Das derische Reihh und stine einseluen Glieder. (Nov. 23.) 179
habe. Selbst unsere gelehrte Volkswirthschaft suche durch die Sozialpolitiker,
wenn auch ohne Verbindung mit den Führern des Elassenkampfs, eine Vermittelung
mit GEegensatzen, mit denen keine Bermittelung möglich sei. Die
sosialistischen Lehren von der staatlichen Gleichmachung natürlicher Verhältnisse
der bürgerlichen Gesellichaft, von dem angeblich zur Unerträglichkeit gesteigerten
Gegensatz zwischen Arm und Reich, von der wirthschaftlichen Schwäche
er arbeitenden Klassen, von der besseren Neglementirung unserer Erwerbsverhältnisse
durch den Staat, von der allein seligmachenden Kraft der Collectivorganisation
u. s. w. weist Redner als Irrthümer nach, wobei er in
geistvoller Weise die Mitschuld des deutschen Doctrinarismus und Formalismus
in Schule und Praxis beleuchtet. Das liberale Bürgerthum müsse die
Gefahr des Sozialismus energisch bekämpfen, dann werde auch die unser
ößzentliche Leben drückende Unklarheit schwinden. Auch in Deutschland sei
rigens die Furcht vor inneren Gefahren entschieden ein Hinderniß, die
drückende Militärlast herabzumindern, und das deutsche Bürgerthum werde
gegen eine Reaction auf religiösem Gebiete sowohl, als auch gegen den Militarismus
nur dann mit Erfolg kämpfen, wenn es in der Regierung das
Vertrauen erwecke, daß es sich der Gefahren, welche durch die Sozialdemokratie
drohen, bewußt und bereit sei, sich mit ihr bis auf's Aeußerste an der Bekämpfung
derselben zu betheiligen. — Am Tage nach dieser Rede findet zu
Ehren des Redners ein Festmahl statt, wobei demselben von dem Reichstagsabgeordneten
für Breslau, Hru. Molinari, der Dank für seine „goldenen
Lehren“ ausgesprochen und vom Reichstags- Präsidenten, Herrn v. Horcenbeck,
ein Toast auf die Gemeinschaft der liberalen Parteien ausgebracht wird,
der mindestens gleicher Beachtung werth erscheint, wie der vor einigen Monaten
von demselben Redner ausgeiprochene, von conservativer Seite viel
mißbrauchte Rath in Betreff eines wünschenswerthen Stillstandes der Gesebgebung.
Hr. v. Forckenbeck et hält, wie er diesmal betont, im Interesse des
deutschen Neiches, im Interesse seiner freiheitlichen Fortentwicklung für dringend
nothwendig, daß ein einträchtiges Zusammenwirken der liberalen Gesammtpartei
gerade jetyt staktfinde. Die national-liberale Partei sei geworden
durch die nationale innere Entwicklung. Sie sei stets eine liberale Partei
gewesen, ohne aber zu vergessen, daß außer ihr selbst noch andere Factoren
in der Welt vorhanden sind. Mit den Mitteln der Gegenwart habe sie das
unter den gegebenen Verhältnissen Mögliche geleistet. Den Bestrebungen der
Sozialdemotratie, der Ultramontanen und der Conservativen gegenüber erscheine
es als ein Gebot der Pflicht, daß alle liberalen Parteien zusammenstehen,
wenn auch nicht in einer einzigen Partei, so doch in der Weise, daß
sie über gemeinsames Handeln einig werden. Könne das Bürgerthum zu
keiner Einigkeit kommen, so weiß Redner nicht, wie es noch ferner den Anspruch
auf Einfluß erheben könne.
23. November. (Deutsches Reich.) Bundesrath: Von den
fünf Stempelsteuern, welche die Sachverständigen = Commission im
Bundesrath in Vorschlag gebracht hat: der Börsenstener, dem Spielkartenstempel,
der Steuer von Lotterielosen, der QOuittungssteuer und
der Stempelabgabe von gewissen Urkunden, erkennen die Ausschüsfe
des Bundesraths für Zoll= und Steuerwesen, für Handel und Verkehr
und für Rechnungswesen nur die drei ersten als zur Einführung
von Reichswegen geeignet, sprechen dagegen den beiden letzteren
diese Eigenschaft ab.
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