Full text: Königlich-Baierisches Regierungsblatt. 1809. (4)

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geln in der unmittelbaren Anwendung mit- 
tbeilt, und dann wieder unter dem tesen 
ihnen die methodischen Gründe ihres Ver- 
fabrens abfragt, oder ihre Febler nach 
solchen Gründen verbessern lehrt, und 
auf diese Weise sie durch stäte Rückwei- 
sung auf die Vorschriften der Methoden 
theoretisch und praktisch zugleich übt, und 
diese Uebungen durch die ganze tebrzeit fort- 
sezt; indem überall nur durch vielfälti- 
ges Ueben erlangt werden kann, was ei- 
ne bleibende Ferrigkeit werden soll. 
Dieses Verfahren ist von den ersten Ele- 
menten des technischen Lesens an mit 
den Präparanden zu beginnen, und dabei 
zugleich auf Uebung einer deutlichen und 
richtigen Aussprache der Silben 
und Worte zu seben, sodann durch die 
verschiedenen Seufen deslogischen te- 
sens, ebenfalls ohne alle vorgängige Theo- 
rie, jedoch mit fleissiger Nachweillung der 
Gründe, d. i., Rückweisung auf die Vor- 
schriften der Theorie, bis zum möglichst 
richtigen Ausdrucke des Sinnes der 
Size durchzuführen. Endlich ist der 
Versuch, so weit es unbeschadet dieser 
beiden Haupterfodernisse geschehen kaun, 
auch noch auf das ástbetische tesen 
auszudehnen, um in den Präparanden auch 
für den Ausdruck der in rednerischen und 
richterischen Darstellungen ausgesprochenen 
oder erregten Gefuͤhle wenigstens einigen 
Sinn zu erwecken. 
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2. Das Schreiben sollen die Praͤnpar- 
anden nicht nur in kalligraphischer, ortho- 
graphischer und gramatischer Ruͤcksicht 
zu der Fertigkeit bringen, die dem Leh- 
rer dieser Kunst unerlaͤßlich ist, sondern 
sie sollen auch lernen, wie es am leichte- 
sten und gruͤndlichsten zu lehren ist; wel- 
ches ebenfalls nicht durch Vortrag von 
Theorien, sondern durch täglich fortge- 
sezte Uebung allein erreicht werden kann. 
Ein besonderes Gewicht soll auf kallli- 
grapbische Uebungen gelegt wer- 
den; indem eine Vernachlässigung darin 
bei den Präparanden, die als künftige 
Volksschullebrer zu Schreibmeistern für 
die grosse Masse des Volks bestimmt sind, 
die ganze Nation in dieser Kunst zurückt 
bringt. Eben so sind die ortbograpbi= 
schen Uebungen mit den Präparan= 
den fleissig fortzusezen, damit sie darin 
die noͤthige Festigkeit erlangen. Diese 
Uebungen in der Orthographie sind jedoch 
nur eine Zeit lang isolirt zu treiben, und 
lassen sich in der Folge bald mit der 
Uebung in der gramatischen Rich— 
tigkeit des Ausdruckes und der Wortstel- 
lung verbinden. Endlich sollen, nach- 
dem in diesen Uebungen ein ziemlicher 
Grad von Fertigkeit erreicht ist, daran 
auch noch Uebungen in der Kunst des 
Gedanken-Auedruckes angereihet 
werden; wozu Aufgaben allerlei Inhalts, 
aber nicht zu sogenannten Aufsäzen,
	        
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