Full text : Deutsches Kolonialblatt. XXXI. Jahrgang, 1920. (31)

Die  gegenseitigen  Streitkräfte.  271

Reserve=  und  2  leichten  Kavalleriedivisionen,  nebst  einer  Geschützreserve  von
16  Batterien,  im  ganzen  247  000  Mann  mit  750  Geschützen.  Hierzu  trat
bald  nachher  noch  die  sächsische  Armee,  30  000  Mann  stark,  geführt  von  dem
Kronprinzen  Albert  von  Sachsen.  Außerdem  waren  die  Festungen  Krakau,
Olmütz,  Theresienstadt,  Josephstadt  und  Königgrätz  mit  54  000  Mann  besetzt.
Die  flinken  ungarischen  Husaren  streiften  an  der  Grenze  und  hatten  schon  Besuche
  in  Schlesien  abgestattet.  Das  I.  Armeekorps  unter  Clam-Gallas  war  in
der  Richtung  gegen  die  sächsisch-schlesische  Grenze  vorgeschoben.

Preußens  Streitkräste  zur  Verwendung  auf  dem  östlichen  Kriegsschauplatz
waren  in  drei  Armeen  formiert.  Sachsen  deckend,  stand  auf  dem  linken  Elbufer
  Herwarth  von  Bittenfeld  mit  der  46000  Mann  starken  „Elbarmee“,
bestehend  aus  der  1.  Division  des  VII.  und  dem  VIII.  Korps;  auf  dem  rechten
Elbufer  die  sächsische  Oberlausitz  bis  nach  Görlitz  und  Niederschlesien  sichernd,
bildete  die  „I.  Armee“,  etwas  über  93  000  Mann,  unter  dem  Prinzen
Friedrich  Karl  von  Preußen  die  Mitte;  sie  bestand  aus  dem  II.,  III.  und
IV.  Armeekorps  und  einem  Kavalleriekorps  von  14  Regimentern,  welches  der
viel  gerühmten  österreichischen  Reiterei  entgegentreten  sollte  und  vom  Prinzen
Albrecht,  Bruder  des  Königs,  befehligt  wurde.

Den  linken  Flügel  der  preußischen  Armee  bildete  die  II.  Armee  unter
dem  Kronprinzen  Friedrich  Wilhelm  von  Preußen;  sie  belief  sich  auf
115.000  Mann  und  bestand  aus  dem  I.,  V.  und  VI.  Armeekorps,  zu  welchem
später  noch  die  Garden  hinzutraten.  Ein  bei  Berlin  in  der  Bildung  begriffenes,
  24000  Mann  starkes  Reservekorps  kam  in  diesem  Kriege  nicht
zum  Schlagen.  Ohne  dasselbe  betrugen  die  gegen  Böhmen  operierenden
Streitkräfte  254  000  Mann.  In  der  Ausrüstung  war  die  preußische  Infanterie
  durch  das  Zündnadel-Hinterladergewehr  den  österreichischen,  meist  noch
mit  Vorderlader-Perkussionsgewehren  ausgerüsteten  Fußtruppen  bei  weitem  überlegen;
  dagegen  war  die  Ausrüstung  der  österreichischen  Artillerie  mit  den
neuen  gezogenen  Geschützen  bedeutend  weiter  vorgeschritten,  während  die
preußische  Artillerie  nur  erst  etwa  zur  Hälfte  mit  der  neuen  Waffe  versehen
  war.

Im  ganzen  bezifferten  sich  die  von  Preußen  bei  Beginn  des  Deutschen
Krieges  ins  Feld  gebrachten  Heeresmassen,  einschließlich  der  auf  dem  westlichen
Kriegsschauplatze  kämpfenden  „Mainarmee“,  auf  326090  Mann,  welchen
Osterreich  und  dessen  Verbündete  —  die  in  Italien  kämpfende  keiserliche
Armee  abgerechnet  —  397  000  Mann  entgegenstellten,  einschließlich  30  000
Mann  Sachsen,  62  000  Mann  Bayern,  18  000  Mann  Hannoveraner,  16  000
Württemberger,  über  10  000  Badenser,  7  000  Kurhessen,  9  000  Hessen-Darmstädter,
  5400  Nassauer.  Auf  dem  östlichen  Kriegsschauplatze  befand  sich  hinsichtlich
  der  zur  Entscheidung  verfügbaren  Truppenstärke  Preußen  um  etwa
7000  im  Vorteil,  auf  dem  westlichen  Kriegstheater  dagegen  überwogen  dic
gegnerischen  Streitkräfte  um  etwa  78  000  Mann.  Bei  dieser  Zusammenstellung
  ist  das  preußische  Reservekorps,  wiewohl  es  im  Feldkriege  nicht  zur
Verwendung  kam,  eingerechnet.  —  Die  auf  S.  230  und  233  befindlichen
Ubersichten  weisen  die  Zusammensetzung  und  den  ganzen  Umfang  der  damaligen