Full text: Also sprach Bismarck. Band III. 1888 - 1898. (3)

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große Verheerung unter dem Wildbestande an. Meiner Frau 
geht es leider sehr schlecht.“ 
Strecker: „Ich habe gehört, daß es Ihrer Durchlaucht 
besser ginge.“ 
Bismarck: „Den einen Tag geht es besser, den anderen 
schlechter. Meine Frau ist alt, das Lebenslicht — flackert. 
Sie sind nicht verheiratet?“ 
Strecker: „Nein.“ 
Bismarck: „Nun, dann haben Sie eine verwundbare Stelle 
weniger für das Schicksal. Leben Sie wohl.“.) 
1894/95. 
Trübe Stimmungen.“ 
Als Bismarcks Gattin am 27. November gestorben war, 
kamen die trüben Stimmungen, die Sehnsuchtseufzer nach dem 
Tode häufiger; er murrte, leise manchmal und manchmal 
auch laut, gegen die ärztliche Mahnung, die ihn erhalten 
wollte, und meinte, er habe „hier unten nichts mehr zu 
suchen und zu finden. Ich bin alt und verbraucht. Das 
ist meine Krankheit; und dagegen gibt 's nur ein Mittel, das 
ich mir täglich wünsche.“ Jedes Versagen der Gedächtnis- 
kraft stimmte ihn zu solchen Sentenzen; und immer kehrte 
*) Varzin, 23. September 1894. Bismarck äußerte nach 
der Huldigungsfahrt der Westpreußen zu einigen Herren, daß 
ihm die Huldigung große Freude bereitet, ihn „wie ein Sonnen- 
strahl“ berührt habe. 
".) Nach Maximilian Harden in der „Zukunft“ vom 6. August 
1898 übernommen von den „Hamburger Nachrichten“ Nr. 182 
vom 6. August 1898. A. A. Als die Gattin seines alten Kammer- 
dieners beinahe gleichzeitig von einem hoffnungslosen Leiden er- 
griffen wurde, sagte der Fürst zu dem treuen Diener: „Lieber 
Freund! Ich nehme an Ihrem Schmerze herzlichen Anteil. Ach, 
ich bin ja in derselben schrecklichen Lage wie Sie selbst. Alles 
stirbt vor uns dahin.“
	        
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