Full text : Bismarck´s Glaube.

nach  Kröchlendorf  oder  wo  du  sonst  bist.  Meine  geliebte
Malle  grüße  ich  von  herzen;  möge  Gott  ihr,  wie  dir,  Kraft
verleihen  zum  Tragen  und  geduldiger  Ergebung.“

Daß  Bismarck  in  seinem  politischen  Leben  und  besonders
  nach  seiner  Entlassung  die  höhe  der  Dulderkraft,
die  seine  Gedanken  und  Gefühle  in  diesen  Trostbriefen
erreichten,  nicht  einzuhalten  vermochte,  ist  das  Los,  das  er
mit  den  erprobtesten  Christen  teilt.  Je  stärker  die  Kktivität
einer  für  Größtes  verantwortlichen  Seele  ist,  desto  schwerer
wird  es  ihr  fallen,  sich  in  Hassivität  still  zu  halten.  Deshalb
kann  und  darf  uns,  was  wir  hundertfach  von  der  ungeheuren
  Ungeduld  des  äußerst  reizbaren  Genies  erfahren  haben,
nicht  irre  machen  an  der  Sreude  über  seine  tiefe  Erkenntnis
gerade  bezüglich  dessen,  was  Goethe  „das  heiligtum  der
Schmerzen“  genannt  hat.

6.  Diechristliche  beilserkenntnis.

Wer  zu  trösten  versteht  wie  Bismarck,  der  besitzt  „die
Klarheit,  auf  deren  Boden  das  Gottvertrauen  wächst“  164),
die  Klarheit  in  Dingen  des  christlichen  heils.  Es  ist  bisher
noch  nicht  von  dem  gerdet  worden,  was  man  unter  Theo—
logen  die  Heilslehre  nennt,  weder  vom  Erlöser  und  Dersöhner
  noch  von  dem  heiland  Jesus  Christus.  Zweifellos
tritt  die  Beziehung  zu  ihm  in  den  Briefen  und  sonstigen
Keußerungen  zurück  hinter  die  zu  Gott  dem  Richter,  Lenker
und  barmherzigen  Vater.  Rber  es  ist  offenbar  der  Gott
Jesu  Christi,  den  Er  zuerst  erlebt  und  uns  verkündigt  hat,
an  den  er  sich  hält.  Sreilich  sind  Bismarcks  religiöse  Anschauungen
  nicht  suftematisch  gegliedert,  nicht  erwachsen