Full text : Fürst Bülows Reden. 1. Band 1897-1903. (1)

8  2.  Haiti.  Kiautschou.  —  3.  Dreibund.  Oesterreich.

doch  folgendes  sagen:  wir  sind  gegenüber  China  erfüllt  von  wohlwollenden
  und  freundlichen  Absichten

(Heiterkeit  linksl),
wir  wollen  China  weder  brüskieren  noch  provozieren.  Trotz  der  uns
widerfahrenen  schweren  Unbill  ist  die  Besetzung  der  Kiautschonbucht  in
schonender  Weise  ansgeführt  worden.  Wir  wünschen  die  Fortdauer  der
Freundschaft,  welche  Deutschland  seit  langem  mit  China  verbindet,  und
die  bisher  nie  getrübt  wurde.  Aber  die  Voraussetzung  für  die  Fortdauer
dieser  Freundschaft  ist  die  gegenseitige  Achtung  der  beiderscitigen  Rechte.
Die  Niedermetzelung  unserer  Missionare  war  der  nächstliegende  und  war
ein  zwingender  Grund  für  unser  Einschreiten;  denn  wir  waren  nicht  der
Ansicht,  daß  diese  frommen  Leute,  welche  friedlich  ihrem  heiligen  Berufe
nachgingen,  als  vogelfrei  zu  betrachten  wären.

(Sehr  gut!)
Aber  auch  abgesehen  von  diesem  traurigen  Vorfall  hatten  wir  gegenüber
China  eine  Reihe  anderer  Beschwerdepunkte.  Wir  hoffen,  daß  es  gelingen
wird,  diese  Beschwerden  auf  dem  Wege  loyaler  Unterhandlung  gütlich
beizulegen.  Wir  konnten  aber  nicht  zugeben,  daß  sich  in  China  die  Ansicht
  festsetze,  uns  gegenüber  sei  erlaubt,  was  man  sich  anderen  gegenüber
nicht  herausnehmen  würde.
(Sehr  richtig!  und  Bravol)

Wir  müssen  verlangen,  daß  der  deutsche  Missionar  und  der  deutsche
Unternehmer,  die  deutschen  Waren,  die  deutsche  Flagge  und  das  denutsche
Schiff  in  China  geradeso  geachtet  werden,  wie  diejenigen  anderer  Mächte.

(Lebhaftes  Bravo.)
Wir  sind  endlich  gern  bereit,  in  Ostasien  den  Interessen  anderer  Großmächte
  Rechnung  zu  tragen,  in  der  sicheren  Voraussicht,  daß  unsere
eigenen  Interessen  gleichfalls  die  ihnen  gebührende  Würdigung  finden.

(Bravol)
Mit  einem  Worte:  wir  wollen  niemand  in  den  Schatten
stellen,  aber  wir  verlangen  auch  unseren  Platz  an  der
Sonne.
(Bravol)

In  Ostasien  wie  in  Westindien  werden  wir  bestrebt  sein,  getreu  den
Ueberlieferungen  der  deutschen  Politik,  ohne  unnötige  Schärfe,  aber  auch
ohne  Schwäche  unsere  Rechte  und  unsere  Interessen  zu  wahren.

(Lebhafter  Beifall.)