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mit 334; dann folgen 1873:217, 1874: 434, 1875:619, 1876: 836,
1877: 1314, 1878: 4427. Die Zahl der betroffenen Gemeinden bewegte
sich in dieser Zeit von 211 zu 160, 266, 253, 384, 397 und 507.
Mit der zunehmenden Ausdehnung wuchs auch im wesentlichen die Bös-
artigkeit der Fälle. Besonders schwer wurde das Kindesalter betroffen.
Die Höhe der Krankheit siel auf die kältere Jahreshälfte, zwischen Oktober
und März, die höchste Sterblichkeit auf den Dezember. Die Diphtheriec
kombinirte sich mit anderen Krantheiten, in erster Linie mit dem Scharlach.
Beide Krankheiten giengen aber keineswegs immer parallel nebeneinander
her. Die Diphtherie behauptete ihre selbständige Natur und Bewegung.
Als eine sehr seltene Krankheit erscheint in Württemberg der Ge-
nickkrampf (die Cerebrospinal-Meningitis). In Deutschland ist
diese räthselhafte Krankheit zuerst in den Jahren 1863 bis 1866 in größerer
Verbreitung aufgetreten. Von der norddeutschen Tiefebene zwischen Rhein
und Weichsel zog sie sich südwestlich herauf im Gebiete des Rheins und
südlich in einen Theil des mittleren Deutschlands. Sie näherte sich
Württemberg zwischen Spätjahr 1864 und Frühling 1865 theils vom
bayrischen Franken, von Nürnberg, Erlangen, Vamberg, weiterhin von
Augsburg, Oettingen, Regensburg, Landohnt, München, theils auf der
andern Seite von Baden, von Nastatt, Karlsruhe, Freiburg, Baden-Baden
her. In der zweiten Hälfte 1865 verbreitete sie sich besonders in der
Rheinpfalz, z. B. in der Gegend von Spoyer.
Die wenigen Fälle, über welche aus Württemberg von jener Zeit
Berichte vorhanden und besonders im Mediz. Correspondenzblatt enthalten
sind, stehen gewiß im Zusammenhang mit diesen badischen oder bayrischen
Vorkommnissen; dahin gehören 3 Fälle von Wenz in Dörzbach, in badischen
Orten nahe der württembergischen Gränze, aus Dezember 1864 und April
4865; dann von Arnold 1 Fall in Donzdorf aus Februar 1864, 2 Fälle
in Kleinsüßen aus Mai 1865; weiter von Volz 3 Fälle in Ulm aus
April, Mai und Juni 1865, darunter 2 Soldaten. Sonst im Donau-
gebiet 1 Fall von Kübel in Obermarchthal aus Juli 1865 und 1 Fall
von Härle in Viberach aus April 1865. Zuletzt wurde der Genickkrampf
im Winter 1866°67 am unteren Neckar im Oberamt Neckarsulm beobachtet;
ich schöpfe die Angaben theils aus den Akten des k. Medizinalkollegiums
(OA.A. Dr. Michel), theils aus freundlichen Mittheilungen von Dr. Stendel.
Hier fand sich die größte Zahl, nemlich 10 Kranke im selben Umkreis.
Davon gehörten dem Dorfe Kochendorf allein 6 an; 2 waren Einwohner
des benachbarten Binswangen und 2 Schachtarbeiter in der Saline Friedrichs-
hall. Man zählte also in diesem Zeitabschnitt 18 Fälle auf württem-
bergischem Gebiete; gewiß sind noch mehrere Fälle vorgekommen, von
welchen wir keine Kenntnis erhalten haben. Darunter waren nur 2 Mili-