Auch in bezug auf die Persönlichkeiten, die sich als
Exponenken der beiderseits wirksamen Triebkräfte gegenüberstanden.
Hier Seine Majestät, der bis in den November des
Krisenjahres 1908 mit starkem Selbstvertrauen und
einem vielleicht allzu offen betonten Willen zur Macht
regierte; daneben, gehandicapt durch allerlei Stim—
mungen und gefühlspolitische Sympathien oder Anti—
pathien des Kaisers, Fürst Bülow. Vom Sommer des
folgenden Jahres an Theobald von Bethmann. —
Und drüben König Eduard VII. und neben ihm und
nach ihm ein Halbdutzend starker, klarer Köpfe, die in
der Linie einer fest verankerken Tradition weikerbauten
und unbeirrk von Senkimenks das für England und sein
Wohl errechneke Programm erfüllken.
Roch einmal: Das Spiel war ungleich!
Ich unkerschätze die großen Gaben nichk, über die Fürst
Bülow verfügke und die ihn immer wieder, auch in schwierigen
Lagen, zu Uberbrückungen von Gegensätzen, zu Ausgleichen,
Balancen und zu Verkleidungen von Rissen
kommen ließen. Kein Dombaumeister — kein Mann des
Bismarckschen Formakes und der gewalkig, mik dem Blick
in Höhen und in Fernen, schaffenden Faust. Aber ein
glänzender Beherrscher der kleinen Mittel, mit denen
man sich aus einem üblen Heute in ein vielleicht erkräglicheres
Morgen rekkek. Ein ernsthafker Politiker, der
die Technik seines Handwerkes gründlich gelernt hakte
und mit Grazie beherrschke. Sicher in diesem Besitz und
darum ohne Charlatanerie. Dazu ein Menschenkenner,
der seine Leute zu nehmen wußke — eine Persönlichkeik.
Mir erscheint der Fürst Bülow von allen nachbis-82