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den Ubergang über den Lech wehren, wurde aber von einer Kanonenkugel töd-
lich verwundet. „Wahret Regensburg wohl, sonst stehen Kurhut und Kaiser-
krone auf dem Spiel!“ mit dieser Mahnung starb der Sieger in 36 Schlachten.
Die Schweden aber überschwemmten Bayern und nahmen München ein.
d) Er fällt als Sieger bei Lützen. In dieser Not ließ der Kaiser
Wallenstein inständig um Hilfe bitten. Der stolze Mann verstand sich endlich
dazu, ein Heer zu werben und dasselbe als Feldherr mit unbeschränkter Macht
gegen den Feind zu führen. Bei Nürnberg bezog er ein festes Lager, das
die Schweden vergeblich stürmten. Als er das gänzlich ausgesogene Franken
verließ, folgten ihm die Schweden nach Sachsen, und es kam bei Lützen
den 16. November 1632 zur Schlacht, wegen des Nebels erst gegen Mittag.
Hin und her wogte der Kampf; der König begab sich mitten ins Getümmel,
um einen weichenden Flügel zu ermutigen. Da zerschmetterte eine Kugel
seinen Arm. Als man ihn aus dem Gefechte führen wollte, schoß ihn ein
Reiter durch den Rücken. Mit den Worten: „Mein Gott, mein Gott!“
sank er vom Pferde und verhauchte unter den Schüssen und Rosseshufen sein
Leben. Der Tod des Königs entflammte den Rachedurst des Heeres. Unter
dem Befehl des Herzogs Bernhard von Weimar warfen sie unwider-
stehlich alles vor sich nieder. Da erschien Pappenheim mit neuen Truppen
auf dem Schlachtfelde, und eine neue Schlacht begann. Aber zwei Kugeln
durchbohrten den kühnen Reitergeneral, und todwund trug man ihn aus der
Schlacht. „Saget dem Herzog von Friedland, daß ich fröhlich sterbe, da ich
weiß, daß der unversöhnliche Feind meines Glaubens unter den Toten ist!“
sagte er sterbend. Sein Tod entmutigte die Kaiserlichen; nicht in bester Ord-
nung zogen sie sich am nächsten Tage nach Leipzig zurück, ohne sich jedoch
für besiegt zu halten. Aber selbst ein Sieg der Schweden war zu teuer
durch das Leben des Königs erkauft. Sein entstellter Leichnam wurde beim
„Schwedenstein“ gefunden, einbalsamiert und nach Schweden gebracht, das
Herz aber von der untröstlichen Gattin in einer goldenen Kapsel verwahrt.
e) Wallenstein wird ermordet. Zwei Jahre darauf fand auch
Wallenstein ein trauriges Ende. Er hatte nach Willkür im deutschen Lande ge-
schaltet und gewaltet, ohne viel nach dem Kaiser zu fragen; ja man gab ihm
schuld, daß er mit den Feinden unterhandele. Da entzog man ihm endlich den
Oberbefehl. Mit einigen getreuen Regimentern warf er sich nach Eger, aber
wie Geister der Rache folgten ihm einige Obersten des Kaisers. Sie ließen bei
einem Gastmahl die Anhänger Wallensteins ermorden und drangen in der
Nacht in das Schlafgemach des Herzogs. „Bist du der Schelm, der dem Kaiser
die Krone vom Haupte reißen will!? Du mußt sterben!“ schrie ihn einer der
Mörder an. Schweigend empfing Wallenstein den Todesstoß. — Nach dem
Tode des Königs von Schweden hatte die Zuchtlosigkeit im Heere und die Un-
einigkeit unter den Bundesgenossen sehr zugenommen. Den ersten Platz im Rate
nahm der Kanzler Oxenstierna, den ersten Platz im Felde Herzog Bern-
hard von Weimar ein. In der Schlacht bei Nördlingen erlitten die
Schweden eine furchtbare Niederlage. Viele Fürsten schlossen hierauf 1635
in Prag Frieden mit dem Kaiser, und das Ende des Krieges schien gekommen.
5. Der französische Krieg (1636—48). Da wurde die Kriegsflamme
aufs neue geschürt durch Frankreich, das die Habsburger schwächen und das
Elsaß gewinnen wollte. Mit Geld und Truppen unterstützte es die Schweden
und erhielt die Kriegsfackel noch 12 Jahre lodernd. Nicht für den Glauben
stritt man mehr, sondern um Beute an Geld und Land. Ferdinand II.
erlebte das Ende des Krieges nicht; er starb mit der Beteuerung, „daß er