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ruculum kusse, kusz, kosse, kosz, kus Die f.; er kusse
mich mit dem kusse seines mundes Hohel. 1, 2; verrhetestu
des menschen son mit einem kus? Luc. 22, 48;
gruszet euch unternander mit dem heiligen kus Röm.
16, 16; ein küszchen, das ein kind mir schenket Lessing
Lied. 1, 3; deine kusse brennen wie feuer Schiller
Räub., Trauersp. 4, 12; aller vonn ergusz durchströmt
uns beid im ersten kuss Voß 4, 89; beim feilen.
kuss verworfner dirnen Grillparzer 9, 62; braut-,
bruder-, freundes-, friedens-, liebes segen-, versöhnungs-,
weihekuss u. a., auch Judaskuss; kuss auf
den mund, die hand, den fusz, vgl. auch hand-, fuszkuss;
kusse geben, empfangen, dulden, kusse mit der
hand zuwerfen; bildlich: da du vorm kusse der verwesung
bangst Heyse 2, 27. — Zusammensetzungen:
Kußhand, f. geküßte eigene Hand zum Zeichen, daß man
Jemand einen Kuß geben wolle, und die Bewegung damit:
einem eine kusshand geben Adelung; wark ich
ihm noch eine schöne kusshand zu Gaudy Erz. 91.—
Kußmonat, m. die Flitterwochen; auch kussmonat Simfl.
2, 182. — Kußwoche, k. erste Woche nach der Hochzeit.
Küssen, einen Kuß oder Küsse geben; wie das Subst.
außerhalb des Gothischen gemeingermanisch, altnord.
kyssa, altengl. yssan, altsächs. kussian, ahd. kussan,
chussen, mhd. küssen; oscutfart kussen, küssen Dief.;
von Menschen, als Zeichen der Liebe, Huld, Verehrung,
zur Versöhnung u. d., intranf.: ich will küssen! kussen!
sagt ich Goethe Div. 8, 44; mhd. mit Präp.: die
brueder .. kusten weinende dran (an die Haut des
toten Franziskus) Lamprecht Franz. 4100; der Inf.
als Subst.: (begrüßen) mit kussen und mit umbevähen
Syon 4295; das kussen des hassers Spr. Sal. 27, 6;
in allitterierender Verbindung: das kussen und kosen
Uhland 22; als Redensart: zum kussen schön, reizend;
mit persönlichem Acc.: kom her, und kusse mich, mein
son 1. Mos. 27, 26; die eltern namen die tochter und
kusseten sie Tob. 10, 13; das ich . dich kussen muste
Hohel. 3, 1; (sie) erwischt jn, und kusset jn unverschampt
Spr. Sal. 7, 13; der verrheter hatte jnen ein
zeichen gegeben, und gesagt, welchen ich kussen werde,
der ists Marc. 14, 44; an dieser linde kusste mich
meine Juliette zum erstenmal Schiller 2, 354; die
liebeslente kussten sich; einander kussen; mit sächl.
Acc.: eines mund. lippen, stirn, augen kussen; die
hand kussen, in Ehrerbietung, unterwürfigem Danke;
(sie) kusset seine fusze Luc. 7, 38; den rock, den saum
des rockes kussen, in Unterwürfigkeit; reliquien, das
kreuz küssen, anbetend; dazu mit persönlichem Dat.:
einem die hand, die fusze kussen Frisch; ich kusse
Sie tausendmal in gedanken, stirne, augen backen.
mund, brust, hand alles kusse ich Ihnen Rabener
Sat. 3, 142; als höfliche Dankes= und Abschiedsformel:
ich kusse Ihnen die hände Briefe 107; jemand auf den
mund, die stirne küssen; sin muoter kuost in an den
munt Parz. 119, 12; kuszte sie an den mund so bleich
Uhland 238; kusst sie auf die stirn Wieland Ob.
6, 10; er kuszte den sohn auf den mund Freytag
Ahnen 3, 58; mit Angabe der Wirkung: sich satt, die
lippen rot kussen; (er) kuszte mich so rot wie feuer
Voß 4, 186; es kussct in der frühe das morgenroth
mich wach Geibel 1, 19; dies susze mädchen, welches
mir den himmel kussct Bürger Danklied; auch: den
schlummernden Endymion kann Lunens wärmster kuss
nicht aus der schlafsucht kussen Wieland verkl. Amor
4, 179; dichterisch einen kuss kussen: mit dem süszesten
kusse, den deine nektarlippen je gekusst haben Wieland
Arist. 1, 41; kusste den versöhnungskuss Bürger
Huldigungslied; — bildlich: die erde kussen, von einem
der verwundet oder besiegt srürzt: dasz sie den boden
kuüssen mussen Garg. 500; dem ritter, der bisher die
nebenbuhler alle die erde kussen hiesz Wieland
Ob. 12, 87; die rute kussen, auf einen wirklichen alten
Kußhand — küssen.
Küssen — Kutsche. 526
Brauch zurückgehend: wenn man ein kind houwt, so
musz es dann die ruten kussen, und sprechen: liebe
rut, trute rut. werestu lnitl, ich thet nymer gut
Keisersberg Bilg. 684; später — sich in Demut einer
Strafe fügen: die ruthe kussen, birgam osculari, disceiplinam
approhare Frisch; — noch freier, von persönlich
gedachten Eigenschaften und Dingen: das
gerechtigkeit und friede sich kussen Pf. 85, 11; von
meines winkes allgewalt entfesselt, küssen thal und
trikten Schiller Semele 653; von Tieren, das Schnäbeln
der Tauben wird auch kussen genannt; ein rauschen
von den Hügeln der thiere, die sich an einander küsseten
Hes. 3, 13, mit der Randbemerkung: das ist, sich oben
anrüreten, oder sich schwungen gegenander.— Küssen, n.
s. kissen. — küsserlich, zum Küssen geneigt oder reizend:
es ist mir jetzo nicht kusserlich Stieler; es ist mir
ganz kusserlich zu muthe geworden bei deinem schatz
Keller Seldw. 2, 160. — kußlich, zum Kuß ladend,
mhd. kuslich, kuslich: ein kuszlicher mund Hölty 76;
mit Umlaut: kuszliche lippen Goethe Tagh. 1803.
Küste, k. Seeufer; Lehnwort aus dem mittellat. costa,
altfranz. coste. neufranz. cöte (ursprünglich Rippe, dann
auf den Landstreif am Meere übertragen), zufrühest
niederländisch und niederdeutsch: die kost van Spanuygen
Seebuch 1 3; koste, kuste, regio. plaga, fractus, k##nter,
orae, fines Kilian; seit 17. Ih. hochdentsch: die kuste,
ora Stieler; die südliche küste von Sicilien Seume
Spaz. 1, 10; an veit entlegne kusten Grillparzer
3, 211; an nackter küste scheiternd Heyse 9, 211; auch
bei einem Landsee: vom Lemaner-see an der diesseitigen
küste Goethe 16, 235. — Zusammensetzungen:
Küstenbewohner, m. Bewohner des Meeresufers. —
Küstenfahrer, m. kleineres Schiff das nur längs der
Küsten fährt. — Küstenfahrt, f. Fahrt eines Schiffes
an einer Küste entlang. — Küstenhaudel, m. Handel
an der Seeküste, mit Küstenfahrern. — Küstensand, m.
Sand am Meeresufer: der kustensand verlief sich flach
Heyse 2, 34. — Küstenschiff, n. Küstenfahrer. — Küstenstrich,
m. Landstrich am Meeresufer: an Aegyptens reicher
gränze liegt streitig schon seit lang ein kustenstrich
Grillparzer 7, 241. — Küstenwache, k. Strandwache.
— Küsteuwächter, m. Strandwächter.
Küster, m. Kirchendiener, Kirchner; ahd. custor,
kuster, gustir, mhd. kuster, guster, erst später mit
Umlaut kuster, Lehnwort aus dem mittellat. eustor
(Du Cange vom J. 793), Nebenform zu custos; cuskos
kustor, kuster, küster, guster, koster Dief.; ursprünglich
als geistliche Würde, Bewahrer des Kirchenschatzes,
der heiligen Gefäße und der kirchlichen Gebäulichkeiten:
die dumberren sunderlichen her Künrat von Kirkel,
der kuster D. Städtechr. 8, 138; in neuerer Spr. Unterbeamter,
Kirchenschließer: dorfkuster, stadtkuster, domkuster
Stieler; ein mann. dessen bedächtiger gang
und feierliches antlitz ohne widerspruch den kuster
erkennen liess Immermann Münchh. 1, 188; der betagte
kuster 5% e 2, 73; — des kuckucks kuster,
s. kuckuck. — Küsterei, k. Amt und Amtswohnung
eines Küsters; auch Gesamtheit der Vertreter des Küsteramtes:
soll kusterei darunter leiden? (Schaden haben)
Immermann Münchh. 1, 192.
Kutsche, k. 1) Reisewagen mit festem Verdeck; ursprünglich
ungarisches Wort, im 15. Ih. als kocsi (gesprochen
kotschi) erscheinend, und einen Wagen bezeichnend,
wie er in dem Dorfe Kocz bei Raab gebaut
wurde; Name und Sache in verschiedener Form in
slavische, romanische und deutsche Spr. übergegangen,
im Nhd. seit 16. Ih. als gutsche, kotsche, kutsche,
wovon nur das letztere geblieben ist: auf die kotschen
Garg. 211; kutsche, gutsche, rdacisim, carosse
Schottel 1353; als vornehmer Wagen: eine zugemachte
gutsche Simpl. 1, 376; in stolzen kutschen
fahren Gellert Fab. 2, 4; das wappen der republik