164 Drittes Kapitel.
Gegen Mitternacht hatte Hrittwitz die revolutionären Scharen nach
jeder Richtung etwa 5 Kilometer vom königlichen Schlosse zurückgetrieben.
Jetzt befabl der König, der die ganze Nacht wach blieb, inne zu
halten und, wenn die Truppen etwa angegriffen würden, sich damit zu
begnügen, die Angriffe nur abzuwehren. Aber die Aufrührer wagten,
durch die handgreifliche Erfolglosigkeit entmutigt, weder in der VNacht
noch am WMorgen des 10. März einen Angriff mehr. Das machte den
besonneneren Bürgern Mut, jetzt endlich für die Grdnung einzutreten: an
mehreren Stellen begannen sie den Aufrührern zum Trotze die Barrikaden
abzutragen. Das machte auf den Rönig einen tiefen Eindruck. Sben
noch hatte er in der Droklamation „an Meine lieben Berliner“, die er
in der Nacht geschrieben hatte, den Rückzug der Truppen zugesichert,
sobald die Barrikaden weggeräumt würden. So hatte er auch den
Deputationen geantwortet, die fort und fort zu ihm kamen. Jetzt sah er
den guten Geist in der Bürgerschaft wieder erwachen — und eindringlich
riet der tags zuvor zum Ministerpräsidenten ernannte Graf Arnim-Boitzenburg,
durch die Surückziehung der Truppen jetzt die aufgeregten
Gemüter zu versöhnen. Mit ganzem Nachdruck sprach der Drinz von
Dreußen dagegen, durch übereilten Rückzug den Revolutionären nicht
das Gefühl, gesiegt zu haben, aufzudrängen; auch General von Orittwitz
war mit Entschiedenheit gegen den Gedanken: aber erschöpft, wie der
König war, ließ er sich fast wider seinen Willen den Befebl zum Rückzuge
durch Graf Arnim entreißen.
Das verhängnisvolle Wort war so gesprochen. Der Hrinz begab
sich in das TMebenzimmer, in welchem die Adjutanten des König sich
aufhielten. Unmutig warf er, ohne ein Wort zu sprechen, seinen Degen
auf den Tisch und ordnete dann in Übereinstimmung mit ODrittwitz an,
daß der Rückzug der Truppen nach dem Schlosse zu erfolge. Don
hier indes ließ Hrittwitz sie nach einer halben Stunde in ihre Kasernen
abrücken. Mit höhnischem Gejohle begleitete sie der Döbel, so daß
Drittwitz bei der weiten Entfernung, in der die Kasernen voneinander
lagen, um die Sicherheit der Truppen besorgt wurde und auf eigene
Derantwortung, um allen Eoventualitäten vorzubeugen, mit klingendem
Spiele sie aus der Stadt abmarschieren ließ. Denn sein Gedanke war,
durch eine Blockade und Beschießung von außen, wenn es nötig sein
sollte, Zerlin zur völligen Ergebung zu zwingen. Man meldete dem
Könige den Abzug der Truppen: in schmerzlicher Überraschung, als
stellten sogleich seinem Geiste die Folgen sich dar, sank er kraftlos auf
einen Stuhl.