Full text : Die gesammten Organisationsgesetze für die innere Verwaltung des Preußischen Staates.

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25.  Juli.  Begnadigungen.

Kaiser  Karl  hat  41  Verurteilten,  denen  eine  Unterbrechung  der  Strafe
aus  einzel-  oder  gemeinwirtschaftlichen  Gründen  bewilligt  worden  war,
den  Rest  der  Freiheitsstrafe,  ferner  1441  Verurteilten  die  Strafe,  soweit
sie  nicht  durch  Einrechnung  der  Untersuchungshaft  verbüßt  ist,  oder  soweit
die  neben  der  Freiheitsstrafe  verhängte  Geldstrafe  noch  nicht  erlegt  ist,
nachgesehen  und  111  Verurteilten  eine  Milderung  ihrer  Strafe  bewilligt.

27.  Juli.  Der  siamesische  Gesandte  notifiziert  dem  Ausw.
Amt  die  vom  22.  Juli  datierte  Kriegserklärung  Siams.

Das  „WB.“  teilt  dazu  am  30.  mit:  Die  Kriegserklärung  Siams
an  Oesterreich--Ungarn  wurde  der  k.  u.  k.  Regierung  in  Form  einer  Note
bekanntgegeben.  In  diesem  Schriftstücke  wird  die  Kriegserklärung  damit
begründet,  daß  die  siam.  Regierung  sich  nicht  mehr  der  Tatsache  verschließen
könne,  daß  Oesterreich-Ungarn  trotz  dem  am  1.  April  1917  überreichten
siam.  Proteste  fortfahre,  Kriegsmethoden  anzuwenden,  die  sowohl  jedem
menschlichen  Empfinden  als  auch  den  allgemein  anerkannten  Grundsätzen
des  Bölkerrechts  widersprächen.  —  Die  Vertretung  Siams  in  der  Monarchie
übernimmt  Dänemark,  die  der  Monarchie  in  S.  die  Niederlande.

27.  Juli.  Antwort  Österreichs  an  England.

Gegenüber  der  Aeußerung  Lord  Robert  Cecils  im  Unterhause,
Deutschland  sei  der  Hauptfeind  Englands  (s.  Großbr.,  24.  Juli),  erklärt  das
Wiener  „Fremdenblatt“",  daß,  wenn  C.  einen  Unterschied  zwischen  Deutschland
  und  Oesterreich-Ungarn  macht,  indem  er  Oesterreich-Ungarn  nicht
als  Englands  Feind  bezeichnet,  die  Monarchie  bei  den  Friedensverhandlungen
  ebenso  Schulter  an  Schulter  mit  Deutschland  stehen  wird,  wie  im
Kampfe.  Unser  Bündnis  mit  dem  Deutschen  Reiche  ist  durch  die  gemeinsam
  gebrachten  Opfer,  durch  die  gemeinsam  erlebten  Freuden  und  Schmerzen
so  fest  gekittet,  daß  keine  feindliche  Macht  imstande  wäre,  es  zu  lockern.
Wenn  Ceecil  erklärte,  über  Elsaß-Lothringen  habe  Frankreich  seine  Wünsche
ausgesprochen,  und  England  habe  es  zu  unterstützen,  so  können  wir  dem
entgegnen,  daß  in  dieser  Frage  Deutschland  unbedingt  und  ohne  jeden
Vorbehalt  uns  auf  seiner  Seite  finden  wird,  eine  Versicherung,  die  übrigens
so  selbstverständlich  ist,  daß  man  sie  gar  nicht  erst  abzugeben  braucht.  Cecil
weiß  genau,  daß  die  Rückgabe  von  Elsaß-Lothringen  nur  von  einem  vollständig
  besiegten  Deutschland  erzwungen  werden  könnte,  und  daß  unsere
Monarchie  bis  zum  letzten  Atemzuge  an  der  Seite  ihres  treuen  Verbündeten
kämpfen  wird.

28.—30.  Juli.  Kaiser  Karl  weilt  neuerdings  an  der  ostgalizischen
  Front.
Am0.  findet  der  feierliche  Einzug  in  das  wiedereroberte  Tarnopol  statt.

28.  Juli.  Graf  Czernin  über  die  allgemeine  politische  Lage.

Der  Minister  des  Aeußern  Graf  Czernin  empfängt  eine  Reihe  von
Vertretern  österreichischer  und  ungarischer  Blätter,  denen  gegenüber  er  die
Mitarbeit  der  Presse  bei  Aufklärung  der  Oeffentlichkeit  über  die  großen
politischen  Fragen  würdigt  und  seinen  Dank  an  die  Presse  für  ihre
patriotische  Haltung  zum  Ausdrucke  bringt.  Im  Laufe  seiner  Ausführungen
weist  der  Minister  auf  die  hervorragend  günstige  militärische  Lage  und
auf  die  Verhältnisse  an  der  russischen  Front  hin,  wo  die  Truppen  der  Verbündeten
  in  stetem  Vordringen  begriffen  seien,  und  spricht  speziell  seine
Bewunderung  für  die  Leistungen  der  verbündeten  Truppen  aus.  Auf  die

Europäischer  Geschichtskalender.  LVIII  11