Full text : Lesebuch für Landwirtschaftliche Winterschulen und ähnliche Anstalten im Königreich Bayern.

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61.  Aus  der  Statistik  der  bayerischen  Landwirtschaft.

Von  der  6598  168  Köpfe  zählenden  Gesamtbevölkerung  Bayerns
gehörten  im  Jahre  1907  der  Landwirtschaft  treibenden  Bevölkerung  2  659  127
an  (Selbständige,  Familienangehörige  und  Dienende).  1882  hatte  deren
Zahl  2  639  999  betragen;  sie  ging  also  um  ein  geringes  hinauf.  In  den  übrigen
  Wirtschaftszweigen  dagegen  vermehrte  sich  die  teilnehmende  Bevölkerung
stärker.  Während  des  gleichen  Zeitraums  sank  die  Zahl  der  landwirtschaftlichen
  Betriebe  von  669  911  auf  663  785  herab;  die  Abwanderung
kam  zum  größten  Teile  der  Industrie  zugute.

Die  kleinen  Betriebe  unter  2  ha  vermehrten  sich  von  206  575  auf
241  642;  die  kleinbäuerlichen  Wirtschaften  von  2—5  ha  verminderten  sich
von  165  408  auf  162  431.  Die  mittelbäuerlichen  Betriebe  waren  in  der
Zunahme  begriffen;  denn  1907  wurden  224  640  gegen  216  999  im  Jahre
1895  gezählt.  Das  ist  eine  erfreuliche  Erscheinung.  Gerade  die  Betriebe
von  mittlerer  Größe,  die  in  Bayern  die  überwiegende  Masse  der  bäuerlichen
Wirtschaften  ausmachen,  zeigen  sich  gegenüber  den  ungünstigen  wirtschaftlichen
  Verhältnissen  nicht  nur  widerstands=  sondern  auch  vermehrungsfähig.
Die  Zahl  der  großbäuerlichen  und  der  landwirtschaftlichen  Großbetriebe
erfuhr  eine  Abnahme  von  44  182  auf  40  663  bezw.  von  621  auf  535.  Die
kleinen  und  mittleren  Betriebsgrößen  weisen  auch  die  geringste  Zahl  von
Vergantungen  auf.  Von  10  000  Anwesen  wurden  im  Jahre  1911  im
Zwangswege  veräußert  in  der  Größe  von  unter  5  ha  323,  von  5—20  ha
134,  von  20—50  ha  25  und  von  über  50  ha  5  Anwesen.

Die  Zersplitterung  des  Grundbesitzes  ist  nach  wie  vor  in  der  Pfalz  am
größten,  in  der  Oberpfalz  am  geringsten.  Dort  sind  63,2  00  Parzellenbetriebe,
  hier  nur  23,7  %.  Große  Güter  mit  über  100  ha  landwirtschaftlich

benutzter  Fläche  finden  sich  am  meisten  in  Oberbayern,  am  wenigsten  in
Oberfranken.

Die  große  Mehrzahl  der  landwirtschaftlichen  Betriebe  wird  von  den
Eigentümern  selbst  bewirtschaftet.  1895  waren  es  66,59  %,  1907  66,3  0%.
Die  Verpachtung  spielt  also  immerhin  eine  untergeordnete  Rolle.  Das
entspricht  dem  Vorherrschen  der  mittleren  Besitzgrößen  in  Bayern,  bei  denen
die  Eigenwirtschaft  weit  vorteilhafter  ist  als  die  Verpachtung.
Die  viehlosen  Wirtschaften  gingen  nicht  unerheblich  zurück,  von  74  483
im  Jahre  1895  auf  62  736  im  Jahre  1907;  das  Wirtschaftskapital  wurde
demnach  größer.  Die  Betriebe  mit  Pferde=  und  Ziegenhaltung  nahmen  zu,
die  mit  Schaf-,  Rinder-  und  Schweinehaltung  verminderten  sich.  Der
Viehstand  selbst  ist  also  nicht  im  Wachsen  begriffen.  Im  Jahre  1907  wurden
392  091  Pferde  (einschließlich  der  Militärpferde),  3  725  430  Rinder,  735  113
Schafe,  2056  222  Schweine  und  308  150  Ziegen  gezählt.  Am  2.  Dezember
1912  wies  der  Viehstand  in  Bahern  folgende  Ziffern  auf:  401  990  Pferde,
3560  723  Rinder,  475  661  Schafe,  1  814  418  Schweine  und  315  122  Ziegen.
Die  Verwendung  von  Maschinen  im  landwirtschaftlichen  Betriebe
erfuhr  eine  ganz  außerordentliche  Steigerung.  Im  Jahre  1895  arbeiteten
194  900  Betriebe  mit  Maschinen,  1907  jedoch  273  168  Wirtschaften.