Full text : Die Hohenzollern und das Reich. Band 3. (3)

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Eh  bien!  So  werde  Kolberg  eine  Burg,  dem  Ruhm  geweiht
Und  Sieg,  und  eine  Margque  der  alten  Heldenzeit

Für  kommende  Geschlechter,  damit  an  seinem  Ruhm

Der  Enkel  sich  ermanne  zu  künftigem  Heroentum!“““  —  —

Erst  nachdem  er  den  Wolfsberg  in  seine  Gewalt  gebracht  und  sich  daselbst
fesigesetzt  hatte,  vermochte  der  Feind,  seine  Laufgräben  gegen  die  Festung  selbst
zu  eröffnen.  Zwar  suchte  Gneisenau  noch  jetzt  durch  kräftige  Ausfälle  den
Fortschritt  der  Belagerungsarbeiten  zu  stören  und  den  Feind  von  der  Festung
fernzuhalten.  Aber  auch  Napoleon  sandte  dringende  Weisungen  an  den  Befehlshaber
  des  Belagerungscorps,  Marschall  Mortier,  um  die  Belagerung  zu  beschleunigen
  und  die  Festung  noch  vor  dem  Frieden  in  seine  Gewalt  zu  bringen.
Wir  müssen  es  uns  versagen,  auf  die  Kämpfe  vor  Kolbergs  Mauern  näher
einzugehen,  welche  in  ihren  Einzelnheiten  an  die  von  Homer  geschilderten  Kämpfe
vor  Ilium  erinnern,  und  eilen  zum  Schlusse,  zu  den  letzten  Ruhmestagen  der
belagerten  Festung  im  Juli.

Nachdem  auch  Danzig,  die  Königin  der  Ostsee,  nach  tapferer  Gegenwehr
unter  Kalkrenth,  unter  ehrenvollen  Bedingungen  —  gegen  freien  Abzug  der
Besatzung  —  sich  ergeben  hatte  (25.  Mai),  sandte  Napoleon  das  schwere  Belagerungsgeschütz
  von  dort  gleichfalls  gegen  Kolberg  und  verstärkte  das  Belagerungscorps
  daselbst  durch  10000  Mann.  Von  dem  Kavalier“  zu  St.  Georg
beobachtete  Gneisenau  die  täglich  näher  vorrückenden  Erdarbeiten  des  Belagerers.
Ein  wahrer  Irrgarten  von  Laufgräben  und  Annäherungswegen  in  Zickzacks
und  Schlangenlinien  hielt  die  Festung  in  engem  Zirkel  umspannt.  Die  Ausfälle
  von  der  Festung  her  waren  bei  der  großen  Ubermacht  des  Feindes  auch
im  glücklichen  Falle  stets  mit  großen  Opsern  verbunden.  In  den  letzten  Tagen
des  Inni  gelang  es  dem  Feinde,  die  Uberschwemmungsanstalten  —  Nettelbecks
mühevolles  Werk  —  teilweise  zu  zerstören,  so  daß  er  nun  auch  von  der  Mittags=
  und  Abendseite  sich  nähern  und  seine  Batterieen  gegen  die  Festung  spielen
lassen  konnte.  Mit  dem  1.  Juli  sollte  der  Hauptangriff  beginnen.

In  der  Morgenfrühe  des  1.  Juli  eröffneten  alle  Batterieen  gleichzeitig  ein
furchtbares  Feuer.  Ununterbrochen  rollte  der  Geschützdonner  den  Tag  über  rings
um  die  gestung;  nahe  vor  ihren  Thoren  wogte  die  Feldschlacht;  aber  überall
zersplitterten  die  feindlichen  Sturmangriffe  an  dem  Heldenmute  der  Verteidiger.
Der  Abend  kam  heran,  heller  leuchteten  die  Flammen  der  brennenden  Vorstädte;
aber  unnahbar  und  trutzig  stand  die  Feste,  umgeben  von  dem  blitzsprühenden

*  Kavalier  ist  ein  turmartig  überhöhendes  Festungswerk,  gewöhnlich  im  Innern  eines
Bastions.  Gneisenau  hatte  die  Si.  Georgenkirche  in  der  Lauenburger  Vorstadt  durch  Abtragung
  des  Daches  und  durch  Ausfüllung  des  inneren  Raumes  mit  Schutt  und  Erde  in
eine  Art  Kavalier  verwandeln  lassen  und  damit  einen  Standpunkt  gewonnen,  der  ihm  eine
freie  Ubersicht  des  Angriffsfeldes  im  Osten  der  Festung  gestattete.