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Wenn nun nächst dem Lehnwesen das zweite Grundelement
der öffentlichen Verhältnisse jener Zeit die Verfassung der Kirche
war, die Simonie aber in letztere auf das Tiefste eingriff; so wäre
gar nicht unglaublich, daß Heinrich ein Versprechen, diesem Unfuge
zu steuern, sei es nun aus gläubigem Eifer, sei es aus politischen
Rücksichten, wirklich öffentlich ertheilt habe. Uebrigens
kann darauf, ob der König das Gelöbniß gethan, oder ob Liudprand
es ihn nur in den Mund gelegt hat, nur wenig ankommen,
da die Unrichtigkeit eines so außerwesentlichen Umstandes auf die
Glaubwürdigkeit der Hauptsache keinen Einfluß gewinnen kann.
Endlich findet auch Luden die Nachricht des Bischofs, daß
eine Abbildung des Sieges für den obern Speisesaal der Pfalz
zu Merseburg angefertigt worden, in Erwägung des damaligen
Zustandes der Kunst, ganz unwahrscheinlich 11). Zu dem, was
Martini (Nota 133) hierbei bemerkt hat, daß der Bischof Bernward
von Hildesheim am Ausgange des 10. Jahrhunderts ein
Gemälde ausführte (picturam eliam limate exercuerit), kann
noch hinzugefügt werden, daß auch Widukind des auf der sächsischen
kaiserlichen Hauptfahne abgebildeten Engels bei beiden
Ungarnschlachten (933 und 955) in einer solchen Weise gedenkt,
daß man annehmen muß, er habe diesen Engel für ein ausgezeichnetes
Gemälde gehalten 15). Vielmehr muß der Umstand,
daß noch jetzt ein Gemälde der Ungarnschlacht (angeblich eine im
16. Jahrhundert gefertigte Copie des Originals) in dem Dome
zu Merseburg gezeigt wird, nicht wenig für die Nachricht der
Lindprand'schen Erzählung zeugen 15).
Soweit über den Bischof Liudprand. Nunmehr zu einer
parallelen Darlegung der Nachrichten über den Gang des Ereignisses
und zu dem Versuche, ihre Abweichungen unter sich in Einklang
zu bringen.
Zuvörderst scheint die Annahme sich rechtfertigen zu lassen,
daß die Ungarn über die Saale nach Thüringen gelangt sind und
diesen Fluß in der Nähe Merseburgs überschritten haben.
Liudprand sagt über ihren Anzug nichts, aus Widukind's
Worten 17) aber kann geschlossen werden, daß die Ungarn sowohl
in Dalmatien, weil sie im Gebiete eines verbündeten Volks waren,
als auch während des Zugs durch das übrige Sorabien, weil
sie Eile hatten, auf der ordentlichen Straße geblieben sind und
den nächsten Weg genommen haben.
14) Bleibt aber doch kein unverwerflicher Beitrag zur Kunstgeschichte.
1 5) Coramque eo angelum. pag. 435. — in legionc quinta ipse princeps,
coramdue co angelus, penes qduem victorio.
16) Nach einer Nachricht im Morgenblatte, Nr. 30 vom Jahre 1839,
geht übrigens auch diese Copie ihrer Auflösung entgegen.
17) Iter agentes per Dalamaliam — ab antiquis opem petunt amicis —
dunm ad oliam pugnam festinantilus non essel mjuriam vindicandi locns. (434).