Eisenbahn-Töchterhort. 55
An vielen Orten sind Badeanstalten vorhanden, deren unent-
geltliche Benutzung dem Lokomotiv= und Fahrpersonal sowie den im
Betriebsdienst, bei der Bahnunterhaltung, auf den Güterböden und
in den Werkstätten beschäftigten Beamten und Arbeitern zusteht. Die
Zahl dieser Badeanstalten belief sich am 1. April 1010 auf 1043 gegen
411 am 1. April 1901.
Als ein weiteres Zeichen für das Gefühl der Zusammengehörigkeit
unter dem Personal ist auch die Stiftung „Eisenbahn-Töchterhort"
anzusehen, die im Jahre 1002 mit einem aus freiwilligen Beiträgen der
Beamten, Hilfsbeamten und Arbeiter der preußisch-hessischen Staatseisen=
bahnen und der Reichseisenbahnen aufgebrachten Stiftungskapital von über
100 000 K. errichtet worden ist. Die Stiftung bezweckt, unverheirateten
Töchtern nach dem Tode des Vaters im Falle der Bedürftigkeit und Würdig-
keit, insbesondere zur Ausbildung und Förderung ihrer Erwerbsfähigkeit,
Beihilfen zu gewähren. Zu Bewilligungen für Töchter von Unterbeamten
und Arbeitern muß satzungsgemäß mindestens ein Betrag aufgewendet
werden, der den zur Verwendung kommenden Zinsen des von Unterbeamten
und Arbeitern aufgebrachten Stiftungsvermögens und ihrer nicht dem
Stiftungskapital zufließenden späteren Spenden entspricht. Der in den
Satzungen der Stiftung niedergelegte Gedanke der Errichtung von Ver-
sorgungshäusern ist bereits durch die Erbauung eines eigenen Töchterheims
„Christianenheim“ in Erfurt zur Ausführung gekommen. Das am 3. April 1010
eröffnete Heim soll älteren Waisen, die ganz oder größtenteils
erwerbsunfähig sind, dauernden Aufenthalt (Pfleglinge), jüngeren Mädchen
während der Ausbildung für einen Beruf vorübergehenden Aufenthalt
(Zöglinge) gewähren. Das Heim bietet für 22 Pfleglinge und 60 Zöglinge
Raum.
Der Töchterhort, dessen Vermögen Ende 1000 rd. 501 000 betrug,
erweist sich als überaus segensreich. Im Jahre 1000 wurden für 947 Waisen
70 454 % als Unterstützungen gezahlt, von denen 34 783 M auf Töchter
von Unterbeamten und Arbeitern kommen. Zur Entsendung von 676 schwäch-
lichen und erholungsbedürftigen jungen Mädchen in Ferienkolonien sind
20 301 +K aufgewendet worden. Bei ihrer Unterstützungstätigkeit legt
die Stiftung besonderen Wert darauf, die Waisen durch Ausbildung für
einen bestimmten Beruf auf eigene Füße zu stellen.
Eisenbahn=
Töchterhort.