Beutsches Reich. (Febr. 28.—März 3.) 109
28. Febr. (Bundesrat.) Es gelangen zur Annahme:
Die Entw. e. Ges. über Kriegsabgaben der Reichsbank, e. Ges. über
die Veranstaltung von Lichtspielen, e. Bek. über die Errichtung einer Reichsstelle
für Schuhversorgung, e. Vorlage über Abänderung des § 77 der
Ausführungsbestimmungen zum Viehseuchenges. v. 25. Dez. 1911.
28. Febr. (Preußen.) Wechsel in der Leitung der Presseabteilung
des Kriegsministeriums.
Der bish. Leiter der Presseabteilung des preuß. Kriegsministeriums
Major Grau, tritt aus Gesundheitsrücksichten zurück. Sein Nachfolger
wird Major Dobberke.
1. März. (Bayer. Abg.-Kammer.) Fall Förster.
In der Kammer kommt die pazifistische Propaganda des Münchener
Universitätsprof. Fr. W. Förster zur Sprache. Während die Vertreter der
bürgerlichen Parteien sein Verhalten verurteilen, erklärt der soz. Redner,
daß Försters Politik sich in der Hauptsache gegen die Alldeutschen und die
Annexionisten richte. Kultusminister Dr. v. Knilling erklärt, bei allem sei
zu bedenken, wie ein solches Vorgehen, wie es Prof. Förster an den Tag
elegt habe, im feindlichen und im neutralen Auslande ausgenommen werde.
g nehme zugunsten Försters an, daß er von lauteren Beweggründen beseelt
gewesen sei und daß er persönlich fest davon überzeugt sei, auf seine
Art und Weise eine Verständigung unter den Völkern herbeizuführen. Im
Banne seines Gedankenkreises übersehe er aber, daß er der deutschen Sache
Abbruch tue. Ein dienstaufsichtliches Einschreiten gegen Förster in seiner
Eigenschaft als Hochschullehrer komme nicht in Betracht. Die militärischen
und strafrechtlichen Instanzen hätten ebenfalls keinen Anlaß gefunden zum
Einschreiten. Wenn Förster mit dem Deutschen Reiche, wie es geworden
ist, nicht einverstanden sei, so sei das seine Sache; aber deshalb brauche
er nicht zum Bußprediger zu werden, der das deutsche Volk zur Einkehr
aufruft, noch dazu in diesem Kampfe.
2. März. (Hamburg.) Staatshaushalt 1917.
Die Staatshaushaltsabrechnung für 1917 weist nach der vom Senat
herausgegebenen Schätzung an Einnahmen 206,1 Mill. M., an Ausgaben
389,7 Mill. M. auf, mithin einen Fehlbetrag von 183,6 Mill. M., gegen
nur 49,3 Mill. M. Fehlbetrag im Voranschlag. Der erhebliche Fehlbetrag
ist im wesentlichen auf die Bewilligungen für außerordentliche Kriegsausgaben
zurückzuführen.
3. März. Unterzeichnung des Friedensvertrages zwischen dem
Vierbund und Rußland in Brest-Litowsk.
Die Verhandlungen haben am 2. wieder begonnen. — Näheres s. in
dem besonderen Abschnitte am Schlusse des Kalendariums.
Kaiser Wilhelm richtet aus Anlaß des Friedensschlusses mit Rußland
an den Reichskanzler folgendes Telegramm: Großes Hauptquartier,
3. März 1918. Das deutsche Schwert hat, geführt von großen Heldenführern,
den Frieden mit Rußland gebracht. Mit tiefer Dankbarkeit gegen
Gott, der mit uns gewesen ist, erfüllt Mich stolze Freude über die Taten
Meiner Armee, über die zähe Ausdauer Meines Volkes. Daß deutsches
Blut und deutsche Kultur hat gerettet werden können, ist Mir eine besondere
Befriedigung. Empfangen auch Sie für Ihre treue starke Mitwirkung
am großen Werke Meinen warmen Dank. Wilhelm I. R.