Full text : Kolonialpolitik. Mein politisches Vermächtnis.

ziel  an  nationaler  Bedeutung  keinem  anderen  Kriegsziel  nachsteht.


Diese  Einigkeit  ist  besonders  wohltuend  angesichts  der  Pläne
unserer  Feinde,  die  in  den  letzten  Tagen  so  deutlich  enthüllt
worden  sind  wie  nie  zuvor.

Es  liegt  heute  eine  der  bedeutsamsten  Außerungen  der  englischen
  Politik  vor,  die  Rede  des  Herrn  Balfour  im  Unterhaus.
Der  Staatssekretär  des  Auswärtigen  meldet  in  aller  Form
Englands  Anspruch  auf  die  Annexion  unserer  Kolonien  an  und
zögert  nicht,  diesen  Anspruch  moralisch  zu  begründen.  Das  ist
nun  einmal  notwendig  in  England!  Zu  diesem  Zweck  beschäftigt
er  sich  nicht  allein  mit  unserer  kolonialen  Methode,  sondern
geht  mit  vollen  Segeln  in  die  große  Politik,  unternimmt  einen
moralisierenden  Weltspaziergang  und  verkündet  am  Schluß  die
englische  Glaubenslehre,  die  darauf  hinausläuft,  das  Recht
Englands  auf  Weltherrschaft  als  etwas  Selbsiverständliches
hinzustellen,  Deutschlands  Anspruch  aber,  eine  Großmacht  zu
sein,  moralisch  zu  vernichten.

Balfours  Anklage  gegen  Deutschland  verlangt  eine  Antwort.
Dazu  schweigen,  hieße  die  Mitschuld  an  der  Verunglimpfung
unseres  Vaterlandes  auf  sich  laden.  Ich  will  mich  daher  mit
den  einzelnen  Punkten  der  Rede  des  Herrn  Balfour,  soweit  sie
im  telegraphischen  Auszug  wiedergegeben  sind,  auseinandersetzen.

Balfour  behauptet,  das  intellektuelle  Deutschland  sei  von  einer
unmoralischen  Gewaltlehre  beherrscht.

Hüben  und  drüben  gibt  es  Chauvinisten  und  Jingos.  Hüben
und  drüben  gibt  es  Leute,  die  das  Ewig-Gestrige  anbeten  und  mit
Angst  und  Unverstand  den  herannahenden  Morgen  einer  neuen
Zeit  erwarten.  Vor  dem  Kriege  bildeten  diese  Leute  bei  uns  eine

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