dienst. Angesichts dieser Darlegungen beschloß der Magistrat, die geplante
Erhöhung zu bewilligen.
Am 22. 1. 16 ließ sich die Entrüstung der Einwohner über die Verhältnisse
auf dem Schweinefleischmarkt nicht mehr zurüchhalten. Mehrere
angesehene Bürger taten sich zusammen und überreichten dem
Magistrat eine von 2 Stadtverordneten untkerstützte Eingabe etwa folgenden
Inhalts: nach Kriegsbeginn, wo die Fleischer die Preise selbst
bestimmten und „Riesengewinne in ihre Taschen flossen“, gab es immer
genug Schweinefleisch, auch nach der großen Abschlachtung; nach Festsetzung
der Höchstpreise wurde das Fleisch meist zu Würsten verarbeitet
und nach außerhalb geschicht; dabei „entblödeten sich die Verkäufer
nicht“ höhnische Redensarten zu führen und gaben Schweinefleisch nur
bei bestimmten Mindestmengen (4—6 fd.) oder zusammen mit Kindfleisch
ab. Es wurde der Antrag gestellt, der Magistrat möge die Versorgung
der Stadt mit Schweinefleisch selbst in die Hand nehmen.
Im gleichen Sinne äußerten sich Eingaben des Ortsverbands der
deutschen Gewerkvereine (H. D.) und des Gewerkschaftskarkells für
Stolp und Umgegend.
Daraufhin entschloß sich der Magistrat zu einer durchgreifenden
Maßnahme: die Fleischer mußten von nun an die Hälfte jedes Schweins
am Orte frisch verkaufen, ein Drittel zu Wurst verarbeiten und durften
nur ein Sechstel frei verwenden. Für die Abgabe des frischen Fleischs
wurden Ausweiskarten (für Gastwirtschaften Bezugscheine) ausgegeben,
die die Fleischer annehmen mußten und die bei der Verrechnung des
empfangenen Fleischs vorzulegen waren. Die Ausweisharten berechtigten
zum Empfang von Pfd. Fleisch je Kopf und Woche.
Gleichzeitig versuchte der Magistrat, eine städtische Schweineschläch--kerei
ins Leben zu rufen, doch scheiterte es daran, daß die Militärbehörden
die nötigen Arbeitskräfte nicht frei gaben. Dafür kaufte er auf
eigene Rechnung 33 Schweine und übergab sie Fleischerfrauen, deren
Männer im Felde standen, zur Verarbeitung.
Am 22. 2. 16 wurden Hoöchstpreise für den Kleinhandel mit
Schweinefleisch festgesetzt, und zwar nach dem Ergebnis einer Sißhung
der Unterkommission so, daß die Fleischer an jedem Schwein von
210 Pfd. einen Gewinn von 18.07 JA hatten. Dazu wurde weiter bestimmt:
die Schweine werden in ausgeschlachtetem Zustand auf dem
Schlachthof gewogen, das Gewicht dem Magistrat mitgetellt und vom
Fleischer in ein Kontrollbuch eingetragen; über den PVerkauf ist gleich-58