15
bereitet. Wir haben jetzt während des Krieges angefangen,
den Stickstoff aus der Luft zu gewinnen. Er
ist da in unbegrenzten Mengen vorhanden. Vorläufig
wird er hauptsächlich noch zur Munition gebraucht. Wie
er die landwirtschaftlichen Erträge steigern wird, muß
man abwarten.
Etwas anderes erscheint noch wichtiger. Nämlich
die künstliche Beregnung. Gerade die beiden heißen
und trockenen Kriegsjahre 1915 und 1917 haben die
Schäden mangelnden Regens gezeigt. Die künstliche
Beregnung aber, die man z. B. in der landwirtschaftlichen
Akademie in Bromberg und ähnlich auf dem
Gute Kaltenhausen bei Jüterbog seit einigen Jahren
eingeführt hat, hat bei Roggen, Gerste und Kartoffeln
sogar Mehrerträge von 50½ erzielt bei verhältnismäßig
geringen Unkosten. Die Unkosten kamen um
das Fünf= bis Sechsfache wieder herein. Weiterhin hat
die technische Hochschule in Dresden durch Zuführung
künstlicher Wärme das Reifen der Ackerfrüchte zu beschleunigen
verstanden und dadurch auch die Erntemenge
vergrößert. -
Endlich kann man noch darauf hinweisen, daß wir
späterhin vieles auf anorganischeni Wege herstellen
werden, was wir heute auf dem Umwege durch Orga—
nismen erlangen. Das Pferd brauchen wir in Zukunft
sicher nicht mehr so nötig wie heute. Die elektrische
Kraft hat ihm schon erhebliche Konkurrenz gemacht. Damit
sparen wir die Nahrung für die Pferde. Alkohol
können wir heute nach Patenten einer Schweizer Aktiengesellschaft
aus Acetylen erzeugen. Das Acetylen wird
aus Karbid, dieses durch Zusammenschmelzen von Kalk
und Kohle gewonnen. Nach dem gleichen Verfahren
kann man auch zu Essigsäure kommen. Man kann überhaupt
heute noch nicht wissen, wieweit wir noch auf
dem Wege der Herstellung für unsere wichtigsten Ernährungsprodukte
auf anorganischem Wege gelangen
werden. Der Grundpfeiler unserer Ernährung, die