thumbs : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1912. (39)

Kunst  und  Wissenschaft.  Tonkunst.  303

1764  im  Benediktinerkloster  zu  Neresheim,  1784  Hofprediger  des  Her—
zogs  von  Württemberg  in  Stuttgart,  1796  Pfarrer  in  Steinbach  bei
Plochingen,  1807  Geistlicher  Rath,  #  1823)  für  die  Katholiken  Württembergs
  ein  Gesangbuch,  das  1807  zu  Tübingen  erschien;  darauf  folgte
das  von  Domkapitular  Ströbele  und,  bezüglich  des  musikalischen  Theils,
von  Oberlehrer  B.  Braun  in  Gmünd  bearbeitete  Katholische  Gesangbuch
bei  der  Feier  des  öffentlichen  Gottesdienstes  im  Bisthum  Rottenburg,
1837,  II.  Aufl.  1850,  endlich  1865  das  Katholische  Gesangbuch  bei  dem
öffentlichen  Gottesdienste  im  Bisthum  Nottenburg,  für  die  Organisten
und  Sängerchöre  4stimmig  bearbeitet.  Herausgegeben  vom  bischöflichen
Ordinariat.  Unter  den  Komponisten  finden  sich  aus  Württemberg  der
Redakteur  des  Gesangbuchs  Franz  Kaver  Reihing,  geb.  1804  zu  Rottenburg,
  seit  1836  Pfarrer  in  Schmiechen,  und  Johann  Paul  Schiebel,
geb.  1764  zu  Seebronn,  seit  1805  Organist  und  Beneficiat  zu  St.  Martin
in  Rottenburg,  f  als  Dompräbendar  daselbst  1838.

Die  Kirchenmusik  unterlag  bekanntlich  seit  der  zweiten  Hälfte  des
vorigen  Jahrhunderts  dem  Einfluß  des  Opernstils.  Es  waren  nicht  am
wenigsten  schwäbische  Hymnologen  und  Musiker,  welche  die  Nothwendigkeit
  einer  Reform,  die  in  der  Rückkehr  zum  Kirchenstil  der  klassischen
Epoche  Palestrina's  bestehen  müsse,  mit  klarem  Blick  erkannten.  Hervorragende
  Verdienste  erwarben  sich  in  dieser  Hinsicht:  Eduard  Ortlieb,
geb.  1807  zu  Oberndorf  a.  N.,  1840  Pfarrer  zu  Drackenstein,  welcher
1842  den  Stuttgarter  Kirchenmusikverein  gründete,  das  „Organ  für
kirchliche  Tonkunst“  ins  Leben  rief  und  als  Vorstand  der  musikalischen
Sektion  des  christlichen  Kunstvereins  segensreich  und  anregend  wirkte
(  1863);  ferner  Georg  Wilh.  Birkler,  geb.  1820  zu  Buchau,  Professor
  in  Rottweil  1847,  in  Ehingen  1858,  Vorstand  des  Diöcesankirchenmusikvereins
  1875,  1877,  mit  Wort  und  Beispiel  einer  der
verdienstvollsten  Förderer  der  Kirchenmusik  edeln  Stils;  endlich  der  leider
  zu  früh  verstorbene  Adolf  Zeller,  geb.  zu  Weißenstein  1837,  Mu-#ikrepetent
  am  Konvikt  zu  Tübingen  seit  1865,  1872  Pfarrer  in  Roggenzell,
  F  1881.

Im  Jahre  186“  wurde  der  Verein  für  katholische  Kirchenmusik
  gegründet,  der  sich  dem  „Deutschen  Cäcilienverein“  als  „Diöcesan=Cäcilienverein“
  als  Glied  einordnet  und  sich  die  Hebung  und  Förderung
der  katholischen  Kirchenmusik  im  Sinne  und  im  Geiste  der  Kirche,  auf
Grundlage  der  kirchlichen  Bestimmungen  und  Verordnungen,  zur  Aufgabe
macht.  An  der  Gründung  des  „Deutschen  Cäcilienvereins“  nahm  ein
Württemberger  Adolf  Kaim,  Musikdirektor  in  Biberach,  hervorragenden
Antheil.