Full text: Illustriertes Realienbuch.

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knospe. Springt dieselbe auf, so quellen die 4 dunkelroten, kreisrunden Blüten- 
blätter aus dem engen Kistlein, stoßen die beiden Deckel ab und spannen sich zu 
einer leuchtenden Rose aus. Wenn man die um einander geschlagenen Blätter 
ausbreitet, so erscheint auf dem Grunge durch 4 schwarze Flecken eine Zeichnung 
wie das „eiserne Kreuz“. In der Mitte der Blüte steht wie eine umgestülpte 
Haselnuß der kahle Fruchtknoten, den ein Heer von blauschwarzen Staubfäden 
umsteht, und der als Deckel die vielstrahlige Narbe trägt. Das Innere ist durch 
halbe Scheidewände in Fächer geschieden und voll Körnchen. Bei der Reife 
springen unter der Narbe viele Löcher auf und lassen die rostbraunen Körnlein 
aus ihrem Gefängnis entfliehen. — 3. Der Mohn wächst als Unkraut im Ge- 
treide, blüht im Juni und Juli und säet sich immer selbst aus. — 4. Trotz seines 
Feuerglanzes hat der Landmann wenig Freude an ihm. Je mehr Mohn, desto 
weniger Getreide! Die Blätter geben Brustthee, Syrup und Lilafarbe. Der 
großköpfige Mohn wird als Olpflanze angebaut. 
41. Der Raps. 
1. Der Raps ist eine zweijährige Pflanze und gehört wegen seiner 4 kreuz- 
weis stehenden gelben Blütenblätter zu den Kreuzblütern. Weil er wegen 
seiner ölhaltigen Körner angebaut wird, rechnet man ihn zu den Kulturpflanzen. 
— 2. Die rübenförmige Wurzel ist mit Fasern besetzt. Der Stengel hat unter 
jedem Blatte abwärts laufend eine scharfe Kante. Die Blätter umfassen den 
Stengel halb und sind unregelmäßig eingeschnitten. Die 4 Kelchblätter sind 
schmal, die 4 Blütenblätter eiförmig und am Grunde mit einem Nagel versehen. 
Der Stempel mit kugelrunder Narbe ist von 4 langen und 2 kurzen Staub- 
blättern umgeben. Die Frucht ist eine lange, schmale Schote mit schwarzen 
Körnern. Die Schote ist eine zweifächerige lange Kapsel aus 2 Klappen. 
Letztere lösen sich vollständig von der dazwischen liegenden Scheidewand mit dem 
Samenträger ab. — 3. Der Raps wird im Herbst gesäet, überwintert unter 
dem Schnee, blüht im Mai und reift im Juli. — 4. Seine ölreichen Samen- 
körner geben Brennöl, seine goldenen Blütenfelder einen erfreulichen Anblick 
und die reichste Bienenweide, die üppigen jungen Grundblätter einen guten 
Frühjahrskohl. — 5. Ein Feind der Rapsfelder ist der Pfeifer, ein Schmetter- 
ling, dessen Raupen sich in die Schoten bohren, um sich da zu verpuppen. Er 
verwandelt die Schote gleichsam in eine Pfeife oder Flöte mit vielen Löchern. 
42. Die Saaterbse. 
1. Diese Kulturpflanze gehört zu den Schmetterlingsblütern und 
Hülsenfrüchten. — 2. Der hohle, bläulich bereifte, schwankende Stengel klettert 
gern an Reisern in die Höhe, indem er sich mittelst der gedrehten Wickelranken 
hält, die an der Spitze der Blattstiele stehen. Die Blätter sind unpaarig ge- 
fiedert, die Fiederblättchen eiförmig und ganzrandig. Am Blattgrunde sitzen 
2 stengelumfassende Nebenblätter wie eine Halskrause. Der Kelch ist eine Glocke 
mit fünfspaltigem Saume. Die weißen, oft rot angehauchten Schmetterlings- 
blüten bestehen aus 4 Blättern. Das größere obere heißt Fahne, die beiden 
seitenständigen heißen Flügel, das verwachsene innere Doppelblatt Schiff- 
chen. Im Schiffschen steht wie ein Mastbaum der Stempel mit den Staub- 
blättern. 9 Staubblätter sind verwachsen und umschließen wie eine Haut den 
Stempel, das zehnte ist frei und schließt wie ein Thürchen einen Spalt der 
häutigen Scheide. Der Griffel des Stempels ist umgebogen. Die Frucht ist 
eine Hülse aus 2 gewölbten Klappen, die durch eine Rücken= und Bauchnaht ver- 
bunden sind. Die Samen sitzen an der Rückennaht, und die Bauchnaht springt