260 VIII. Außenpolitik und Stellung der Kriegführung zu den Friedensfragen.
sächlich vorhandenen Sorgen in seiner Wirkung übertraf, die Ursache
unseres Angebotes sei. Sie werden aus dem Angebot neue Hoff—
nungen geschöpft haben, den Krieg zu gewinnen, obschon ihnen alle
bisherigen Anstrengungen, zuletzt der große Ansturm des Sommers
und Herbstes 1916 und das Eingreifen Rumäniens, den Sieg nicht
gebracht hatten. So lehnten sie das Angebot am 5. Januar 1917
schroff ab.
Die Politik hatte mit dem Friedensangebot nichts erreicht, der
Kriegführung aber geschadet. Der Vorteil, daß sich die Völker des
Vierbundes von dem guten Willen ihrer Regierungen überzeugen
konnten, verschwindet dagegen.
Am 18. Dezember 1916 vollzog nun Wilson den angekündigten
Friedensschritt und bot sich als Ausgleichsstelle für die Friedens-
bedingungen an. Damit ging er ganz erheblich weiter, als die
Reichsregierung sich gedacht hatte. Aus dem Anreger zum Frieden
war über Nacht ein Friedensvermittler geworden. Von seiner
Haltung konnte sich das deutsche Volk wirklich nichts versprechen,
auch wenn man davon absieht, daß damals seine Absicht, im Falle
eines deutschen Sieges auf der Seite unserer Feinde in den Krieg
einzutreten?), nur für wenige sichtbar war. Aber das Verhalten
Wilsons gegen Deutschland war doch derartig, daß es das deutsche
Volk mit allerstärkstem Mißtrauen gegen seine Absichten erfüllte.
Der Reichskanzler beantwortete die Note Wilsons damit, daß
er seinen Standpunkt unmittelbarer Verhandlungen der Krieg-
führenden untereinander beibehielt und den alsbaldigen Zu-
sammentritt von Beauftragten der kriegführenden Staaten an
einem neutralen Ort vorschlug. Der O. H. L. wurde diese Antwort
mitgeteilt.
Nach der Antwort der Entente auf das deutsche Friedens-
angebot war die O. H. L. von der Erfolglosigkeit des Schrittes des
Präsidenten Wilson überzeugt. Der Reichskanzler teilte diese An-
sicht. Er erwähnte in seiner Vorbesprechung mit der O. H. L. am
9. Januar 1917, 11 Uhr vormittags, in der über den Entschluß, den
U Bootkrieg uneingeschränkt zu führen, beraten wurde, nichts
*) Abschnitt VII1..