Metadata : Blatter für Rechtsanwendung. XXV. Band. (25)

180  Zur  Lehre  von  den  Auslobungen.

1  Nr.  11  sehen  in  der  Auslobung  einen  selbständigen
  Kontrakt  ").  -

Diese  Ansicht  ist  innerlich  gerechtfertigt,  indem
die  durch  eine  solche  Auslobung  hervorgerufenen  Rechtsverhältnisse
  stets  einen  und  denselben  Ehrakter  tragen
  und  in  ihrer  juristischen  Beschaffenheit  nicht  allgemeine
  Modalitäten  verschiedener  obligatorischer  Beziehungen
  enthalten,  sondern  in  allen  einzelnen  konkreten
  Fällen  immer  nur  auf  Hervorbringung  ganz
gleichartiger  Rechte  und  Pflichten  gerichtet  sind.  Sie
ist  aber  auch  den  Grundsätzen  des  gemeinen  Rechtes
  gemäß;  denn  eine  solche  Auslobung  geschieht
immer  in  der  Richtung  auf  eine  Gegenpartei  und  in
der  Voraussetzung  einer  gegenseitigen  Handlung  derselben,
  während  die  eigentliche  pollicitatio  eben  das
Charakteristische  hat,  daß  sie  für  sich  allein  besteht
und  bestehen  bleibt.

Man  könnte  nun  versucht  sein,  auf  Grund  der
c.  un.  Cod.  de  suflragüs  (4,  3)  und  des  kr.  15
D.  de  praesc.  verb.  (19,  5)  die  Auslobung  als
einen  Innominatkontrakt  zu  behandeln.  Bülow
a.  a.  O.  hat  dies  näher  ausgeführt  und  sucht  dem
Einwande,  daß  die  bloße  Zusage  einer  künftigen  Belohnung
  keinen  Realkontrakt  begründen  könne,

fr.  5  S.  5  D.  (19,  5)

durch  die  Aufstellung  zu  begegnen,  als  ob  von  dem
Auslobenden  der  Konsens  unter  einer  Suspensivbedingung
  zum  Voraus  ertheilt,  diese  Bedingung  durch
die  verlangte  Leistung  erfüllt,  hiemit  der  Vertrag
erst  geschlossen  und  sonach  im  Momente  dieses  Abschlufses
  das  facere  des  Leistenden  als  causa  für
das  dare  des  Auslobenden  schon  vorhanden  sei.

1)  Bülon  sagt  zwar  auch  „ursprünglich  sei  eine  bloße
Pollicitation  vorbanden“;  allein  er  faßt  hlebei  diesen
  Ausdruck  ganz  anders  auf,  als  die  obengenannten
  Rechtslehrer.