Full text : Regierung und Volkswille.

Das  Offizierkorps  als  Gefolgschaft.  137

auch  in  allen  anderen  romanisch- germanischen  Staaten  lebendig
war.  Die  stehenden  Armeen  sind  gebildet  worden  bei  uns
im  17.  Jahrhundert;  in  Brandenburg- Preußen  durch  den
Großen  Kurfürsten,  der  eine  Reihe  zersplitterter  Landschaften
geerbt  hatte,  von  Preußen  bis  zum  Rhein,  und  nun  einen
Staat  errichtete  vermöge  eines  einheitlichen  Beamtentums
und  einer  einheitlichen  Armee.  Auch  seinem  Sohn,  Friedrich
Wilhelm  lI.  und  Friedrich  dem  Großen  dienten  die  Offiziere,
wie  die  Mannschaften  nicht  als  dem  Landesherrn,  sondern
als  ihrem  Kriegsherrn.  Es  kommt  dabei  nicht  darauf  an,  ob
einer  Preuße  oder  Brandenburger  oder  Pommer  oder  aus
sonst  einer  Landschaft  ist,  er  braucht  gar  nicht  einmal  ein
Deutscher  zu  sein,  sondern  er  tritt  in  den  Dienst  irgendeines
  großen  Kriegsherrn,  in  diesem  Falle  des  brandenburgisch- preußischen,
  und  widmet  sich  ihm  durch  ein  Treugelöbnis,
  ihm,  nicht  dem  Staat.  Zum  Staat  hat  der  Soldat
des  17.  und  18.  Jahrhunderts  nur  eine  mittelbare  Beziehung,
  weil  nämlich  sein  Kriegsherr  auch  der  Souverän
dieser  oder  jener  Landschaft  ist.  Aber  der,  dem  die  Armee
dient,  das  ist  der,  dem  sie  die  Treue  geschworen  hat,  und  was
er  auch  immer  für  politische  Ziele  verfolge,  die  gehen  die  Armee
nichts  an.  Diesen  persönlichen  Kriegsdienst  wird  man  noch
besser  verstehen,  wenn  man  ihn  noch  weiter  durch  die  Jahrhunderte
  der  deutschen  Geschichte  verfolgt.  Wir  können
zurückgehen  bis  in  die  Urzeiten,  wo  uns  Cäsar  und  Tacitus                    Germanische  Geschildern,
  daß  der  deutsche  Fürst  umgeben  ist  von  einem                       folgschaft  und
Gefolge  besonders  tapferer  Krieger,  die  ihn  in  die  Schlacht
begleiten,  bei  denen  das  Gesetz  gilt,  daß  es  die  größte
Schande  ist,  aus  der  Schlacht  zurückzukehren,  wenn  der
Fürst  gefallen  ist.  Das  Gefolge  kämpft  für  den  Fürsten,
der  Fürst  für  den  Sieg.  Dieses  eigentümliche  Kriegertreuverhältnis,
  das  wir  übrigens  nicht  bloß  bei  den  Germanen,