Viertes Kapitel.
Königsberg und Memel.
Altpreußischer Tradition würde es entsprochen haben, wenn der
König, nun der Krieg da war, den Oberbefehl über die gesamte Armee
übernommen hätte. Alllein seine Bescheidenheit ließ es nicht zu: er übertrug
ihn dem Berzoge Karl Wilhelm von Braunschweig. Jedoch begab
er sich selbst in dessen Hauptquartier, so daß in Wahrheit doch für alles
beim Könige die letzte Entscheidung lag.
Am 21. September nahmen der König und die Königin, die ihren
Gemahl ins Feld begleitete, von den königlichen Kindern in Berlin Abschied.
Dann ging die Fahrt über Taumburg, Kösen und Weimar nach
Erfurt. Hier traf die Königin mit der Erbprinzessin Maria Daulowna
von Weimar zusammen, mit der sie im Sommer im Bade Pyrmont herzliche
Freundschaft geschlossen. Ein innigeres Band, die beiden Familien
zu verknüpfen, lag noch im Schoße der Seiten.
Von Erfurt ging die Fahrt nach Weimar, das die Königin auf die
Rachricht von dem bei Saalfeld verlorenen Treffen, in dem Hrinz Lauis,
des Königs Detter, gefallen war, am 14. Oktober um 5 Uhr früh verließ.
Während bei Jena und bei Auerstädt die Schlacht tobte, erreichte
die Königin Beiligenstadt; erst am Abend des 17. Oktober langte sie
wieder in Berlin an. Unterwegs hatte ein Feldjäger ihr die Kachricht
gebracht, daß Hreußen die Schlacht verloren. So war denn auch bier
ihres Weilens nicht; schon am nächsten WMorgen reiste sie auf den Rat
des Grafen Schulenburg, des Gouverneurs von Berlin, nach Stettin ab.
Unterwegs traf sie in Schwedt die königlichen Kinder, die auf Schulenburgs
Anweisung, als die Nachricht von der verlorenen Schlacht in
Berlin angelangt war, von ihren Erziehern dorthin in Sicherheit gebracht
worden waren. Auf der Schloßtreppe kamen die beiden ältesten Hrinzen
der königlichen Mutter, des Wiedersehens froh, entgegengeeilt. Die Tiefbewegte
sammelte sich einen Moment; dann gab sie dem, was der be-