72 Das deutsche Reich und seine einzelnen Glieder. (Mai 16.)
teressen im Oberbergamtsbezirk Dortmund vom 18. d. M. in seinen thatsächlichen
auf das Berliner Protokoll bezüglichen Bestimmungen, um unser
Vaterland möglichst bald von einer durch uns nicht verschuldeten Krisis zu
befreien, sie spricht die Erwartung aus, daß die Grubenverwaltungen ihren
patriotischen Sinn und die auf das soziale Wohl ihrer Arbeiter gerichteten
Interessen baldigst nach der Richtung zur Geltung bringen, daß sie die im
§ 3 des Berliner Protokolls angeführten Ausschüsse als erstrebenswertes
Ziel einer Annäherung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ins Auge
fassen. Die heute versammelten Delegierten der Bergleute des Oberbergamtsbezirks
Dortmund empfehlen den Belegschaften, am Dienstag auf allen Zechen
die Arbeit wieder aufzunehmen und durch ihre Deputierten respektive Grubenverwaltung
festzusetzen: 1. wie die Löhne und Gedinge erhöht werden;
2. daß für keinen Bergmann die Schicht länger als acht Stunden dauert,
daß die Ein= und Ausfahrt in der Regel nicht länger als eine halbe Stunde
dauert und daß bei längerer Dauer der Seilfahrt die Zeit möglichst auf
Kosten der Zeche geht; 3. daß Ueberschichten nur stattfinden a) wenn sie zur
Sicherheit des Bergwerks oder zur Sicherung von Bergleuten notwendig
sind; b) wenn solche nach vorheriger Verständigung zwischen den Grubenverwaltungen
und den Bergwerken in Fällen außerordentlicher Geschäftshäufung
notwendig sind. 4. Jeder Zwang zu Ueberschichten ist zu verbieten,
insbesondere dem Bergmann ohne vorherige Meldung zu gestatten, zur
gewöhnlichen Schichtzeit ein= und auszufahren. 5. Pulver, Oel und Gezähe
ist nur zu den Selbstkosten der Zeche zu berechnen. 6. Eine Maßregelung
der Strikenden ist ausgeschlossen. 7. Die Abkehrscheine sind gemäß § 4 des
Essener Protokolls des Vorstandes des bergbaulichen Vereins einzurichten;
der Vorstand des bergbaulichen Vereins ist nach seiner Erklärung verpflichtet,
für die strikte Ausführung der Bedingungen einzutreten. Bezüglich des
Wagennullens, der Ordnungsstrafen, des Unternehmerwesens ect. bringen wir
in Vorschlag, daß das Zentral-Strike-Komitee über diese letzteren Punkte ein
Promemoria an das Königl. Oberbergamt richtete, auf die baldmöglichste
Beseitigung aller nach der Richtung eingerissenen Mißstände hinzuwirken
sucht. — Die Resolution wird von Schröder (Dortmund) gestellt. Die Versammlung
beschloß noch den Zusatz, daß aufs neue gestrikt werden solle,
wenn die Bedingungen innerhalb 2 Monaten nicht durchgeführt sind. —
Zum Frieden ermahnten besonders die Deputierten aus Essen und Dortmund.
Die Verhandlungen währten volle 3 Stunden.
Am 18. Mai erläßt der Verein für die bergbaulichen Interessen
im Oberbergamtsbezirk Dortmund eine Erklärung, die in
der Einleitung Bezug nimmt auf die Worte des Kaisers an die
Bergleute, welche im Laufe der letzten Tage viele Bergleute veranlaßt
habe, zur Arbeit zurückzukehren, und auf die Aeußerungen des
Kaisers an die Deputation der Arbeitgeber, ihren Willen auf die
Wiederherstellung guter und geordneter Arbeitsverhältnisse zu bethätigen.
Alsdann wiederholt die Erklärung die frühere Zusicherung
der Grubenbesitzer vom 11. Mai, „daß jede Grubenverwaltung
unseres Bezirks bereit und ernstlich entschlossen ist, den Arbeitern,
wenn sie die Arbeit wieder aufgenommen haben, erhöhte
Löhne zu bewilligen“.
Es heißt alsdann in der Erklärung: