498
Der Ton ward freimuͤthiger, die Anstalten zur Selbsthälfe
schienen wirksamer zu werden, sobald der thaͤtigere
Marimilian zur vollen Regierung kam. Der Aschaffenburger
Receß erschien endlich sogar im Druck *), die Pisaner Synode
hatte neue Reformations-Ideen geweckt, der wiedcraufwachende
Geist der Wissenschaften brachte auch in diese dunkelsten
Regionen einiges neue Licht, und Kaiser Marimilian
selbst hatre Muth und Interesse genug, dem allgewalrtthätigen
Rom neue Gesetze vorschreiben lassen zu wollen. Vielleicht
härte er den Deutschen geholfen, wenn sein schöner Plan,
Pabst zu werden, glücklich gelungen wäre. Vielleicht wäre
er im Alter planmäßiger thätig geworden, wenn ihn nicht
der ausbrechende Reformations= Sturm und nachher sein Tod
*) Meines Wissens ist die erste gedruckte Erscheinung der Concordate:
Concordata princinum nationis germanicæ. Cum ar-Sumentis
sive summariis jamjam aadditis. Argentinw. 1513. 4.
Wimpheling gab sie heraus. Es war ein großer Schritt, daß
man sie nun endlich gedruckt hatte, aber wie langsam wir dem
Lichte entgegenschritten! Selbst Wimpheling gab die Concordate
nicht in der Vertrags-Form, sondern in Form einer päbstlichen
Bulle, selbst Wimpheling ließ die bekannte Stelle von den dignitatibus
majoribus und pontificalibus so abdrucken, daß die
Curialisten-Partie ganz gewonnen Spiel hatte, und auch er so
wenig als irgend einer seiner Vorgänger wußte noch von Gültigkeits=
Ueberresten einer ehemaligen Acceptation der Basler
Decrete. Der Aschaffenburger Receß heißt bei ihm Concordaia
Principum nat. gerwan. Die zwei ersteren Punkte lassen sich
dadurch entschuldigen und begreifen, er nahm die urkunde, wie
er sie vorsand; aber in jener völligen Urkunde einer gewissen
noch fortdauernden Gültigkeit der 1459 angenommenen Basler
Decrete, wie sie von 1448 bis auf die neueste, wahre oder
vermeinte Entdeckung herab allgemein sich findet, liegt doch
ein stärkeres Argument gegen die Meinung des Herrn von
Horir, als man zu glauben scheint.