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b) Krämerwage, Schnellwage und Hebebaum sind Hebel, d. h. unbieg-
same Stangen, die in einem Punkte unterstützt und um diesen drehbar sind.
Die beiden Wagen sind zweiarmige, der Hebebaum ist ein einarmiger
Hebel. Zweiarmige Hebel mit gleichen Armen haben den Unterstützungspunkt
in der Mitte, einarmige am Ende. Die Krämerwage ist ein gleicharmiger,
die Schnellwage ein ungleicharmiger Hebel. Der eine Arm heißt Last-, der
andere Kraftarm. Der Hebel ist im Gleichgewichte, wenn das Mo-
ment der Last gleich ist dem Moment der Kraft, d. h. wenn die
Länge des Lastarmes, multipliziert mit der Last, dasselbe Produkt giebt wie
die Länge des Kraftarmes, multipliziert mit der Kraft. Hänge ich z. B. 30 cm
vom Unterstützungspunkte 4 kg auf, so giebt das ein Lastmoment von
30) 4 = 120. Hänge ich 40 cm vom Unterstützungspunkte 3 kg auf, so
giebt das ein Kraftmoment von 40)03 — 120. Da Kraft= und Lastmoment
gleich sind, so muß der Hebel im Gleichgewichte sein. Für den einarmigen
Hebel gilt dasselbe Gesetz. Zwar liegen Last und Kraft auf einer Seite
des Unterstützungspunktes und bilden scheinbar nur einen Arm; in Wahr-
heit ist aber das Stück vom Unterstützungspunkte bis zum Angriffspunkte der
Kraft der Kraftarm, bis zum Angriffspunkte der Last der Lastarm; also auch
hier ist ein Moment der Last und Kraft festzustellen. Je länger der Kraftarm
ist, desto weniger Kraft ist nötig, um das Moment der Last zu übertreffen,
desto länger ist aber auch der Weg, den der Hebelarm beschreibt.
Zum Heben schwerer Lasten dient die Dezimalwage. (Fig. 127.) Decem
heißt im Lateinischen 10. Die Dezimalwage ist eine solche, bei der schon
½0 des Lastgewichtes genügt, um die Last zu heben. Die Dezimalwage be-
steht aus 3 Hebeln. 2 sind W„
einarmig und liegen unten in E» F F-
dem Gestell, und einer ist ein WW
zweiarmig ungleicharmiger, 4ô
den wir oben sehen, an dem 4
die Wagschale hängt. Die-
ser Hebel hat einen Kraftare
ab, der doppelt so lang ist, V
als der Lastarm b d. Der““ «
Kraftarm ab enthält deshalb * —
auch 10 Teile, wie der Last— --"-
armbdderenöhatLZugs 127. Dezimalwage.
stangen führen zu den einarmigen Hebeln ei und fh. Zugstange 1 greift in c,
Zugstange 2 in d an. fb ist in 5 Teile geteilt.
Nun zur Belastung der Wage! Auf dem Hebel ei steht eine Last von
50 kg. Dieser Hebel heißt auch Brücke und davon die Wage Brückenwage.
Denken wir uns die 50 kg als Getreideschicht gleichmäßig ausgebreitet, dann
lasten 25 kg auf der Hälfte nach e und 25
kg auf der Hälfte nach i; 25 kg greifen in
e und 25 kg in i an. Wir verfolgen den
Druck vone aus zuerst. Zugstange 1 bringt
ihn nach c. Der obere Hebel nimmt den
Druck von 25 kg als Last auf. Sein Last-
arm be ist aber nur ½/10 von dem Kraft-
arm ab. Es wird in a nur 1½10 von —
25 kg notwendig sein, um dem Druck in F. —
e und e das Gleichgewicht zu halten, das 128. Schema der Dezimalwage.