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Eh bien! So werde Kolberg eine Burg, dem Ruhm geweiht
Und Sieg, und eine Margque der alten Heldenzeit
Für kommende Geschlechter, damit an seinem Ruhm
Der Enkel sich ermanne zu künftigem Heroentum!“““ — —
Erst nachdem er den Wolfsberg in seine Gewalt gebracht und sich daselbst
fesigesetzt hatte, vermochte der Feind, seine Laufgräben gegen die Festung selbst
zu eröffnen. Zwar suchte Gneisenau noch jetzt durch kräftige Ausfälle den
Fortschritt der Belagerungsarbeiten zu stören und den Feind von der Festung
fernzuhalten. Aber auch Napoleon sandte dringende Weisungen an den Befehlshaber
des Belagerungscorps, Marschall Mortier, um die Belagerung zu beschleunigen
und die Festung noch vor dem Frieden in seine Gewalt zu bringen.
Wir müssen es uns versagen, auf die Kämpfe vor Kolbergs Mauern näher
einzugehen, welche in ihren Einzelnheiten an die von Homer geschilderten Kämpfe
vor Ilium erinnern, und eilen zum Schlusse, zu den letzten Ruhmestagen der
belagerten Festung im Juli.
Nachdem auch Danzig, die Königin der Ostsee, nach tapferer Gegenwehr
unter Kalkrenth, unter ehrenvollen Bedingungen — gegen freien Abzug der
Besatzung — sich ergeben hatte (25. Mai), sandte Napoleon das schwere Belagerungsgeschütz
von dort gleichfalls gegen Kolberg und verstärkte das Belagerungscorps
daselbst durch 10000 Mann. Von dem Kavalier“ zu St. Georg
beobachtete Gneisenau die täglich näher vorrückenden Erdarbeiten des Belagerers.
Ein wahrer Irrgarten von Laufgräben und Annäherungswegen in Zickzacks
und Schlangenlinien hielt die Festung in engem Zirkel umspannt. Die Ausfälle
von der Festung her waren bei der großen Ubermacht des Feindes auch
im glücklichen Falle stets mit großen Opsern verbunden. In den letzten Tagen
des Inni gelang es dem Feinde, die Uberschwemmungsanstalten — Nettelbecks
mühevolles Werk — teilweise zu zerstören, so daß er nun auch von der Mittags=
und Abendseite sich nähern und seine Batterieen gegen die Festung spielen
lassen konnte. Mit dem 1. Juli sollte der Hauptangriff beginnen.
In der Morgenfrühe des 1. Juli eröffneten alle Batterieen gleichzeitig ein
furchtbares Feuer. Ununterbrochen rollte der Geschützdonner den Tag über rings
um die gestung; nahe vor ihren Thoren wogte die Feldschlacht; aber überall
zersplitterten die feindlichen Sturmangriffe an dem Heldenmute der Verteidiger.
Der Abend kam heran, heller leuchteten die Flammen der brennenden Vorstädte;
aber unnahbar und trutzig stand die Feste, umgeben von dem blitzsprühenden
* Kavalier ist ein turmartig überhöhendes Festungswerk, gewöhnlich im Innern eines
Bastions. Gneisenau hatte die Si. Georgenkirche in der Lauenburger Vorstadt durch Abtragung
des Daches und durch Ausfüllung des inneren Raumes mit Schutt und Erde in
eine Art Kavalier verwandeln lassen und damit einen Standpunkt gewonnen, der ihm eine
freie Ubersicht des Angriffsfeldes im Osten der Festung gestattete.