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erreicht, was es wollte; es konnte nun in andrer Beziehung
nachgeben, indem es die Forderung der
Entente vom 23. Aug. 1916, Unterseeboote von der
Fahrt in neutralen Gewässern auszuschließen, am
31. Aug. ablehnte; die Landung des Unterseehandelsbootes
„Deutschlande in Baltimore am 9. Juli erleichterte
diesen Beschluß. Als Deutschland am 1. Febr.
1917, nachdem es ¾/4 Jahr vergebens auf eine Milderung
der engl. Blockade gewartet hatte, erneut den Unterseeboot
- diesmal ohne jede Einschränkung, in
bestimmten Gebieten begann, indem es sich von den
am 4. Mai 1916 eingegangenen Verpflichtungen los
undledigerklärte, antwortete Wilson sofort, am ö. Febr.
1917, mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen;
der Senat ratifizierte den Abbruch am 7. Febr.
Durch eine Zirkularnote lud Wilson nunmehr am
5. Febr. alle neutralen Staaten ein, ebenfalls mit den
Mittelmächten zu brechen (zunächst allerdings ohne
Erfolg). Ein Vermittlungsversuch des Schweizer Gesandten
Ritter scheiterte. Am 26. Febr. forderte der
Präsident für sich die Vollmacht, Handelsschiffe zu
bewaffnen und alle sonstigen Maßnahmen zu ergreifen,
die er für nötig erachten würde. Das Repräsentantenhaus
bewilligte nur die Vollmacht zur Bewaffnung
der Handelsschiffe; der Senat dagegen vertagte
sich. So ging Wilsons erste Amtsperiode zu Ende,
ohne daß er die formelle volle Zustimmung des Kongresses
hatte, den Weg zu gehen, den zu beschreiten er
fest entschlossem war: den Kriegspfad.
Die für Ende 1916 fällige Präsidentenwahl nötigte
Wilson, seine Stellung zum Krieg deutlicher zu umreißen;
sein Interesse gebot es, sich die Stimmen der
Deutsch-Amerikaner zu sichern, ohne die der angelsächs.
Mehrheit zu verlieren. Während er gleichzeitig
in dem Unterseebootstreit die schärfste Stellung gegen
Deutschland einnahm, belonte er in seinen Wahlreden,
allein Amerikas Interesse und die Rücksicht auf Recht
und Freiheit der Welt bestimmten seine Haltung. Am
18. Dez. 1916 richtete er an sämtliche Kriegführenden
und neutralen Staaten eine Note, in der er vorschlug,
die Kriegführenden sollten ihm ihre Friedensbedingungen
und Vorschläge zur Verhinderung einer
Wiederholung des Krieges unterbreiten. Soviel er
ersehe, stimmten die Forderungen der Kriegführenden
in der Hauptsache Überein: Schutz der kleinen und
großen Nationen, Unmöglichmachung einer Kriegswiederholung
und eigennütziger, ungerechtfertigter
Angriffe. Verbot geheimer Bündnisse, Pründun der
Liga der Nationen zur Gewährleistung von Frieden
und Gerechtigkeit in der ganzen Welt, Sicherstellung
der Unabhängigkeit, Integrität und politischen und
wirtschaftlichen Freiheit der am Krieg beteiligten Nationen.
Der Senat billigte am 6. Jan. 1917 das
Ersuchen um Mitteilung der Friedensbedingungen,
nicht aber Wilsons Note. Die Mittelmächte antworteten
am 26. Dez., sie seien zu unmittelbaren Verhandlungen
an neutralem Ort bereit, mit ihren
Kriegszielen hielten sie zurück. Die belgische Regierung
forderte in ihrer Antwort vom 10. Jan. 1917
völlige Wiederherstellung und Sicherheit gegen eine
Wiederholung des deutschen Angriffs, die gemeinsame
Antwort der Verbündeten vom 12. Jan. 1917 nahm
den Vorschlag einer -Liga der Völker an; dagegen
sei noch nicht der Augenblick gekommen, der den von
den Mittelmächten grundlos angegriffenen Verbündeten
die Wiedergutmachungen, Rückerstattungen und
Bürgschaften sicherte, auf die sie ein Recht hätten (vgl.
Bd. II, S. 170 ff.). Wilson sah über die Antwort hinweg,
Vereinigte Staaten von Nordamerika
die die Entente auf das Friedensangebot der Mittel.
mächte erteilt hatte (vgl. Bd. II. S. 167), und stellte in
einer Friedensbotschaft an den Senat (28. Jan. 1917)
fest, daß beide Parteien zum Beitritt zu einem Bölkerbund
bereit und keine Partei des andern Vernichtung
wollte; er übersab, daß die Bedingungen der Entente
absolute bLebensinteressen der Mittelmächte berührten.
Er sah also die Möglichkeit weiterer Verhandlungen
gegeben, während die Mittelmächte
inzwischen erklärt hatten, daß die Antwort auf die
Noten der Entente auf ihr Friedensangebot nur das
Schwert erteilen könne. Wilson wege in der erwähn.
ten Botschaft die Gründung des Völkerbundes als
Grundlage des künftigen Weltfriedens voraus dieser
Völkerbund könne aber nur einen Sinn haben, wenn
der gegenwärtige Streit nicht mit der endgültigen
Niederlage der einen Partei ende; Friede ohne
Sieg sei also die Grundlage des künftigen Bundes.
Selbstverständliche Voraussetzung für die Gültigkeit
eines Friedensschlusses sei aber, daß die Regierungen
ihre Macht vom Volke ableiteten und der Zustimmung
ihrer Völker sicher seien. Jedes Volk müsse
ferner einen direkten Zugang zum Meer haben; ebenso
sei die Freiheit der Meere conditio sine qus non für
den Frieden, damit in Zusammenhang Abrüstung zur
See und, selbstverständlich, auch zu Land. Diese bedeutungsvolle
Botschaft sollte zweifellos den Anfang
einer großen Friedensaktion bilden, wie die Rückfrage
Wilsons an Deutschland über die genaueren Kriegs-Lerle
der Mittelmächte vom 28. Jan. 1917 bewies; der
eginn des uneingeschränkten Unterseebootkrieges
durch das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn am
1. Febr. 1917 machte diese Pläne Wilsons zunichte
(vgl. Deutsches Reich, S. 215). Wilson brach deshalb
augenblicklich den beschrittenen Weg der Friedensvermittlung
ab und zeigte sich entschlossen, gegen das
Deutsche Reich in den Krieg einzutreten. Diese Umschwenkung
war eine so leidenschaftliche, erregte, daß
nur die Annahme sie verständlich macht, daß der Beinn
des Unterseebootkrieges fÜr Wilson eine persöniche
schwere Enttäuschung war.
Obgleich die Aussichten Wilsons auf eine Wiederwahl
nicht allzu günstig waren, erhielt er nach hartem
Wahlkampf am 7. Nov. 1916 bei den Wahlmänner
wahlen 276 Stimmen, während 255 auf Hughes fielen.
Der Süden und Westen, also die pazifistisch gesinnten
Frauenstimmrechtsstaaten des Westens u. die neutralistisch
gesinnten ackerbautreibenden Staaten des Südens,
stimmten für Wilson; ebenso schwenkten die Deutschen
und Iren im Vertrauen auf die neutrale Haltung
Wilsons zuletzt für ihn ein und gaben dadurch die
Entscheidung. 8563 750 Stimmen lauteten für Wilson,
8162 754 für Hughes.
Am?. April 1917ließ Wilson den an diesem Tage einberufenen
außerordentlichen Kongreß eine Entschliestung
zugehen, daß der Kriegszustand mit dem
Deum chen Reiche bestünde; der Senat stimmte dem
am 5. April mit 82 gegen 5, das Nehräsentamtenhans
am selben Tage mit 373 gegen 50 Stimmen zu. Am
gleichen Tage noch erfolgte die Beschlagnahme der im
amerikanischen Häfen internierten deutschen Schiffe
(die deutsche Prise -Appame sprach der Oberste Gerichtshof
am 7. März England zu), u. Wilson unterzeichnete
am 6. April den Beschluß über den Kriegszustand.
Freudig begrüßte die Entente den neuen
Bundesgenossen; Frankreich sandte Viviani u. Joffre
als außerordentliche Gesandte, England Balfour,
Italien den Verkehrsminister Arlotta. Nunmehr