Full text: Das Königreich Württemberg. Zweiter Band_1. (2)

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schränken genöthigt sind. Das größte Geschäft — in Ulm — wird seit 1860 fabrik- 
mäßig betrieben, in letzterem Jahr mit 30, jetzt mit 500 Arb. (Filiale in Göppingen) 
und liefert Filzhüte aus Haar (Biber, Bisam, Hasen, Kaninchen) und Wolle. Tages- 
produktion 1000 Stück. 2 weitere Fabriken sind seit 10 J. in Ebingen. Maschinen 
aller Art: Haarreinigungs-, Fach-, Filz= und Walk-, Anformmaschinen, hydraul. Pressen 
sind in Anwendung. Die Hutformen in Holz und Zink liefert 1 Etabl. in Stuttgart. 
Eine Vergleichung der einzelnen deutschen Länder ergibt: Auf 10 000 Einw. 
kommen Betriebe und beschäftigte Personen in Württemberg 1, u. 5,2, Baden 1, u. 
6,0, Sachsen 2,0 u. 5,5, dagegen in Preußen 1,1 u. 3,1, Bayern 1, u. 38, Elsaß- 
Lothringen 1,, u. 2,, DR. 1, u. 4,0. 
Wollfilze aller Art, Schuh-, Sattel-, Konfektions-, Sohlen= und Kratzenfilze 
fabrizirt die Württ. Wollfilzmanufaktur in Giengen a. Br. und Gerschweiler mit 81 
Arb., Wasser-(10 Pfkr.) und Dampfbetrieb (3 Dampfm. 70 Pifkr.), 16 Krempeln, 
2 Kämm-, 6 Waschm., Hydroextracteurs, 4 Walk-, 4 Scherm. u. a., seit 1879 Zweig- 
niederlassung Hörbranz in Vorarlberg (Folge der Zollerhöhung auf Filz in Oesterreich). 
Oelhair und Naßfilze (für Papierm.) in Göppingen und Heilbronn. — Klavierfilz in 
Liebenzell. 
Das Gewerbe der Kürschner (I. 5) zählte 
1829 102 M. 21 Geh. zus. 126 P. 
1852 270 „„ 104 „ „ 374 „ 
1861 186 „ 121 „ „ 307 „ 
1875 178 HB. 129 „ „ 309 „ 
Die hohe Zahl in 1852 hat schon in der früheren Darstellung Bedenken erregt. 
Der Stillstand in der Bewegung der b. P. seit 1861 ist ebenfalls aussallend, da der 
Konsum in Kelzwaaren zugenommen hat. Die norddeutsche Konkurrenz (Leipzig, Berlin) 
scheint ungünstig einzuwirken. Manche unserer Kürschner befassen sich nur noch mit 
dem Handel von Pelzfellen, die sie in Leipzig und London gerben und färben lassen. 
Die wichtigsten Geschäfte sind in Stuttgart, Biberach (dessen Kürschnerei schon ein 
Volkslied aus Herzog Ulrichs Zeit erwähnt), Ulm. 
Die BZ. 1882 faßt die Hut= und Mützenmacherei, Filzwaarenfabr. und 
Kürschnerei, zusammen, und zählte hierin 
1882 560 Sst. mit 1414 b. P. 
Vergleich mit 1875 550 HB. „ 1305 „ „ 
Handschuhe (I. 6). Die Fabrikation waschlederner Handschuhe wurde 
von jeher von den Secklern lebhaft betrieben. Die ersten Versuche in der Fabr. von 
Glacêhandschuhen giengen in den 30 er Jahren von Fabrikanten waschlederner Hand- 
schuhe in Eßlingen aus. 1861 wird von dieser Industrie gesagt, daß sie quantitativ 
und gualitativ erfreuliche Fortschritte gemacht habe und durch intelligente Unter- 
nehmer einer weiteren Entwicklung entgegenzugehen scheine. Dies hat sich jetzt ver- 
wirklicht. Unsere heutige Fabrikation entspricht allen Anforderungen der Neuzeit, die 
Waaren konkurriren mit denjenigen anerkannt guter französ. Häuser und werden 
weithin, auch überseeisch exportirt. Die Betriebe sowohl für Glacêé-, als waschlederne 
Handschuhe sind in Eßlingen (12 mit 130 Arb., darunter das größte mit 100 Arb. 
verarbeitet jährl. 60—70 000 Stück Rohfelle, die es aus Oesterreich, Bayern, Italien 
und Spanien bezieht, und produzirt 12—14 000 Dutzend Paar Handschuhe im Werth 
von — weil nur feinere Sorten — ca. 35°0)0000 Mark, 1 Arb. fertigt auf der Näh- 
maschine täglich 10 Pr.), Stuttgart, Balingen, Ludwigsburg, Heilbronn, theilweise mit 
eigenen Gerbereien und Färbereien.