W 309 20
sedern allein zu stützen, da die Moden der Frauen
unliebsame Unterbrechungen bereiten können — falls
wir uns nicht von den Parisern freimachen und auch
in dieser Beziehung unseren Vorteil im Auge behalten
könnten.
Ich möchte hier kurz hinweisen aus die Erzeugung
einer anderen gern gekauften Feder, der des Ma##bh
des in den Tropen häufigen Aasvertilgers. Bioher
wurde diese Feder nur durch Jagd erhalten, bis durch
Verordnung dem unveinünftigen, der Ausrottung
gleichkommenden Abschuß gesteuert wurde. Da die
Bögel leicht zahm werden, wäre zu bedenken, ob nicht
im Anschluß an Fleischverwertungsunternehmen oder
Schlachthöfe diese Vögel gehalten oder gar gezüchtet
werden könnten. Allerdings wird in den Schutzgebieten,
die wir aus Franzosenhänden zurückerhalten, kein
Zuchtmaterial mehr zZu erhalten sein.
Ich habe mich bemüht zu zeigen, wie der selb-
ständige Deutsche auf mittelafrikanischen Hochsteppen
einen Wirlungskreis finden kann in der Tierzucht, in
dem der Eingeborene mit ihm nicht in Wettbewerb zu
treten vermag, ohne daß anderseits die züchtende Ein-
geborenenbevölkerung in ihrem Besitz geschmälert wird.
Abgesehen davon, daß ausgedehnte Hochsteppen vor-
handen sind, wird auch bei besiedelten Hochsteppen
eine Ansiedlung von Europäern zwecks Erzielung der
erwähnten wertvollen Ausfuhrerzeugnisse möglich sein,
wenn wir einmal energisch gegen die Tsetse vorgehen
zud damit die Eingeborenen auf die Zone von 1
#8 2000 m mit ihren Rinderherden verweisen können.
Nicht allein die Fragen der Hervorbringung von
Rohstoffen sind für die Besiedlung des Landes mirt
weißen Farmern maßgebend: der alteingesessene
Farmer, der seiner Tätigkeit wie seinem Aufenthalts-
ort zufolge in den gesunden Hochländern länger in der
Kolonie verweilen kann und muß als der Pflanzer der
ungesunden Küste und der Oberbeamte, der erst Anfang
der Dreißiger in die Kolonie kommt und sie nach 12
bis 15 Jahren wieder verläßt, wäre das gegebene
Rückgrat des Schutzgebietes. Gegenüber Eingeborenen-
aufständen wie auch Angriffen europäischer Nationen
wäre er eine wertvolle Unterstützung der farbigen
Schutztruppen.
Fischerei.
Eine wichtige Quelle der Versorgung des Ein-
geborenen mit Eiweiß könnte die bessere Ausnutzung
der Flüsse und des Ozeans bilden unter gleichzeitiger
Schonung ersterer. Die Süßwasserfischerei wird ge-
schädigt durch Fischervögel und Krokodile — mehr wohl
noch durch den Menschen. Weiße fischen oft mit
Dynamit — in Ostafrika durch Verordnung verboten —
der Neger schöpft aus Rinnsalen und toten Armen die
Brut der dort laichenden Fische heraus. Auch ergießen
die Hanfbereitungsaulagen ungehindert die Sisalabfälle
in die Flüsse.
Diesen Schädigungen ist die Seefischerei nicht
ausgesetzt. Im Kleinbetriebe der Eingeborenenfischerei
wird nicht nur die Küste -bersorgt, sondern weit ins
Innere gehen die an der Sonne getrockneten oder an-
geräucherten Fische, besonders der beliebte Hai. Eine
durch Europäer betriebene Hochseefischerei würde für
die Ernährung der schwarzen Bevölkerung Gutes leisten
und ihnen auch das gewohnte Nahrungsmittel liefern,
falls aus sanitätspolizeilichen Gründen — wegen
Schlaftrankheit — das Fischen an den Flüssen verboten
An eine Verzinsung des Unternehmens wäre
natür,i, nur zu denken, wenn durch eine größere An-
zahl von Hilanzungen, Hie Kaufkraft der Bevölkerung
dauernd sichergestellt#
Die Grohankage bur Bananenpflanzungen, mit
der zur Versorgung des deutschen Marktes kurz vor
dem Rriege in damerun begonnen wurde, bietet eben-
falls die Möglichkeit der Ergengung von Fleisch, be-
sonders von Schweinefleisch, an der fleischarmen. Küste.
da, wie mir von sachverständiger Seite mitgeteilt
wurde, ein bedentender Hundertsatz der Früchte wegen
UÜberreifung für die Ausfuhr fortfällt. Durch Ver-
bindung einer Schweinezucht mit der tanzung wäre
einmal die Fleischversorgung der Arbeiter sicherzu-
stellen, anderseits könnten in einer durch einen Euro-
päer betriebenen Schlächterei die Siedlungen der
Weißen und auch die Schiffe mit Räucherwaren und
Wurst versorgt werden. Allerdings ist, da die Banane
wenig feste Masse und Eiweiß enthält, dies durch Zu-
fütterung von Mais, Bohnen oder Hirseschrot zu er-
jehen, auch wäre, da diese Pflauzungen am Strand
liegen, der Eiweißmangel durch Zufütterung von See-
tieren und kleinen Fischen auszuhleichen, die von den
Schweinen am Ebbestrand selbst ausgenommen werden.
könnten
Bedingung wäre, wegen der Finnengefahr die
Schweine von den Arbeitersiedlungen fernzuhalten
oder, was auch hygienisch vorteilhafter wäre, einwand-
freie Aborte für die Arbeiter herzurichten. Soll die
Ware nach außen Absatz finden, ist natürlich eine
regelmäßige Beschau ersorderlich.
In welcher Weise ist nun die Tierzucht, eine der Grund-
lagen unserer kolonialen Wirtschaft, zu fördern?
Ich habe mich bemüht, nachzuweisen, eine wie
wichtige Rolle eine möglichst über das ganze Schun-
gebiet ausgedehnte Tierzucht unmittelbar für die Ge-
sundung des Volkes wie mittelbar in ihren Wechsel-
wirkungen auf die europäischen Unternehmungen der
Schutzgebiete und auch die Industrie der Heimat zu
spielen vermag. Für die Unternehmungen der freien
Farmen werden uns nach dem Kriege erfahrene Leute
genug zur Verfügung stehen, an denen es bisher
fehlte, da der Feind viele, die in seinen Kolonien
Erfahrungen in langjähriger Arbeit gesammelt, von
ihrem Besitztum vertrieben hat. Was diese Farmer
brauchen, sind: Hochländer, Bahnen, Zufahrtsstraßen
und Interesse des deutschen Geldmarktes.
Viel wesentlicher erscheint mir hier die Frage der
Erhaltung und größtmöglichen Ausgestaltung der
Tierzucht der Eingeborenen, die rein Angelegenheit der
Verwaltung ist. Wir werden bei Rückgabe unserer
alten Schutzgebiete in Mittelafrika gerade in dieser Be-
ziehung die größten Schwierigkeiten haben, besonders
in den von Franzosen besetzten Gebieten. Der Fran-
zose wird den Raubbau an Menschen und Vieh, den
er nach meinen Beobachtungen in seinen Kolonien
treibt, in verstärktem Maße auf die ihm anvertrauten
deutschen ausdehnen. Ferner konnte ich einwandfrei
während meiner Gefangenschaft am Niger, durch Uber-
tragungen die Rinderpest feststellen, welche, von Ni-
gerien kommend, in Richtung auf Togo, Moshi (West-
afrika) zog. Nach Verichten aus Kamernnn ist auch dort
nach den Symptomen die Rinderpest festgestellt worden.
Die französische Verwaltung hat aus Wanzel an Per-
sonal nichts gegen die Seuche getan. Es ist nicht un-
möglich, daß infolge der Truppenzüge das Ostküsten-
fieber nach Westafrika und die Lungenseuche nach Ost-
afrika verschleppt ist.
Die Grundlage der Tierzucht in den Tropen wie
in der Heimat ist die Seuchenforichung und —
bekämpfung. Wir nehmen das in der Heimat als
etwas Ennhswersthndisches hin, weil die stille Arbeit
des Tierarztes — sei es als Senchenforscher, als be-
amteter wie als privater Tierarzt — ungs s nicht weiter
auffällt.