292 Drittes Kapitel.
der Zeit zu genügen, dem übrigen Deutschland zum Muster zu dienen
und seine Sympathien so zu gewinnen, daß dieses den engsten Anschluß
an das preußische Spstem wünschen muß. Auf Dir, der Du zu der
Regierung gekommen bist, ohne mit jener unseligen Reaktionspolitik verstrickt
und verwickelt gewesen zu sein, ja oft als ein Opfer derselben dastandest,
und dessen bekannte Loyalität des TCharakters den Deutschen als
Trpus ihres ältesten Wahlspruches „Ein Wort, ein Mlann“ vorschwebt!
Im Dertrauen zu Deiner Herson liegt der Kern der Sicherheit Europas.“
Und zur Bethätigung dieser Gesinnung sandte die Königin Dictoria
durch eine besondere Gesandtschaft unter Lord Breadalbane dem König
Wilhelm die Insignien des Bosenbandordens.
Ja, Hrinz Albert hatte recht: in dem Dertrauen, das man von
allen Seiten dem König Wilhelm entgegentrug, lag die günstigste Vorbedeutung
für seine Regierung. Und er erwiderte es durch einen bezeichnenden
Akt der ersten Tage. Am 12. Januar erließ er eine umfassende
Amnestie für alle politischen Derurteilten. Nun kehrten, die vor
der Strafe in das Ausland geflüchtet waren, freudig in das Daterland
zurück. Denn schon seit den Tagen der Regentschaft war diesem eine
neue Ara aufgegangen, deren Segnungen auch die verbissensten Gegner
der alten Seit nicht verkennen konnten.
Mit besonderer Feierlichkeit ward am 14. Jannuar der TLandtag der
Monarchie eröffnet, der dem neuen Könige das Treuegelöbnis darzubringen
hatte. Mit violettem Samt, der Landestrauer entsprechend, war der Thronsessel
im Weißen Saale des Schlosses bedeckt; ein Baldachin aus schwarzem
Samt, mit Bermelin verbrämt, erhob sich darüber. In Generalsuniform,
den Helm auf dem Raupte, unter Dortritt sämtlicher Hoschargen betrat
der König den Saal. Er stieg die Stufen zum Throne empor, begrüßte
durch elbnehmen des Helmes die Dersammlung und las, sich wieder bedeckend,
die Thronrede, in der er dankbar des heimgegangenen Königs
gedachte und sein Dertrauen auf die Treue des Volkes und auf die Sukunft
Dreußens aussprach. Die Sidesleistung der Abgeordneten beschloß
den feierlichen Akt. „An Gottes Segen“, sprach der König, die Hand
erhebend, „ist alles gelegen. Gott segne Ihren Schwur! Er segne und
schütze das Daterland!“ Und langsam stieg er die Stufen vom Throne herab.
Und nun wurde auch dem Könige die hohe Freude zu teil, daß
er die Reorganisation der Armee, die er mit Zecht stets als sein
eigenstes Werk angesehen, durch die Weihe der Fahnen für die neugebildeten
Regimenter vollenden konnte. Durch diese Reorganisation
war das stehende Heer vermehrt worden bei der Infanterie: durch