Full text : Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

Januar  7.

18  1611  1.

überreichen  1  und  Euch  der  Hilfe  beider  zu  bedienen,  falls  die
Audienz  verzögert  würde.

Hätte  man  am  kaiserlichen  Hof  Bedenken,  es  mit  der  Schärfe
zu  wagen  und  wollte  man  dort  die  kölnische  Handlung  reassumieren,
so  habt  [hr  dagegen  die  Motive  unseres  Schreibens  vom  19./29.
Dezember  ?  einzuwenden  „und  mit  allem  vleiss  I.  M.*  und  den  räthen
vor  augen  zu  stellen,  was  für  grossen  schimpf  I.  M.!  ferner  erlangen
würde,  da  sie  auf  solcher  meinung  der  güte  verharreten,  aldieweil
doch  ganz  reichskündig,  dass  gegentells  gedanken  nur  dahin  gerichtet,
wie  sie  I.  M.‘  mit  worten  zwar  sänftigen,  mit  der  that  aber  zum
heftigsten  offendirn,  uns  von  L  M.!  abalienirn,  die  sache  ins  weite
feld  und  dohin  spielen  möchten,  damit  sia  bei  der  possess  bleiben
und  dergestalt  einnisteln  könten,  dass  alsdann  sie  heraus  zu  treiben
unmüglichen  ;  dessentwegen  wir  I.  M.'  fernern  glimpf  nicht  rathen
wolten  sondern,  do  je  die  güte  noch  eins  zu  versuchen,  es  mit  gewehrter
  hand  post  latam  sententiam  declaratoriam  geschehen  und
maiori  cum  autoritate  als  die  colnische  tractation  ablaufen  möchte,
wie  Ir  dann  mehr  denn  genugsame  rationes  in  der  kaiserlichen  schrift  zu
befinden,  dadurch  Ir  I.  M.‘  potius  ad  executionem  quam  amicabilem
compositionem  zu  persuadirn.“

Dem  Herzog  von  Braunschweig,  dessen  Gutachten  in  der  jülichschen
  Sache  Gerstenberg  kennt?,  habt  Ihr  beiliegendes  Schreiben
zu  überreichen  und  ihm  den  Verlauf  der  kölnischen  Handlung
vorzustellen,  mit  weiterer  Ausführung,  was  für  ein  Unheil  im  Reich
erfolgen  würde,  wenn  solcher  Ungehorsam  unbestraft  bliebe,  ja  ihm
Recht  gegeben  würde.  Der  Herzog  möge  daher  beim  Kaiser  Urteil
und  Exekution  ausbringen  helfon.  Gleichzeitig  habt  Ihr  bei  ihm
anzufragen,  mit  wie  viel  Reitern  und  Knechten  er  uns  wirklich  zu
unserm  Rechte  helfen  wolle.

Wenn  der  Kaiser  oder  seine  Räte  Euch  fragen,  ob  wir
geneigt  sind,  uns  in  die  „katholische  Liga‘  zu  begeben,  so
habt  Ihr  zu  entgegnen,  „dass  wir  zwar  zu  keiner  union  niemals
sonderliche  beliebung  getragen,  sondern  wüsten  wol,  was  solche
confoederationes  auf  sich  hetten  und  sgefehrligkeiten  mit  sich
brechten,  wolten  auch  nichts  liebers  wünschen  denn  dass  man  bei

frich  von  dem  Gesamthause  Sachsen  zu  einer  Schickung  an  den  König  und
an  die  Königin-Regentin  von  Frankreich,  an  den  Herzog  von  Nevers,  den  Groseberzog
  von  yookanı  und  den  Herzog  von  Savoyen  beglaubigt  (Dre.,  a.  a.  O.,
.  ;  Kpt.
1  Beglaubigung  für  die  Gesandten  bei  den  bezeichnenden  Personen  von
27,  Der;  Dre,  a.  a.  O.,  f.  208  M,  Kpt.
6.  Jan.
2  Drs.,  a.  a.  O.,  f.  186.
®  Das  braunschweigischoe  Gutachten  vom  15./26.  Dezember  1610  in
Wolfenbüttel,  Reichssachen  no.  51,  Acta  die  ungerischen  Unruhen  betr.,
Kpt.  eigh.;  Dre.,  I.  8807,  20.  Buch  jül.  Sachen,  f.  246;  Or.  eigh.;  vgl.
P.  P.  Wolf,  Geschichte  Maximilians  I,  IU.  8.  32  f.  und  A.  Gindely,
Rudolf  IL,  U.  8.  186.