Contents : Bismarck und das päpstliche Rom.

Kardinal  v.  Geissel,  II,  236  ff.).  Er  fürchtete  schon,  im  Vatikan
auf  die  schwarze  Liste  gekommen  zu  sein.  Er  bat  sogar  den
Kölner  Erzbischof,  Kardinal  v.  Geissel,  ein  Wort  für  ihn  einzulegen.
  Viale  Prelä,  der  geheime  Drahtzieher,  konnte  beide
beruhigen.  Es  galt  nur,  auch  den  Hof  in  Wiesbaden  kirre  zu
kriegen,  damit  auch  er  die  vatikanischen  Bedingungen  glattweg
annehme.  Der  nassauische  Gesandte,  v.  Meysenburg,
der  von  Wiesbaden  aus  an  den  Nuntius  nach  Wien  geschickt
worden  war,  um  die  Friedensverhandlung  einzuleiten,  wurde  von
Viale  Prelä  so  kurz  gehalten,  daß  der  Nuntius  auf  nichts  einging
und  sogar  die  Punkte,  welche  eine  Verständigung  zuließen,  für
sich  behielt.  Erst  mußte  Nassau  unter  das  kaudinische  Joch,  wie
es  Prelä  selbst  den  vereinigten  Regierungen  der  oberrheinischen
Kirchenprovinz  im  Vatikan  bereitet  hatte,  hindurch.  Eher  ließ  man
sich  in  Rom  auf  nichts  ein.  ‚Dies  also‘‘,  beruhigt  Prelä  Kardinal
v.  Geissel  in  Köln,  ‚ist  der  Stand  der  Dinge  für  den  Augenblick.
Das  Gewitter  wird  dazu  gedient  haben,  die  Luft  zu  reinigen,  und
man  darf  hoffen,  daß  es  sich  bewahrheite:  Post  nubila  Phoebus.‘  —
„Nun  wohl!“  wiederhallte  es  aus  Köln,  ‚spät  kommst  du,  Percy,
aber  doch  du  kommst!  Möge  Gott  seinen  Segen  dazu  geben.“
Natürlich  wußte  man  im  römischen  Kriegslager,  trotz  aller
von  Bismarck  angewendeten  Vorsicht,  daß  er  in  Karlsruhe  gewesen
  war  und  zwar,  um,  wie  einer  der  geheimen  Korrespondenten
  v.  Geissels  meldete,  ‚dort  mit  dem  Minister  Grundsätze
und  Basis  für  die  Verhandlung  mit  Rom  zu  verabreden  und  unter
allen  protestantischen  Regierungen  eine  gemeinsame  Solidarität
aufzurichten.‘‘“  Saß  doch  in  Karlsruhe  als  großherzoglicher
Geheimsekretär  ein  römischer  Spion,  der,  obgleich  Protestant,
alles,  was  im  Schoße  der  badischen  Regierung  vorging,  brühwarm
  an  die  Kurie  nach  Freiburg  berichtete!  Auch  sonst  gab
es  für  die  päpstliche  Diplomatie,  die,  mit  Bismarck  zu  reden,
„bis  in  die  bettfedrigen  Mysterien  des  Ehestandes‘‘  hinab  reichte,
offenbar  Mittel  und  Wege  genug,  alle  erdenklichen  Kanzleigeheimnisse
  zu  erschnüffeln.  Trotz  dieser  Wendung  der  Dinge,
welche  den  Römlingen  so  die  Brust  schwellte,  hatte  Bismarck
die  Genugtuung,  das  staatliche  Rückgrat  sowohl  in  Karlsruhe
wie  in  Wiesbaden  wenigstens  in  etwas  gestärkt  zu  haben.  So
voll  erstrahlend,  wie  der  päpstliche  Nuntius  in  der  Hofburg  zu
Wien  die  römische  Sonne  durch  das  deutsche  Gewölk  frisch  hatte
hervorbrechen  sehen,  ist  diese  denn  doch  nicht  aufgegangen.