Full text : Lehrbuch des Deutschen Staatsrechts.

466  Das  Volk.

auf  2  Meilen  Wegs  an  einem  füglichen  Ort  ein  Kornmarkt  eingerichtet  werde,  für
Unterstützung  in  theurer  Zeit,  namentlich  auch  mit  Saatfrucht,  durch  Errichtung  von
4  Fruchtkästen  im  Lande,  zu  Kirchheim,  Markgröningen,  Herrenberg  und  Rosenfeld.
Von  Anordnungen  unter  Herzog  Ulrich,  Christoph  und  Friedrich  sind  zu  erwähnen:
Weide=  und  Schafordnungen,  Maßregeln  gegen  die  Theurung,  Bestimmungen  über
Anbau  der  Güter  von  Witwen,  Waisen  und  Ortsabwesenden,  Aufstellung  von  Feldsteußlern,
  Verbot  der  Verwandlung  guter  Aecker  und  Wiesen  in  Weiden  oder  Weinberge,
  Versuche,  die  Seidenzucht  im  Land  einzuführen,  aber  auch  Hemmungen  durch
wohlgemeinte  polizeiliche  Ueberwachung,  Marklosung  2c.  Im  30jährigen  Krieg  waren
viele  einzelne  Grundstücke,  ja  ganze  Markungen  durch  Aussterben  und  Wegzug  der
Besitzer  herrenlos  geworden,  überall  Mangel  an  Arbeitskräften  eingetreten.  So  gebot
schon  die  Rücksicht  auf  den  Eingang  der  Grundgefälle,  den  Gemeinden,  welche  die
herrenlosen  Güter  an  sich  gezogen  hatten  und  als  Allmanden  behandelten,  den  Anbau
derselben  einzuschärfen;  der  in  Abgang  gekommene  Bau  nach  Fluren  wurde  wieder
eingeführt,  das  Abbrennen  der  mit  Gestrüpp  bewachsenen  Wiesen,  das  Pflanzen  von
Obstbäumen  an  den  Straßen  und  auf  den  Allmanden  angeordnet  2c.  Das  18.  Jahrhundert
  brachte  neue  Kulturen,  vor  allem  die  Kartoffel  und  den  Klee,  jene  kaum
sporadisch  durch  den  Waldenser  Anton  Seignoret  in  Wurmberg  seit  1710,  dann  allgemein
  nach  der  Theurung  von  1771  und  72,  den  Klee,  für  welchen  der  Sachse
Schubart  Ritter  v.  Kleefeld  seit  den  70er  Jahren  agitirte,  sodann  den  Reps  und
die  Runkeln,  sowie  den  Brennereibetrieb,  hauptsächlich  durch  Wiedertäufer  (Mennoniten)
  aus  der  Pfalz,  welche  Pächter  der  größeren  Güter  in  den  unteren  Neckargegenden
  und  im  Hohenlohischen  wurden.  Auch  Versuche,  den  Krappbau  einzuführen,
wurden  seit  1757  gemacht,  1765  dringend  empfohlen.  Neue  Ackergeräthe  wurden
vom  Ausland  bezogen,  so  die  von  Chateauvieux  in  Genf  erfundene  Sämaschine  durch
den  Professor,  nachmaligen  Prälaten  Volz  1762;  der  Wagner  Ambacher  in  Göppingen
fertigte  die  zur  Tullischen  Ackerbestellungsweise  nöthigen  Werkzeuge.  Eine  Schafherde
  aus  Spanien  wurde  geholt  und  in  Justingen  auf  der  Alb  eine  Landes-Stammschäferei
  eingerichtet  1786  f.  Die  Einführung  der  Stallfütterung  wurde  dringend
empfohlen,  auf  die  Umwandlung  der  Allmanden  in  Fruchtfelder  und  auf  Obstbau
Preise  gesetzt.  In  der  Karlsschule  wurden,  fast  früher  als  irgendwo,  Vorlesungen
über  Landwirthschaft  gehalten.  Durch  Beispiel  und  Schriften  wirkten:  in  Altwürttemberg
der  als  Prälat  in  Adelberg  1791  gestorbene  Balthafar  Sprenger,  Professor  in
Maulbronn  1757—81  (Landw.  Wochenblatt  1859,  1.  6  B.),  unterstützt  von  dem
dortigen  Klosterverwalter  Nast  und  dem  einer  alten  Biberacher  Familie  entstammten
Hauptmann  Ge.  Friedr.  Gaupp  auf  dem  nahen  Heimbronner  Hof;  Johann  Gottlieb
Steeb,  Pfarrer  in  Grabenstetten  1787—99  (Landw.  Wochenblatt  1863,  1);  im  Hohenlohischen
  der  „Apostel  des  Gipses“  Joh.  Friedr.  Mayer,  Pfarrer  in  Kupferzell
1745—98  (Landw.  Wochenblatt  1858,  1.  Beschr.  des  OA.  Mergentheim  S.  572).

In  der  von  den  Kriegswirren  und  Verfassungskämpfen  nie  zur  Ruhe  kommenden
letzten  Herzogs=  und  ersten  Königszeit,  in  welcher  überdies  der  Wildschaden  und
das  gesammte  Jagdwesen  hart  auf  den  Landmann  drückite,  während  die  Rinderpest  in
den  Jahren  1796  und  97  schwere  Verluste  brachte,  beschränkt  sich  die  Staatssorge
für  die  Landwirthschaft  auf  einige  Anordnungen  in  Betreff  der  Kultivirung  der  Allmanden,
  des  Bracheinbaus,  der  vom  Hagel  beschädigten  Felder,  Angabe  von  Mitteln
gegen  schädliche  Thiere  und  Pflanzen,  Einziehung  von  Berichten  über  Feldertrag,  Viehzucht
  r2c.,  die  persönliche  Antheilnahme  König  Friedrichs,  der  die  auch  von  Württembergern
  besuchte  Fellenbergsche  Anstalt  in  Hofwyl  selber  gesehen  hatte,  auf  Beziehung
der  dort  eingeführten  Geräthschaften  und  Einführung  der  neuen  Grundsätze  in  Monrepos.