschafft  werden  sollten  —  und  ein  anderer  Anleiheentwurf,
  welcher  zu  Zwecken  der  Marine=  und  Telegraphenverwaltung
33  Millionen  verlangten.  Im  Gesamt-Etat  waren  die  Einnahmen
um  8  ½  Millionen  Mark  niedriger,  die  Ausgaben  um  17¼  höher,
als  im  Vorjahr  veranschlagt.  Es  ergab  dies  also  ein  rechnungsmäßiges
  Defizit  von  etwa  26  Millionen  Mark,  welches  durch  erhöhte
Einnahmen  aus  den  Matrikularbeiträgen  gedeckt  werden  sollte.  Ein  vom
Abg.  Richter  (Hagen)  eingebrachter  Antrag,  nach  welchem  über  die  „überflüssigen
  Bestände“  des  Invalidenfonds  schon  jetzt  verfügt,  die  Pensionen
  für  Invaliden  aus  den  Kriegen  vor  1870  nicht  aus  dem  laufenden
  Etat,  sondern  aus  dem  Invalidenfonds  gedeckt,  endlich  die
Zinsen  aus  dem  Fonds  für  den  Bau  eines  Reichstagsgebäudes  anderweitig
  verwendet  werden  sollten,  beabsichtigte,  das  Defizit  bis  auf
einige  Millionen  zu  beseitigen.  Diese  sämtlichen  Entwürfe  und  Anträge
wurden  in  Verbindung  mit  dem  Etat  behandelt.

Der  Antrag  Richter  (Hagen)  wurde  in  zwei  Punkten  angenommen,
  so  daß  etwa  7  Millionen  Mark  Ausgaben  des  Etats  auf  den
Invalidenfonds  und  auf  die  Zinsen  des  Fonds  für  das  Reichtagsgebäude
  geworfen,  die  in  Absatz  gebrachten  Matrikularbeiträge  also
um  so  viel  vermindert  wurden.  Im  weiteren  gelang  es,  teils  durch