Contents : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1868. (59)

96  Nas  Beutsse  Reich  und  seine  einzelnen  Glieder.  (Juli  6.—12.)

Anf.  Juli.  (Kiel  und  Wilhelmshaven.)  Besuch  der
Marineanlagen  durch  Reichstagsmitglieder.

Die  Reichstagsabgeordneten  Dr.  Lieber  (Referent  der  Budgetkommission
  für  den  Marineetat)  und  v.  Leipziger  (Korreferent)  besuchen  unter
Führung  des  Admirals  Hollmann  die  Werften  in  Kiel  und  Wilhelmshaven.
  Die  Presse  beschäftigt  sich  viel  mit  dieser  Reise,  die  in  Verbindung
—t  bevorstehenden  großen  Neuforderungen  für  die  Marine  geracht

  wird.

6.  Juli.  (Leipzig.)  Der  Kaiserliche  Disziplinarhof  verurteilt
  den  früheren  Richter  in  Kamerun,  Assessor  Wehlan,  der
der  Mißhandlung  Eingeborener  angeklagt  war,  zu  500  X  Geldstrafe
  und  Versetzung  in  ein  anderes  Amt  mit  gleichem  Range.

11.  Juli.  (Berlin.)  Der  Archäologe,  Prof.  Ernst  Curtius,
  F.  (Vgl.  H.  Grimm,  Deutsche  Rundschau  1896,  11  und
Ch.  Broicher,  Preuß.  Jahrb.  Bd.  86,  3.)

11.  Juli.  (Dresden.)  Der  König  von  Sachsen  feiert  sein
25  jähriges  Jubiläum  als  Feldmarschall.  Der  Kaiser  richtet  folgendes,
  Odde  den  6.  Juli  datiertes,  Schreiben  an  ihn:

„Durchlauchtigster,  Großmächtigster  Fürst!
Freundlich  lieber  Vetter  und  Bruder!

Die  25  jährige  Wiederkehr  des  Tages,  an  welchem  Mein  in  Gott
ruhender  Großvater  Ew.  Majestät  in  dankbarer  Erinnerung  an  die  in
großer  Zeit  geleistete  ruhmreiche  Unterstützung  als  Heerführer  zum  Generalfeldmarschall
  ernannte,  gibt  Mir  und  Meiner  Armee  den  erfreulichen  Anlaß,
  Ew.  Majestät  zu  diesem  Gedenktage  die  herzlichsten  Glückwünsche  auszusprechen
  und  die  Versicherung  unserer  dankbarsten  Verehrung  für  alle
Zeit  zu  erneuern.  Möge  Ew.  Mojestät  noch  ein  langes  segensreiches  Wirken
durch  Gottes  Gnade  beschieden  sein.  Genehmigen  Ew.  Mojestät  die  Versicherung
  der  vollkommensten  Hochachtung  und  wahren  Freundschaft.“

Das  Antwortschreiben  des  Königs  hat  folgenden  Wortlaut:

„Durchlauchtigster,  Großmächtigster  Fürst!
Freundlich  lieber  Vetter  und  Bruder!

Für  die  Mir  durch  den  General  v.  Winterfeld  am  11.  Juli  überbrachten
  Glückwünsche  Ew.  Majestät  und  Ew.  Majestät  Armee  zum  25  jährigen
Gedenktage  Meiner  Ernennung  zum  Generalfeldmarschall  sage  Ew.  Majestät
Ich  Meinen  allerherzlichsten  und  tiefgefühltesten  Dank.  Mit  diesem  Gefühle
gedenke  Ich  an  solchen  Tagen  ganz  besonders  des  unvergeßlichen  Kaisers,
unter  dessen  ruhmreicher  Führung  Ich  Mein  bescheidenes  Teil  mit  beitragen
durfte  zu  dem  unvergleichlichen  Erfolg.  Mit  Stolz  erinnere  Ich  Mich  der
Zeit,  in  der  Ich  Ew.  Majestät  Garden  und  das  4.  Armeekorps  gegen  den
Feind  und  zum  Siege  führen  konnte.  Von  Herzen  empfehle  Ew.  Majestät
Ich  dem  Schutze  unseres  allmächtigen  Gottes.  Genehmigen  Ew.  Majestät
die  Versicherung  der  vollkommensten  Hochachtung  und  wahren  Freundschaft,
womit  Ich  verbleibe  Ew.  Majestät  freundwilliger  Vetter  und  Bruder

ert.“

12.  Juli.  Depeschenwechsel  des  Kaisers  mit  dem  Präsidenten

der  französischen  Republik  (s.  Frankreich).