Metadata : Handbuch zum praktischen Gebrauch der Kreis- und Amts-Ordnung.

Pfarrer  und  deren  Rechte.  585

Bd.  VIII,  S.  604)  und  vom  Pfarrzwange  gegen  evangelische  Geistliche  sind  die
Katholiken  frei.  Letztere  sind  deshalb  nicht  verbunden,  Stolgebühren  zu  entrichten.
(Kab.-O.  vom  24.  Mai  1809,  v.  K.  A.,  Bd.  III,  S.  99;  vom  4.  September
1825,  Ges.-S.,  S.  221  und  15.  September  1826,  Ges.-S.,  S.  106.)  Wegen
der  Mennoniten  kommt  das  Edikt  vom  30.  Juli  1779  (Raabe,  Bd.  1,  Abthl.  7,
S.  726)  in  Betracht.

12.  Kapitel.
Pfarrer  und  deren  Rechte.

8  1.  Ein  geistliches  Amt  darf  in  einer  der  christlichen  Kirchen,  gleichviel
ob  dauernd  oder  widerruflich,  nur  einem  Deutschen  übertragen  werden,  welcher
seine  wissenschaftliche  Vorbildung  nach  den  Vorschriften  des  Gesetzes  vom  11.  Mai
1873  dargethan  und  gegen  dessen  Anstellung  kein  Einspruch  von  der  Staatsregierung
erhoben  worden  ist.  Diese  Vorschrift  findet  auch  Anwendung,  wenn  eine  Stellvertretung
  oder  Hilfeleistung  stattfinden  oder  wenn  einem  bereits  im  Amte
stehenden  Geistlichen  ein  anderes  geistliches  Amt  übertragen  oder  eine  widerrufliche
Anstellung  in  eine  dauernde  verwandelt  werden  soll.  (§  1—3  d.  Ges.  vom
11.  Mai  1873,  Ges.-S.,  S.  191.)

8  2.  Die  geistlichen  Oberen  sind  verpflichtet,  denjenigen  Kandidaten,  dem
ein  geistliches  Amt  übertragen  werden  soll,  dem  Oberpräsidenten  unter  Bezeichnung
des  Amtes  zu  benennen.  Dasselbe  gilt  bei  Versetzung  eines  Geistlichen  in  ein
anderes  Amt  oder  bei  Umwandlung  einer  widerruflichen  Anstellung  in  eine
dauernde.  Innerhalb  30  Tagen  nach  der  Benennung  darf  kein  Einspruch  gegen  die
Anstellung  erhoben  werden.  Die  Erhebung  des  Einspruchs  steht  dem  Oberpräsidenten
  zu.  (8  15  a.  a.  O.)

§  3.  Die  Uebertragung  eines  geistlichen  Amtes,  welche  den  vorstehenden
Vorschriften  zuwiderläuft,  gilt  als  nicht  geschehen.  (8  17  a.  a.  O.)

§  4.  Jedes  Pfarramt  ist  innerhalb  eines  Jahres  vom  Tage  der  Erledigung,
  wo  gesetzmäßig  oder  observanzmäßig  ein  Gnadenjahr  besteht,  vom  Tage
der  Erledigung  der  Pfründe  an  gerechnet,  dauernd  zu  besetzen.  Die  Frist  kann
verlängert  werden.  Nach  Ablauf  derselben  kann  die  Wiederbesetzung  der  Stelle
durch  Geldstrafen  erzwungen  werden  und  es  können  bis  dahin  die  Staatsmittel
innebehalten  werden,  welche  zur  Unterhaltung  der  Stelle  oder  desjenigen  geistlichen
  Oberen  dienen,  der  das  Pfarramt  zu  besetzen  oder  die  Besetzung  zu  genehmigen
  hat.  (8  18  a.  a.  O.)

§  5.  Ein  geistlicher  Oberer,  welche  den  §  1  gedachten  Vorschriften  zuwider
ein  geistliches  Amt  überträgt  oder  die  Uebertragung  genehmigt,  wird  mit  Geldstrafe
von  200  bis  zu  1000  Thaler  bestraft.  (8  22  a.  a.  O.)

Dieselbe  Strafe  trifft  Deujenigen,  welcher  Seelsorgerämter  ohne  ministerielle
Genehmigung  errichtet,  deren  Inhaber  unbedingt  abberufen  werden  dürfen.
(6  22  a.  a.  O.)

8  6.  Wer  geistliche  Amtshandlungen  in  einem  Amte  vornimmt,  welches
ihm  den  Vorschriften  im  8  1  zuwider  übertragen  worden  ist,  wird  mit  Geldstrafe
bis  zu  100  Thalern  bestraft.  Dieselbe  Strafe  trifft  Denjenigen,  der  geistliche
Amtshandlungen  in  einem  von  ihm  nicht  dauernd  verwalteten  Pfarramte  vornimmt,
nachdem  er  von  dem  Oberpräsidenten  benachrichtigt  worden  ist,  daß  das  Zwangs-