Full text: Illustriertes Realienbuch.

II — 57 — 
3. Die Halbinsel ist von dem Atlantischen Ozean (im N. vom Golf 
von Biscaya) und dem Mittelländischen Meere umspült, im N. durch den 
unwegsamen Gebirgswall der Pyrenäen von Frankreich geschieden. Nur 
im W. führt über Pamplona und Bayonne und im O. am Löwengolf 
(G. dü Lion) ein gangbarer Paß von dem einen in das andere Land. Die 
Küste ist wie die ganze Halbinsel wenig gegliedert und nicht selten mit 
Strandsümpfen bedeckt. Die bekanntesten See= und Handelsstädte an der 
Küste sind Oporto und Lissabon in Portugal, Cadiz, Malaga, Kar- 
tagena, Valencia und Barcelona in Spanien. 
4. Wie die Pyrenäen den N., so füllt das steile Schneegebirge 
der Sierra Nevada den S. der Halbinsel aus. Beide sind durch die 
Tiefebenen des Ebro (aragonisches Tiefland) und Guadalquivir (anda- 
lusisches Tiefland) von der Hauptmasse der Halbinsel, einem mächtigen Hoch- 
lande, geschieden. Den Nordrand bildet das kantabrische, den Südrand 
das andalusische Scheidegebirge. Durch das von O. nach W. ver- 
laufende kastilische Scheidegebirge wird die Hochebene in die alt= und 
neukastilische Hochebene geschieden. Dieselben fallen in steilen Rändern 
nach O., allmählich aber nach W. ab. 
5. Die Flüsse sind wasserarm, voll Klippen und Untiefen, darum wenig. 
schiffbar. Sie vermögen nicht das Innere des Landes aufzuschließen. Duero, 
Tajo, Guadiana und der schiffbare Guadalquivir entspringen auf dem 
Ostrande der Hochebene, laufen westwärts über dieselbe und dann nach S.-W. 
in den Atlantischen Ozean, der Ebro südöstlich ins Mittelmeer. 
6. Das Klima ist ein scharf ausgeprägtes Landklima und wechselt zwischen 
afrikanischer Glut und nordischer Kälte. Die weiten Hochebenen sind regenarm 
und dürr. Auf den baumlosen Steppen weiden die Herden der edlen Merino- 
schafe. Auf den Terrassenländern im W., O. und S. und in der fruchtbaren. 
andalusischen Tiefebene gedeihen die herrlichsten Südfrüchte. Die feurigen 
spanischen Weine und die edlen andalusischen Pferde sind weltberühmt. In- 
Bergwerken wird sehr viel Quecksilber gewonnen. Die Spanier und Portu- 
Rüclen sind katholisch, haben schöne, ausdrucksvolle Gesichter, einen ernsten, 
tolzen aber leidenschaftlichen Charakter; sie lieben die grausamen Stiergefechte. 
Viele Klöster, viele Arme und geringe Schulbildung gehören zu den Merkzeichen. 
Spaniens. Gegen 12 Millionen Einwohner können weder lesen noch schreiben. 
Das Land zählt 72000 Priester, aber nur 39000 Lehrer. 
7. Die Hauptstadt Spaniens ist Madrid (492) auf dder Hochebene mit. 
„3 Monaten Winter und 9 Monaten Hölle“, die Hauptstadt Portugals das 
herrliche Lissabon (306), das 1755 ein Erdbeben gänzlich zerstörte. Wo liegen 
die alten Kalifenstädte Sevilla, Cordova, Granada und das durch tapfere 
Verteidigung berühmte Saragossa? — Spaniens Macht und Glanz zur zeit 
der Entdeckung Amerikas ist längst erbleicht. Seine Kolonien, besonders Kuba, 
die Perle der Antillen, hat Spanien 1898 im Kriege an die „Vereinigten 
Staaten“ verloren. Die Festung Gibraltar, welche die 13 km breite Meeres- 
straße beherrscht, gehört den Engländern. Viele Revolutionen schwächten das 
Land. Wo liegen die erwähnten Städte? Umschiffe die Halbinsel! 
32. DVas Königreich Italien. 
(Flächeninhalt: 287000 qkm. — Bevölkerung: 31 Mill. Einw.) 
1. Das Königreich Italien umfaßt die Apenninen-Halbinsel, Sizilien, 
Sardinien und eine Anzahl kleiner Inseln. Lange ist die Halbinsel mit 
ihrer Hauptstadt Rom das Haupt der Erde, die Gebieterin der Völker und 
die Lehrerin Europas gewesen. Noch heute hat die katholische Kirche der 
ganzen Welt zu Rom in dem Papste ihr Oberhaupt.