Dezember 1897. 7
Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß die haitianische Regierung nicht
länger zögern wird, unseren Anforderungen Folge zu geben, die ebenso
wohlberechtigt und wohlbegründet wie maßwoll sind. Ich gebe mich dieser
Erwartung um so lieber und um so bestimmter hin, als wir nicht nur
das gute Recht auf unserer Seite haben, sondern auch den Willen und
die Macht, unserem Rechte Geltung zu verschaffen.
(Lcbhaftes Bravo.)
In Ostasien schien der Herr Abgecordnete Dr. Schvenlank zu
fürchten, daß wir uns in Abentener stürzen wollten. Fürchten Sic gar
nichts, meine Herren! Der Herr Reichskanzler ist nicht der Mann, und
seine Mitarbeiter sind nicht die Leute, irgeud unnütze Händel zu suchen.
Wir empfinden auch durchausnicht das Bedürfnis, unsere
Finger in jeden Topf zu stecken. Aber allerdings sind
wir der Ansicht, daß es sich nicht empfiehlt, Deutschland in
zukunftsreichen Ländern von vornherein auszuschließen
vom Mitbewerb anderer Völker.
(Bravol)
Die Zeiten, wo der Deutsche dem einen seiner Nachbarn
die Erdc überließ, dem anderen das Mecer und sich selbst
den Himmel reserviertc, wo dic reine Doktrin thront
(Heiterkeit — Bravol)
— diese Zeiten sind vorüber. Wir betrachten es als eine unserer
vornehmsten Aufgaben, gerade in ÖOstasien die Interessen unserer
Schiffahrt, unseres Handels und unserer Industrie zu fördern und zu
pflegen.
Die Entsendung unserer Kreuzerdivision nach der Kiantschoubucht
und die Besctzung dieser Bucht ist erfolgt einerseits, um für die Ermordung
deutscher und katholischer Missionare volle Sühne, andererseits für die
Zukunft größere Sicherheit als bisher gegen die Wiederkehr solcher Vorkommnisse
zu erlangen 2). In beiden Richtungen schweben Unterhandlungen,
und bei der Natur diplomatischer Unterhandlungen und Geschäfte
nötigt mich dies, meine Worte sehr sorgsam abzuwägen. Ich kann aber
3) In der Provinz Südschantung wurden am 15. November zwei deutsche
katholische Missionare ermordet. Infolgedessen landete die aus den Schiffen „Kaiser“,
„Prinzeß Wilhelm“, „Arkona“ und „Kormoran“ bestehende Kreuzerdivision unter dem
Befehle des Kontreadmirals von Diederichs Truppen in dem dem Tatorte zunächst
gelegenen Hafen von Kiantschon: die dortigen chinesischen Lager wurden ohne Blutvergießen
geräumt und von den Deutschen besetzt.